Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman | Bildquelle: AP

Nach Fall Khashoggi US-Firmen meiden "Wüsten-Davos"

Stand: 22.10.2018 09:06 Uhr

Der saudische Kronprinz Salman hat zu einer Investorenkonferenz der Superlative geladen. Doch nach dem Tod des Journalisten Khashoggi hagelt es Absagen - vor allem aus den USA.

 Von Martin Ganslmeier, ARD-Studio Washington

Im vergangenen Jahr kamen 3800 Teilnehmer aus 90 Ländern zur Investorenkonferenz nach Riad. Auch in diesem Jahr hatte der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman wichtige Unternehmenschefs und Finanzpolitiker aus aller Welt in die saudische Hauptstadt geladen. Sein Lockruf: Milliarden-Investitionen, mit denen Saudi-Arabien seine Wirtschaft diversifizieren will.

Doch aus den USA hagelte es diesmal Absagen - schon bevor Saudi-Arabien den gewaltsamen Tod des regimekritischen Journalisten Jamal Khashoggi einräumte. Aus Protest distanzierten sich bereits früh die Medienpartner CNN, "New York Times", Bloomberg und "Financial Times". Vor wenigen Tagen sagte auch Fox Business ab.

Absagen der Investorenkonferenz in Riad

Wegen des Falls Khashoggi haben zahlreiche Politiker und Wirtschaftsvertreter ihre Teilnahme an der Investorenkonferenz "Future Investment Initiative" in Saudi-Arabien abgesagt. Unter anderem entschieden sich Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing und der deutsche Airbus-Rüstungschef Dirk Hoke gegen eine Reise zu dem Treffen in Riad. Dagegen hält sich Siemens-Chef Joe Keaser eine Teilnahme weiter offen und steht deswegen in der Kritik. So forderten ihn unter anderem SPD-Chefin Andrea Nahles, CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen, FDP-Generalsekretärin Nicola Beer und mehrere Grünen-Politiker zu einer Absage auf. Siemens ist einer der Hauptsponsoren des Treffens in Riad.

Prominente Firmenchefs sagen ab

JP-Morgan-Chef Jamie Dimon | Bildquelle: REUTERS
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Die Absage von JP-Morgan-Chef Jamie Dimon hatte für viele Signalwirkung.

Nicht zuletzt aufgrund des Drucks der US-Medien folgten zahlreiche Absagen von Unternehmenschefs. Richtungsweisend waren vor allem der Chef der US-Bank JP Morgan, Jamie Dimon, und die Absage von Bill Ford, dem Verwaltungsratsvorsitzenden von Ford. Der Chef der Investorengruppe Blackstone, Stephen Schwarzman, stieg aus, obwohl die Saudis im vergangenen Jahr 40 Milliarden Dollar in sein Unternehmen investierten. Auch der Chef von Uber und der Gründer von AOL, Steve Case, reisen nicht nach Riad.

Relativ spät entschied sich US-Finanzminister Steven Mnuchin abzusagen. Schließlich will US-Präsident Donald Trump auf keinen Fall die lukrativen Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien aufgeben. Anders als im vergangenen Jahr fliegt auch die Chefin des Internationalen Währungsfonds, Christine Lagarde, nicht ins "Davos in der Wüste".

Firmenchefs aus Russland und Asien nutzen Lücken

Allerdings beobachten US-Unternehmen mit Sorge, dass russische und asiatische Firmenbosse in die Lücke stoßen. Auch deshalb sind zumindest einige US-Banken mit Vertretern des mittleren Managements in Riad dabei. Einen PR-GAU durch eine öffentlichkeitswirksame Teilnahme wollen die US-Unternehmen zwar vermeiden. Aber niemand will die Geschäftskontakte ganz abreißen lassen. Zu groß ist die Hoffnung auf Milliarden-Investitionen der Saudis.

Wüsten-Davos – Nach Khashoggi hagelt es Absagen aus USA
Martin Ganslmeier, ARD Washington
22.10.2018 09:30 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 22. Oktober 2018 um 08:17 Uhr im "Morgenecho".

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