Ein Mann bedient eine Wärmepumpe | dpa

Anteil steigt rasant Wärmepumpen-Boom in Neubauten

Stand: 02.06.2022 11:24 Uhr

Die Energiewende im Wohnungsbau kommt allmählich voran: 2021 wurden in gut jedem zweitem neuen Gebäude Wärmepumpen eingesetzt. Doch Bürokratie und Handwerkermangel bremsen den Einbau.

Wärmepumpen werden immer beliebter. Im Neubau sind sie inzwischen der am häufigsten installierte Heizungstyp. Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, kommen sie in 50,6 Prozent der 2021 gebauten Neubauten - und damit erstmals in mehr als der Hälfte der neuen Gebäude - als primäre Heizung zum Einsatz. 2015 lag ihr Anteil noch bei 31,4 Prozent.

Einsatz vor allem in Einfamilienhäusern

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr nach Angaben des Branchenverbands Wärmepumpe knapp 180.000 dieser Heizungen eingebaut. Bis 2024 will die Bundesregierung die Zahl der jährlich neu installierten Wärmepumpen auf mehr als 500.000 steigern. Davon war die Bundesrepublik zuletzt aber noch weit entfernt. Die Wärmepumpe wandelt Energie aus Wasser, Erde oder Luft in Wärme um.

Besonders in Ein- und Zweifamilienhäusern sind Wärmepumpen beliebt. In fast 54 Prozent aller 2021 fertiggestellten Ein- und Zweifamilienhäuser wurde eine Wärmepumpe eingebaut. Deutlich geringer war der Anteil in Mehrfamilienhäusern mit nur 30,6 Prozent.

Heizen mit Erneuerbaren immer beliebter

In immer mehr Häusern und Wohnungen werden erneuerbare Energien zum Heizen genutzt. Neben Wärmepumpen kommen auch Solarthermie, Holz und Biogas zum Einsatz. Mehr als zwei Drittel (70,7 Prozent) der 2021 fertiggestellten Wohngebäude werden ganz oder teilweise mit regenerativen Energien beheizt, so das Statistische Bundesamt.

Der Anteil der Gasheizungen in Neubauten sank 2021 indes auf 34,3 Prozent. 2020 hatte er noch bei 39 Prozent gelegen. Vor sieben Jahren wurde noch in mehr als jedem zweiten Haus eine Gasheizung installiert.

Bürokratie bremst den Einbau von Wärmepumpen

In Deutschland könnte die Zahl der installierten Wärmepumpen Branchenkennern zufolge noch viel höher sein, wenn es weniger bürokratische Hürden gäbe. Beim Einbau einer Wärmepumpe sind viele Auflagen zu beachten. Ein Energieberater muss die benötigte Leistung der Anlage und die Effizienz ausrechnen. Auch die Anträge für Fördermittel erfordern viel Aufwand. Um die Checkliste für eine Wärmepumpe auszufüllen, brauchen die Heizungsinstallateure deutlich mehr Zeit als bei einem konventionellen Heizkessel.

Zudem fehlen oft ausreichend qualifizierte Handwerker, die Wärmepumpen fachgerecht einbauen können. Die Folge: Es kann Monate dauern, bis eine Anlage installiert wird. Der Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, Hans Peter Wollseifer, warnte heute vor Wartezeiten von "zwei bis drei Monaten" bei Handwerksarbeiten. Bei bestimmten Dienstleistungen könne die Wartezeit noch länger ausfallen, sagte er der Funke Mediengruppe. Wer beispielsweise eine Solaranlage installieren wolle, "sollte damit rechnen, dass er vor Dezember keinen Handwerker bekommt".

Nach dem Einbau einer Wärmepumpe werden Kunden aufgefordert darzulegen, ob der Einbau erfolgreich war. Dazu muss die Jahresarbeitszahl ausgerechnet werden. Hierfür sind Angaben wie Heizungsenergie, Stromaufnahme und Vorlauftemperatur erforderlich.

Kritik an langen Genehmigungsverfahren

Beim Austausch alter Öl- und Gasheizungen in schon bestehenden Gebäuden sollen verstärkt auch Wärmepumpen zum Einsatz kommen. Doch auch hier bremst die Bürokratie. Vonovia-Chef Rolf Buch beklagte jüngst in einem Interview den "hellen Wahnsinn" bei den Genehmigungsverfahren. "Wir müssen unsere Geräte bei rund 900 verschiedenen Netzbetreibern beantragen, und jeder hat ein anderes Formular."

Von den Wärmepumpen, die Vonovia für ihre zahlreichen Wohnungen im letzten Jahr beantragte, habe der Immobilien-Konzern bisher nur für zehn Prozent eine Genehmigung erhalten. "Wir müssen den Prozess vereinheitlichen und beschleunigen, damit die erwünschte energetische Erneuerung nicht an der Bürokratie scheitert", forderte der Vonovia-Chef.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. Mai 2022 um 11:37 Uhr.