Pakete werden ausgeliefert | Bildquelle: imago stock&people

Arbeit von Paketzustellern Bsirske kritisiert "mafiöse Strukturen"

Stand: 23.02.2019 16:29 Uhr

Stundenlöhne unter Mindestniveau, überlange Arbeitszeiten und dubiose Subunternehmer - ver.di-Chef Bsirske hat "mafiöse Strukturen" bei Paketzustellern angeprangert. Die Unternehmen wehren sich.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft ver.di, Frank Bsirske, hat kriminelle Machenschaften beim Paketversand angeprangert. "In der Paketzustellbranche haben sich zum Teil mafiöse Strukturen etabliert", sagte Bsirske den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Unternehmen wie Hermes engagieren Firmen, die wiederum andere Firmen beauftragen, die dann Menschen aus der Ukraine, aus Moldawien oder aus Weißrussland in die Lieferfahrzeuge setzen." 

Ver.di-Chef Frank Bsirske | Bildquelle: dpa
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Bsirske fordert die Bundesregierung auf, sich stärker für die Paketzusteller zu engagieren.

"Regierung muss handeln"

Viele hätten gefälschte Pässe, sagte Bsirske. "Da werden Stundenlöhne von 4,50 Euro oder sechs Euro gezahlt und das bei Arbeitszeiten von zwölf oder sogar 16 Stunden pro Tag." Das Problem werde größer, je mehr die Branche der Paketzusteller boome.

Der ver.di-Chef fordert Regierung und Gesetzgeber zum Handeln auf. "Die Politik muss auch in der Paketbranche die sogenannte Nachunternehmerhaftung einführen", sagte Bsirske. "Das bedeutet, dass der eigentliche Auftraggeber für die korrekten Arbeitsbedingungen bei allen Subunternehmern verantwortlich ist." Das gebe es bisher nur in der Bau- und in der Fleischbranche.

Die kritisierten Unternehmen ließen die ver.di-Äußerungen nicht unwidersprochen. Man lasse sich von all seinen Servicepartnern vertraglich zusichern, "dass sie sich vollumfänglich an gesetzliche Vorgaben - insbesondere die Verpflichtung zur Zahlung des gesetzlichen Mindestlohns - halten", sagte eine Hermes-Sprecherin.

Zur Zahlung des Mindestlohns verpflichtet

Auch der Bundesverband Paket & Expresslogistik betonte, dass die Unternehmen ihre Vertragspartner zur Zahlung des Mindestlohns und zur Arbeitszeitaufzeichnung verpflichten. "Wer gegen Regeln verstößt, muss mit der Kündigung des Vertragsverhältnisses rechnen", sagte eine Sprecherin.

DHL, Marktführer vor Hermes, unterstrich, mehr als 98 Prozent der Pakete durch eigene Zusteller auszuliefern. Bei den anderen zwei Prozent müssten sich die beauftragten Firmen "bezüglich Arbeitsbedingungen und Löhnen an die gesetzlichen Bestimmungen halten", sagte eine Unternehmenssprecherin. Sie müssten sich vertraglich verpflichten, das Mindestlohngesetz einzuhalten.

Der DHL-Konkurrent DPD nannte die Äußerungen von Bsirske "eine nicht nachvollziehbare Vorverurteilung" und "geradezu beleidigend für Tausende von redlichen Transportunternehmen".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. Februar 2019 um 08:55 Uhr.

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