Das Logo von VW auf einem schwarzen Lenkrad | Bildquelle: AFP

Diesel-Nachrüstungen Ein erstes Angebot von VW?

Stand: 27.09.2018 17:49 Uhr

Kurz vor einem neuen Diesel-Gipfel macht Volkswagen offenbar konkrete Zusagen an die Bundesregierung. Der Wolfsburger Konzern sagte laut "Spiegel" zu, sich an technischen Nachrüstungen finanziell zu beteiligen.

Die Bundesregierung ringt um eine gemeinsame Linie, um Diesel-Fahrverbote in weiteren deutschen Städten abzuwenden. Morgen will sich Kanzlerin Angela Merkel dazu mit mehreren Fachministern treffen. Am Montag wollen sich dann die Spitzen von CDU, CSU und SPD auch bei einem Treffen des Koalitionsausschusses mit dem Thema Diesel befassen. Der politische Druck ist hoch, endlich zu einer Einigung zu kommen. Hinter den Kulissen verhandelt daher der Verkehrsminister mit den deutschen Autobauern VW, Daimler und BMW, ob und wie stark sich diese am geplanten Diesel-Paket beteiligen. Nun soll es erste konkrete Angebote der Industrie geben.

Scheuer im Livestream
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Diesel-Fahrverbote drohen auch in Frankfurt am Main.

Konkrete Zusagen - oder doch nicht so konkret?

Wie der "Spiegel" berichtet, hat Volkswagen als erster Autobauer konkrete Zusagen gemacht. Demnach versprach Konzernchef Herbert Diess, sich an möglichen technischen Nachrüstungen von älteren Dieselautos finanziell zu beteiligen. Man werde "maßgeschneidert für jeden Kunden das richtige Angebot zum Umstieg vorlegen", heiße es aus dem VW-Konzern.

Außerdem wolle VW ein großes Umtauschprogramm für Autos der Schadstoffklassen Euro 4 und 5 auflegen. Ein Sprecher von Minister Andreas Scheuer wollte das nicht kommentieren. Aus VW-Konzernkreisen hieß es gegenüber der Deutschen Presse-Agentur, man arbeite an "konkreten Lösungen". VW sei an einer sinnvollen Lösung interessiert, um Fahrverbote zu vermeiden. Es komme nun darauf an, welche gemeinsame Position die Bundesregierung einnehme. Diese werde dann von VW bewertet. Es gebe noch keine festen Zusagen.

Konzerne lehnten Nachrüstungen bislang ab

Die Position der Autoindustrie war bisher, dass Hardware-Nachrüstungen zu aufwendig und teuer seien. Daher lehnten die Hersteller diese Umbauten am Motor ab. Sollte sich die "Spiegel"-Meldung bestätigen, könnten nach VW auch Daimler und BMW einlenken.

Beim Einbau von Stickoxid-Katalysatoren bestand Diess laut "Spiegel" jedoch mit Blick auf die Aktionäre seines Unternehmens darauf, nur 80 Prozent der Kosten der Nachrüstung zu übernehmen. Diese liegen pro Fahrzeug bei durchschnittlich etwa 3000 Euro. Damit lehnt er den Plan Scheuers ab, dass die Hersteller die gesamten Kosten tragen sollen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer steht in einer Werkstatt vor einem Testfahrzeug im Hauptabgaslabor des Kraftfahrt-Bundesamtes. | Bildquelle: dpa
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Verkehrsminister Scheuer verhandelt hinter den Kulissen mit den Autokonzernen.

Kein Steuergeld

Im Kern geht es bei dem Paket zur Lösung der Diesel-Krise um ein mögliches Programm zum Rückkauf älterer Diesel durch Hersteller, höhere Prämien für Autobesitzer, die alte Diesel abgeben und neue Wagen kaufen, sowie Umbauten am Motor. Die Bundesregierung hatte zuvor betont, dass die Dieselkäufer nicht an den Kosten einer Umrüstung beteiligt werden sollen. Auch wird es laut Finanzminister Olaf Scholz für Diesel-Nachrüstungen kein Steuergeld geben.

Ein Urteil zu Fahrverboten ab 2019 in Frankfurt/Main hatte Bewegung in den langen koalitionsinternen Streit um Maßnahmen für bessere Luft in Städten gebracht. Merkel, die mehrfach gegen Umbauten argumentiert hatte, rückte von ihrem Nein ab. Hessens Ministerpräsident und CDU-Vize Volker Bouffier fordert Hardware-Nachrüstungen. In Hessen wird am 28. Oktober ein neuer Landtag gewählt.

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr laut Daten des Umweltbundesamts in 65 deutschen Städten Schadstoffgrenzwerte überschritten. Dabei geht es um das gesundheitsgefährdende Stickstoffdioxid.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 27. September 2018 um 16:40 Uhr. Zudem berichteten die tagesthemen über dieses Thema am 27. September 2018 um 22:15 Uhr.

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