Die Rolltore des Fleischherstellers Wilke Wurstwaren sind heruntergelassen. | Bildquelle: FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/REX

Keimbelastete Waren Wilke-Wurst auch an Ikea geliefert

Stand: 07.10.2019 16:10 Uhr

Noch immer ist unklar, wie viele Betriebe mit Wilke-Wurst beliefert wurden. Klar ist nun aber: Auch Ikea gehörte dazu. Das Land Hessen veröffentlichte außerdem eine Liste bisher bekannter Handelsnamen.

Auch der Einrichtungskonzern Ikea ist mit Produkten des hessischen Wurstherstellers Wilke beliefert worden, der wegen keimbelasteter Waren in die Schlagzeilen geraten ist. Über einen Großhändler habe Ikea Deutschland Wurst-Aufschnitt für die eigenen Restaurants von diesem Hersteller erhalten, sagte eine Ikea-Sprecherin. Sie bestätigte damit entsprechende Angaben der Verbraucherorganisation foodwatch.

Ikea habe "den Verkauf aller Produkte des Herstellers umgehend gestoppt", nachdem der Konzern am vergangenen Mittwoch über die Schließung von Wilke informiert worden sei. Nicht betroffen sei das übrige Fleisch- und Wurstwaren-Sortiment aus Restaurant, Schwedenshop und Bistro, erklärte die Sprecherin. Mittlerweile gebe es einen neuen Lieferanten für Aufschnitt.

Für Schwedisches Frühstück wirbt eine Tafel in einem Restaurant des schwedischen Möbelhauses IKEA in Berlin | Bildquelle: dpa
galerie

Im Restaurantbereich von Ikea konnte man auch Wurst kaufen, die von Wilke beliefert wurde.

Ministerium veröffentlicht Liste

Das hessische Verbraucherschutzministerium veröffentlichte unterdessen eine Liste der bisher bekannten Handelsnamen, unter welchen Wilke-Wurst vertrieben wurde. Demnach seien nach bisher vorliegenden Erkenntnissen alle Eigenmarken der Firma mit dem Identitätskennzeichen DE EV 203 EG betroffen und ebenso folgende Marken und Handelsnamen, sofern sie das Identitätskennzeichen DE EV 203 EG tragen: Haus am Eichfeld, Metro Chef, Service Bund "Servisa", CASA, Pickosta, Sander Gourmet, Rohloff Manufaktur, Schnittpunkt, Korbach, ARO, Findt, Domino, Wilke. Viele Produkte seien auch an Wursttheken in Supermärkten verkauft worden.

Offenbar ganz Rheinland-Pfalz betroffen

Waren von Wilke werden mit zwei Todesfällen in Südhessen und 37 weiteren Krankheitsfällen in Verbindung gebracht. Mehrfach wurden Listerien-Keime in Wilke-Produkten nachgewiesen. Die Keime können für Menschen mit geschwächtem Immunsystem lebensgefährlich sei. Der Landkreis Waldeck-Frankenberg in Hessen hatte als Aufsichtsbehörde den Betrieb mit 200 Mitarbeitern am vergangenen Dienstag geschlossen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung.

Auch Betriebe in Rheinland-Pfalz sind mit Wurst von Wilke beliefert worden. "Aktuell gehen wir davon aus, dass Betriebe in ganz Rheinland-Pfalz Wurstwaren des Unternehmens erworben haben", sagte Ernährungsministerin Ulrike Höfken. Bereits vergangene Woche hatte der Großhändler Metro erklärt, Wilke-Produkte und Eigenmarken mit Wilke-Fleisch aus dem Sortiment genommen zu haben.

Keine Liste der betroffenen Betriebe

Wie die Keime immer wieder in die Wurst kamen, untersuchten Spezialisten des Landes Hessen. Der Bericht sei fertig und dem Landkreis Waldeck-Frankenberg zugeleitet worden, sagte ein Sprecher des Regierungspräsidiums Darmstadt. Die Kreisverwaltung als zuständige Behörde kündigte eine zeitnahe Stellungnahme an.

Foodwatch wirft Wilke und den Behörden "schwere Versäumnisse" beim Krisenmanagement vor. Die Organisation will die Veröffentlichung von Listen aller belieferten Betrieb erzwingen - notfalls auf dem Gerichtsweg.

Insolvenzverwalter bestellt

Wilke hatte am Freitag die Eröffnung eines vorläufigen Insolvenzverfahrens beantragt. Diesem Antrag sei zugestimmt worden, sagte ein Sprecher des Amtsgerichts Korbach. Ein Insolvenzverwalter sei bestellt worden. Ziel des Verfahrens sei, dass das Unternehmen in Twistetal-Berndorf weiter betrieben werden könne. Ob das in diesem Fall gelinge, sei aber fraglich.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 07. Oktober 2019 um 15:00 Uhr.

Darstellung: