Das Rettungsschiff "Alan Kurdi" | Bildquelle: dpa

Rettungsschiff im Mittelmeer Malta verweigert "Alan Kurdi" Einfahrt

Stand: 07.07.2019 16:43 Uhr

Nach Lampedusa will auch Malta die Seenotretter der "Alan Kurdi" nicht in seinen Hafen einfahren lassen. Drei Kranke sollen aber an Land gelassen werden. Die Crew hofft auf Unterstützung der EU-Staaten.

Malta hat dem deutschen Rettungsschiff "Alan Kurdi" untersagt, im Hafen der Insel anzulegen. Wie ein Sprecher der maltesischen Armee der Deutschen Presse-Agentur sagte, hat das Schiff keine Erlaubnis in die Hoheitsgewässer Maltas einzudringen.

Das Schiff der Organisation Sea-Eye hat nach eigenen Angaben 65 Menschen an Bord, die sie in internationalen Gewässern vor Libyen von einem Schlauchboot gerettet habe. Nachdem das Schiff vergeblich auf die Erlaubnis gewartet hatte, in den Hafen der italienischen Insel Lampedusa einzufahren, hatte es Kurs auf Malta genommen.

Kranke werden an Land gelassen

Nachdem sich die Lage auf dem Rettungsschiff zuspitzte, erklärte sich Malta bereit, drei in der Hitze kollabierte Gerettete an Land zu lassen. Das bestätigte ein Sprecher der Behörden.

Sea-Eye-Einsatzleiter Gorden Isler sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass drei der Geretteten in sehr schlechtem Zustand seien. "Sie sind stark abgemagert und geschwächt und müssen dringend zur medizinischen Behandlung an Land gebracht werden." Zwei von ihnen seien Minderjährige. In den Hafen einlaufen dürfe das Schiff aber weiterhin nicht, wie Sea-Eye auf Twitter schrieb.

Appell an Deutschland und andere EU-Staaten

Die Hilfsorganisation hofft weiterhin, dass Malta das Schiff anlanden lässt, sobald Deutschland und andere EU-Staaten anbieten, die Geretteten aufzunehmen, so die Sprecherin von Sea-Eye, Carlotta Weibl: "Wir erwarten, dass Malta damit nicht allein gelassen wird."

Zuvor hatte das Schiff stundenlang vor Lampedusa auf eine Erlaubnis zum Einlaufen in den Hafen gewartet. Italiens Innenminister Matteo Salvini hatte das jedoch strikt verboten. Die Organisation erklärte daraufhin, sich an das Verbot zu halten und nach Malta fahren zu wollen.

Ein Angebot der libyschen Küstenwache, den Hafen der Stadt Sawija als "sicheren Zufluchtsort" anzulaufen, hatte das Rettungsschiff zuvor abgelehnt.

Flüchtlinge der "Alex" in Lampedusa an Land gegangen

Die von dem Rettungsschiff "Alex" geretteten Flüchtlinge sind unterdessen in Lampedusa an Land gegangen. Auch der "Alex" war die Einfahrt nach Lampedusa zuvor verboten worden. Das Schiff widersetzte sich dem Verbot jedoch.

Nach Angaben des italienischen Rundfunks wurde das Segelschiff der italienischen Hilfsorganisation "Mediterranea" beschlagnahmt. Gegen die Besatzung wurden Ermittlungen wegen Begünstigung illegaler Einwanderung aufgenommen. Die vor der libyschen Küste geretteten 46 an Bord verbliebenen Migranten wurden in ein Aufnahmelager von Lampedusa gebracht.

"Mediterranea" hatte zuvor berichtet, der Gesundheitszustand der Menschen verschlechtere sich rapide. Unter ihnen befänden sich vier Kinder und elf Frauen, von denen drei schwanger seien.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. Juli 2019 um 13:00 Uhr.

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