Ein Flugzeug der Linie Qatar Airways hebt vom Flughafen Kabul ab | AFP

Zivilflug aus Kabul 200 Ausländer ausgeflogen

Stand: 09.09.2021 14:56 Uhr

Erstmals nach dem endgültigen Abzug der internationalen Truppen sind Ausländer mit einem Zivilflugzeug aus Kabul ausgeflogen worden - mit Erlaubnis der Taliban. Rund 200 Menschen werden nach Katar gebracht.

Es ist der erste kommerzielle Flug vom internationalen Flughafen in Kabul seit dessen Schließung nach den Evakuierungsflügen und dem endgültigen Abzug der amerikanischen Truppen aus Afghanistan: Ein Flugzeug der Qatar Airways hob am Flughafen Kabul in der in der afghanischen Hauptstadt ab. Es soll rund 200 Ausländer nach Doha bringen.

Die Taliban hatten zuvor den rund 200 Staatsangehörigen westlicher Staaten die Ausreise aus Kabul erlaubt. Das teilte der katarische Sondergesandte Mutlak bin Madsched al-Kahtani mit. Diese bestiegen eine Maschine, die zuvor humanitäre Güter nach Afghanistan gebracht hatte. Er sprach von einem "historischen Tag".

Weiterer Flug am Freitag?

"Nennen Sie es, wie Sie wollen, einen Charter- oder einen kommerziellen Flug, alle haben Flugtickets und Bordpässe", sagte Al-Kahtani nun auf der Rollbahn über die Ausreiseerlaubnis für Dutzende Ausländer. Er hoffe, dass ein weiterer Flug am Freitag starten könne.

Der katarische Sender Al-Dschasira zeigte Frauen und Kinder, die auf dem Kabuler Flughafen darauf warteten, ausgeflogen zu werden. "Wir sind den Katarern sehr dankbar", sagte ein Mann, bei dem es sich dem Bericht zufolge um einen kanadischen Passagier handelte.

Eine ranghohe US-Gewährsperson sprach ebenfalls von rund 200 Staatsbürgern von westlichen Ländern, die eine Ausreiseerlaubnis bekommen hätten. Darunter seien Amerikaner, Inhaber einer US-Aufenthaltsgenehmigung und Personen mit anderen Nationalitäten. Ein Diplomat sagte, dass in den kommenden Tagen 200 weitere Ausländer ausreisen dürften - unter ihnen US-Staatsbürger.

Die "Washington Post" meldete zuvor unter Berufung auf Diplomaten in Kabul, unter den Ausreisenden seien Staatsbürger Deutschlands, der USA, Kanadas, Großbritanniens, Italiens, der Niederlande und der Ukraine. Auf der genehmigten Passagierliste stünden die Namen von insgesamt 211 Menschen.

Katar als wichtiger Akteur

Katar ist in der Afghanistan-Krise ein wichtiger Akteur. In dem Golfstaat fanden 2020 die Verhandlungen zwischen den radikalislamischen Taliban und der US-Regierung über einen Truppenabzug aus Afghanistan statt. Später wurden in Katar zudem die Verhandlungen zwischen der Miliz und der damaligen afghanischen Regierung geführt. Katar steht den USA nahe, unterhält aber auch enge Beziehungen mit dem Iran.

Anfang der Woche hatte US-Außenminister Antony Blinken in Doha Gespräche zu Afghanistan geführt. Die Ausreiseerlaubnis für eine große Gruppe von Amerikanerinnen und Amerikanern ließ Beobachter auf eine Einigung zwischen den USA und den Taliban schließen.

Wenige Wochen Luftbrücke

Die nach der Machtübernahme der Taliban gestarteten Evakuierungsflüge aus Kabul waren Ende August eingestellt worden. Über die internationale Luftbrücke waren binnen weniger Wochen etwa 123.000 Menschen aus Afghanistan ausgeflogen worden. Aber nicht alle ausreisewilligen Ausländer schafften es rechtzeitig außer Landes. Zurückgelassen wurden auch zahlreiche Dolmetscher und andere afghanische Ortskräfte der ausländischen Truppen. Viele von ihnen fürchten nun Racheaktionen der Taliban. 

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 09. September 2021 um 14:25 Uhr.