Sicherheitskräfte am Flughafen von Kabul | Bildquelle: dpa

Flüchtlinge aus Afghanistan 26 Männer abgeschoben

Stand: 24.01.2017 11:27 Uhr

Als inakzeptabel haben die Kirchen die erste größere Sammelabschiebung des Jahres nach Afghanistan kritisiert. Die 26 Männer sind bereits in Kabul gelandet - einige hatten jahrelang eine Arbeit in Deutschland, einige waren offenbar Straftäter.

Eine Gruppe von aus Deutschland abgeschobenen afghanischen Flüchtlingen ist am Morgen mit dem Flugzeug in Kabul eingetroffen. Insgesamt 26 junge Männer gehörten zu der sogenannten Sammelabschiebung, der ersten größeren in diesem Jahr und die zweite überhaupt. Die afghanischen Behörden wussten bis zum Schluss nicht, wieviele Passagiere an Bord sein würden. Sie hatten mit mehr als 40 Männern gerechnet. Wieso es nun deutlich weniger waren, ist nicht bekannt.

Die abgeschobenen Afghanen werden nach ihrer Ankunft in Kabul unter anderem von Mitarbeitern der Botschaft empfangen. | Bildquelle: dpa
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Am Flughafen von Kabul warteten unter anderem Vertreter der Behörden und der Botschaft.

Die Behörden informieren im Vorfeld nicht über solche Abschiebungen. Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur dpa sind unter den abgeschobenen Männern auch solche, die gut Deutsch sprechen und jahrelang eine Arbeit in Deutschland hatten. Nach Angaben der Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland handelt es sich bei den 26 Abgeschobenen vor allem um alleinstehende Männer. Darunter seien auch Straftäter.

Keine Möglichkeit, vor dem Flug Verwandte anzurufen

Am Flughafen von Kabul warteten Vertreter der deutschen Botschaft, der afghanischen Polizei und mehrerer Ministerien. Vertreter der Internationalen Organisation für Migration boten den Ankömmlingen Unterkünfte für einige Tage sowie Transport zu ihrem Zielort an. Im Gegensatz zu freiwilligen Rückkehrern, die bisher 700 Euro erhalten, bekommen abgeschobene Afghanen keine Unterstützung. Sie haben oft auch keine Möglichkeit, vor dem Flug Verwandte anzurufen.

Kirchen: "Menschenrechte in Gefahr"

Die Kirchen kritisierten die Abschiebung als inakzeptabel. "Kein Mensch darf in eine Region zurückgeschickt werden, in der sein Leben durch Krieg und Gewalt bedroht ist", erklärten der Vorsitzende der Migrationskommission der Deutschen Bischofskonferenz, Hamburgs Erzbischof Stefan Heße, und der Vorsitzende der Kammer für Migration und Integration der Evangelischen Kirche in Deutschland, Präses Manfred Rekowski, gemeinsam. Die Sicherheit der Menschen müsse stets Vorrang haben gegenüber migrationspolitischen Erwägungen.

Heße verwies dabei auf die im Verlauf des vergangenen Jahres verschlechterte Sicherheitslage in Afghanistan. "Die innerstaatlichen bewaffneten Konflikte in Afghanistan haben sich zugespitzt, zugleich hat auch die Zahl der innerhalb des Landes in die Flucht getriebenen Menschen zugenommen." Da immer mehr Binnenvertriebene in der afghanischen Hauptstadt Kabul Schutz suchten, sei auch dort die Situation schwieriger geworden.

Präses Rekowski erklärte: "Die Berichte des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen und weiterer internationaler Organisationen deuten darauf hin, dass Rückführungen nach Afghanistan humanitär unverantwortlich sind". "Wenn die Sicherheitslage prekär ist, sind auch die Menschenrechte in Gefahr", fügte er hinzu. Die Kirchen sprächen sich nicht grundsätzlich gegen die Abschiebung von Menschen ohne Bleibeperspektive in Deutschland aus, hieß es weiter. Abschiebungen in lebensgefährliche Gebiete seien jedoch inakzeptabel.

Proteste vor dem Abflug

Proteste in Frankfurt gegen die zweite Sammalabschiebung nach Afghanistan | Bildquelle: dpa
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Vor dem Abflug in Frankfurt gab es Proteste.

Bereits vor dem Abflug der Maschine hatte es gestern in Frankfurt Proteste gegeben. Knapp 100 Menschen demonstrierten auf dem Flughafen. Der Geschäftsführer von Pro Asyl, Günter Burkhardt, sprach von einem "russischen Roulette auf dem Rücken der Flüchtlinge". Angesichts der dramatisch verschlechterten Situation in Afghanistan müssten Ablehnungen aus den Jahren 2015 und 2016 noch einmal überprüft werden, forderte er.

Die Abschiebungen sind umstritten, weil es in weiten Teilen Afghanistans Kämpfe zwischen Regierungstruppen und radikalislamischen Taliban gibt und es immer wieder zu Anschlägen kommt. Von den rund 250.000 in Deutschland lebenden Afghanen waren Mitte Dezember nach Angaben des Bundesinnenministeriums rund 11.900 ausreisepflichtig, davon sind etwa 10.300 geduldet.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 24. Januar 2017 um 09:00 Uhr.

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