Abgesperrte Moschee in Baerum am Tag nach dem Angriff | Bildquelle: AFP

Moschee-Angriff nahe Oslo "Er wollte Schrecken verbreiten"

Stand: 11.08.2019 17:22 Uhr

Die Polizei wertet den gestrigen Angriff auf eine Moschee nahe Oslo als "versuchten Terrorangriff". Die Ermittlungen ergaben: Der Angreifer vertrat rechtsextreme Positionen.

Von Christian Stichler, ARD-Studio Stockholm

Der Tag nach dem Angriff auf die Moschee in der Nähe von Oslo bringt immer mehr Einzelheiten zum Tathergang und vor allem zum Motiv des Täters ans Licht. Inzwischen spricht die norwegische Polizei offiziell von einem versuchten Terrorangriff.

"Fremdenfeindliche Einstellung"

Einsatzleiter Rune Skjold nannte dafür mehrere Gründe: "Nach unseren bisherigen Erkenntnissen hat der Mann rechtsextreme Positionen vertreten. Er hat eine fremdenfeindliche Einstellung. Er wollte also Schrecken verbreiten", sagte Skjold. "Wir werten es damit nicht als Terroranschlag, aber als einen Versuch eines Terroranschlags."

Der Mann ist Anfang 20 und lebte offenbar in der Nähe der Moschee. In verschiedenen Internetforen soll er sich positiv über Vidkun Quisling geäußert haben, den Vorsitzenden der nationalsozialistischen Partei Norwegens während des Zweiten Weltkriegs.

Nach Medienberichten stellte der junge Mann wenige Stunden vor dem Angriff eine Nachricht in ein Online-Forum, in der von einem "Krieg der Rassen" die Rede ist. Zudem sprach er seine Bewunderung für den Attentäter von Christchurch in Neuseeland aus, der im März bei Angriffen auf zwei Moscheen 51 Menschen getötet hatte.

Moschee-Besucher verhinderten Schlimmeres

Rune Skjold | Bildquelle: REUTERS
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Der leitende Ermittler Rune Skjold bestätigte, dass der Täter mehrere Waffen bei sich trug und Schüsse abgab.

Auch zum Tathergang äußerte sich die Polizei noch einmal. Sie bestätigte, der Mann habe zwei Waffen bei sich getragen und mehrere Schüsse abgegeben. Ein Besucher der Moschee sei verletzt worden.

Die drei Männer in der Moschee hätten jedoch ein größeres Blutbad verhindern können, so der Einsatzleiter. "Es besteht kein Zweifel daran, dass das rasche Eingreifen der drei Männer in der Moschee noch vor Eintreffen der Polizei Schlimmeres verhindert hat", sagte Skjold. "Ein solches Einschreiten ist nicht ungefährlich. Die Personen haben dabei großen Mut bewiesen."

Maßgeblich war es das Verdienst eines 75-jährigen Mannes aus der Gemeinde, dass der Attentäter entwaffnet und zu Boden geworfen werden konnte. Den Männern gelang es, ihn so lange festzuhalten, bis die Polizei vor Ort war.

Einzelheiten zum Tod der jungen Frau, die im Haus des Attentäters gefunden worden war, wollte die Polizei nicht machen. Nach Medienberichten soll es sich um die 17-jährige Stiefschwester des Angreifers handeln. Gegen ihn wird nun auch wegen Mordes ermittelt.

Erhöhte Sicherheit und große Solidarität

In ganz Norwegen wurden am Tag nach dem Angriff die Sicherheitsmaßnahmen erhöht. Denn Tausende Muslime feiern heute auch in Norwegen den Beginn des Opferfestes. Vor vielen Moscheen kam es zu spontanen Solidaritätskundgebungen.

Menschen versammeln sich zu einer Solidaritätsaktion in Oslo | Bildquelle: AP
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Vor vielen Moscheen kam es zu spontanen Solidaritätskundgebungen.

Auch Norwegens Regierungschefin Erna Solberg besuchte am frühen Nachmittag mit Mitgliedern ihres Kabinetts eine Moschee im Zentrum von Oslo. "Wir nehmen die Geschehnisse sehr, sehr ernst. Wir möchten den norwegischen Muslimen versichern, dass sie sich sicher in unserem Land fühlen sollen", sagte Solberg. "Sie haben die Solidarität der Regierung, aber auch des norwegischen Volkes, um ihren Glauben frei ausüben zu können, ohne dabei bedroht oder angegriffen zu werden."

Der Angriff auf die Moschee und der fremdenfeindliche Hintergrund wecken in Norwegen Erinnerungen an den 22. Juli 2011. Damals hatte der rechtsextreme Anders Breivik bei dem schwersten Terroranschlag in der Geschichte Norwegens 77 Menschen getötet.

Polizei in Norwegen wertet Angriff auf Moschee als Terrorakt
Christian Stichler, ARD Stockholm
11.08.2019 18:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. August 2019 um 13:10 Uhr.

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