Sigmar Gabriel schaut in ein Auto | Bildquelle: picture alliance / dpa

VDA sucht Vorsitzenden Wird Gabriel Auto-Lobbyist?

Stand: 27.10.2019 12:05 Uhr

Der Automobilverband sucht einen neuen Präsidenten, der möglichst gute Kontakte in die Politik hat. Angeblich ist Ex-Minister Gabriel ein Kandidat - doch es wird auch ein anderer Namen gehandelt.

Fünf Tage noch, dann zieht sich der frühere SPD-Chef und Minister Sigmar Gabriel aus der Politik zurück. Zum 1. November gibt er sein Abgeordnetenmandat zurück. Begründung: Enttäuschung über seine Partei, der Wunsch nach einer Neuorientierung anlässlich seines bevorstehenden 60. Geburtstages. Und er verwies auf seine Lehraufträge an mehreren Universitäten, seine Tätigkeit als Redner sowie auf Ehrenämter.

Wie dieser Neuanfang aussehen könnte, ist nun Gegenstand von Spekulationen. Nach Informationen der "Bild am Sonntag" (BamS) soll Gabriel Präsident des Bundesverbandes der Automobilindustrie werden - also oberster Auto-Lobbyist. Bereits in der kommenden Woche wolle das Präsidium "Details" mit Gabriel klären. Das Blatt zitiert nicht näher genannte "informierte Kreise" und "Top-Manager", demnach Gabriel den Posten bekomme, falls keine unüberbrückbaren Differenzen auftreten. Der Niedersachse, der als Ministerpräsident im VW-Aufsichtsrat saß und später Bundeswirtschafts- und -umweltminister war, sei der Wunschkandidat des Verbandes.

Sigmar Gabriel als Gastredner auf einer Betriebsversammlung von VW | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Mit den Problemen der Autoindustrie ist Gabriel seit vielen Jahren vertraut.

Hildegard Müller, Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft
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Hildegard Müller hat viele Jahre Lobbyerfahrung gesammelt.

Er ist wohl nicht allein

Auch die "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS) weiß von Gesprächen zwischen dem VDA und Gabriel zu berichten. Wie die "BamS" nennt das Blatt noch eine weitere Kandidatin: die frühere JU-Vorsitzende und Staatsministerin im Kanzleramt, Hildegard Müller. Sie war 2008 zum Bundesverband Energie- und Wasserwirtschaft gewechselt und zuletzt beim Energieunternehmen Innogy tätig. Ihr dortiger Vorstandsposten wird durch die Übernahme von Innogy durch E.On laut "FAS" aber überflüssig.

Müller wie Gabriel verfügen über gute Kontakte in die Politik. Die "FAS" verweist aber auf die immer schwächere Position der SPD und fragt nach den Folgen für den Wert der Kontakte Gabriels, falls die Sozialdemokraten aus der Regierung ausscheiden. Müller dagegen habe enge Verbindungen in die CDU, könne Lobbyisten-Erfahrung vorweisen und könne als Frau dem Verband zusätzliches Gewicht verschaffen.

Das braucht der VDA angesichts der vielfältigen Probleme der Industrie - Stichworte Diesel-Skandal, E-Mobilität - und auch angesichts interner Probleme. Der aktuelle Verbandspräsident Bernhard Mattes hatte ausgerechnet während der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt seinen Rückzug zum Jahresende angekündigt.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. Oktober 2019 um 14:00 Uhr.

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