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Auktion bei Sotheby's www-Quellcode wird versteigert

Stand: 23.06.2021 12:35 Uhr

Es ist quasi das Gründungsdokument des World Wide Web: 9550 Zeilen Programmiercode. Nun kommen die Originaldateien des Erfinders Tim Berners-Lee unter den Hammer.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

"This changed everything" ("Das hat alles verändert") nennt Sotheby’s die Auktion ganz unbescheiden. Was ausnahmsweise mal keine Übertreibung sein dürfe - denn wer würde bestreiten, dass das World Wide Web tatsächlich so ziemlich fast alles verändert hat. Auch wenn das seinem Erfinder Tim Berners-Lee wohl nicht bewusst gewesen ist, als er am 12. März 1989 seinen Vorschlag für ein System zum Informationsaustausch vorlegte.

Peter Mücke ARD-Studio New York

Es begann im CERN

Damals arbeitete der britische Informatiker am europäischen Kernforschungszentrum CERN und hatte das Problem, dass sich Teile der Laboratorien auf schweizerischem, andere Teile auf französischem Gebiet befinden. Weil es in beiden Ländern unterschiedliche Netzwerk-Infrastrukturen gab, entwickelte er ein System, das den Austausch von Informationen über die Grenze hinweg erleichtern sollte.

9550 Zeilen umfasst dieser ursprüngliche Programmiercode, der seitdem die grundlegenden Strukturen des Internet vorgibt: Die Seitenbeschreibungssprache HTML und das Transferprotokoll HTTP und der Identifikator URI. Eine Revolution - nicht nur für die Wissenschaftswelt, für die das Projekt eigentlich gedacht war.

Tim Berners-Lee (Archivbild) | picture alliance/dpa

Erfand den Internet-Code: der britische Informatiker Tim Berners-Lee. Bild: picture alliance/dpa

Digitales Sammlerstück

Auch wenn der Code längst "Open Source" - also für jeden frei zugänglich - ist, kommt er jetzt unter den Hammer: die Originaldateien, versehen mit einem Zeitstempel und einer Unterschrift von Berners-Lee, zusammen mit einem digitalen Poster, das den Quellcode visualisieren soll, und einem Brief des Wissenschaftlers aus dem Jahr 1989, in dem er sein Projekt beschreibt.

Alles handlich verpackt in einem sogenannten NFT - einem "non-fungible token". Das ist eine Art digitales Echtheitszertifikat, das auf einer sogenannten Blockchain hinterlegt ist. Es soll beweisen, dass es sich bei dem virtuellen Objekt um ein Unikat handelt - auch wenn beliebig viele digitale Kopien existieren können. Das Sammlerstück des Digitalzeitalters sozusagen.

Mindestgebot 1000 Dollar

Als Computer-Wissenschaftler sei es nur logisch, seine Erfindung als ein solches NFT zu versteigern, sagt Berners-Lee. Es fühle sich richtig an, seine Unterschrift unter ein komplett digitales Artefakt zu setzen. Die Online-Auktion dauert eine Woche und startet mit einem Mindestgebot von 1000 Dollar. Der Erlös soll einer Stiftung zu Gute kommen.

Nachdem sich die Auktionshäuser lange gegen die Versteigerung solcher NFTs gesperrt hatten, machen sie seit einiger Zeit gute Umsätze mit der Digitalkunst. Zuletzt brachte die Versteigerung von Werken des Krypto-Künstlers Pak bei Sotheby’s 17 Millionen Dollar ein. Bei Christie’s wechselte ein NFT einer Collage des Digitalkünstlers Beeple für knapp 70 Millionen Dollar den Besitzer.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. Juni 2021 um 12:51 Uhr.