Die Silhouetten zweier Menschen vor dem Logo der Videoplattform YouTube. | Bildquelle: REUTERS

Hass im Netz YouTube will rassistische Videos verbieten

Stand: 05.06.2019 20:03 Uhr

YouTube mache Hassreden von Rassisten und Neonazis leicht zugänglich, werfen Kritiker der Plattform vor. Nun kündigt der Konzern an, solche Videos zu verbieten. Auch Verschwörungstheorien sollen eingedämmt werden.

Die Videoplattform YouTube will verschärft gegen diskrimierende und Hass verbreitende Videos vorgehen. Das kündigte das Unternehmen auf seinem Firmenblog an. "Heute gehen wir einen weiteren Schritt, indem wir Videos verbieten, die suggieren, dass eine Gruppe [von Menschen] einer anderen überlegen sei, um deren Diskriminierung, Segregation oder ihren Ausschluss zu rechtfertigen", heißt es in der Mitteilung.

Verboten sind demnach Videos, deren Inhalte Menschen aufgrund ihres Alters, des Geschlechts, der ethnischen Zugehörigkeit, des sozialen Standes, der Religion herabsetzen. "Dazu zählen beispielsweise auch Videos, die Nazi-Ideologie fördern oder verherrlichen, welche inhärent diskriminierend ist", teilte YouTube mit. Auch Videos, die den Holocaust oder Gewaltexzesse wie den schweren Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule 2012 im US-Bundesstaat Connecticut leugnen, würden künftig gelöscht.

Systemupdate in mehreren Ländern angestrebt

Man arbeite an einer Lösung, wie diese Inhalte zur wissenschaftlichen Recherche und Organisationen, die gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit kämpften, weiterhin zugänglich zu machen wären. "Wie immer ist der Kontext wichtig", heißt es.

Die Firmenzentrale von YouTube befindet sich in den USA - dort ist eine Leugnung des Holocaust nicht strafbar. Unter Hinweisen auf die Meinungsfreiheit verbleiben solche Aussagen auf US-Portalen oft online und erreichen mitunter ein großes Publikum.

Kritiker der Videoplattform hatten immer wieder angeführt, über den Empfehlungsalgorithmus kämen auch Verschwörungstheorien zu großer Popularität. Auch dem will YouTube sich künftig entgegenstellen: Im Januar sei in den USA ein Systemupdate getestet worden, das Videos mit grenzwertigen Inhalten oder "schädlicher Falschinformation" in der Empfehlung herabstufe - dazu zählten etwa angebliche Wunderheilungen von schweren Krankheiten oder Behauptungen, dass die Erde eine Scheibe sei.

Angestrebt werde, dieses verbesserte System bis zum Jahresende in weiteren Ländern einzusetzen.

"Christchurch-Aufruf" zeigt Wirkung

Soziale Netzwerke wie YouTube sind in den vergangenen Jahren unter verstärkten Druck politischer und gesellschaftlicher Gruppen geraten, Verschwörungstheorien, Falschinformationen und Hassbotschaften von ihren Plattformen zu verbannen. Mitte Mai verpflichtete sich YouTube zusammen mit acht anderen Internetriesen - darunter der YouTube-Mutterkonzern Google, Facebook und Twitter - dazu, gegen Online-Propaganda von Extremisten vorzugehen. 

Diese auch von mehreren Regierungen in Paris unterzeichnete Selbstverpflichtung wird als "Christchurch-Aufruf" bezeichnet - nach der neuseeländischen Stadt, in der ein rechtsextremer Attentäter im März bei einem Angriff auf eine Moschee 51 Menschen getötet hatte. Aufnahmen von seiner Bluttat hatte der Mann live im Internet veröffentlicht, darunter auch auf YouTube.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 05. Juni 2019 um 20:04 Uhr.

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