Die Konzernzentrale von Twitter in San Francisco | Bildquelle: AFP

Maßnahme bei Regelverstößen Twitter geht gegen Politiker-Tweets vor

Stand: 27.06.2019 21:33 Uhr

Twitter will verstärkt gegen Politiker vorgehen, die gegen die Verhaltensregeln des Netzwerks verstoßen. Unter anderem sollen entsprechende Tweets gekennzeichnet werden. Das könnte auch US-Präsident Trump treffen.

Der Kurznachrichtendienst Twitter führt eine Kennzeichnung für regelwidrige Politiker-Tweets ein. Das Unternehmen teilte auf seinem Firmenblog mit, bislang habe man regelwidrige Tweets stehengelassen, wenn es im öffentlichen Interesse gewesen sei, sie zu erhalten.

Ab sofort würden solche Kurzbotschaften nicht mehr direkt angezeigt, sondern mit einer Kennzeichnung überdeckt, die auf die Regelverletzung hinweise. Nutzer müssten dann erst den Bildschirm antippen oder mit der Maus auf den Hinweis klicken, um die eigentliche Kurznachricht zu sehen.

Weniger Prominenz für regelwidrige Tweets

Außerdem sollen entsprechende Tweets weniger prominent verbreitet und nicht mehr als Push-Nachricht empfohlen werden. Dafür will Twitter seinen Algorithmus verändern. In der Vergangenheit seien Tweets, die etwa zu Gewalt aufriefen, nicht gelöscht worden, wenn sie im öffentlichen Interesse gewesen seien. "Aber es war nicht klar, in welchen Fällen wir uns dafür entschieden haben und warum", heißt es in dem Eintrag. Der neue Hinweis solle nun "zusätzliche Klarheit" schaffen.

Die Maßnahme soll für die verifizierten Portale politischer Kandidaten und Regierungsvertreter mit mehr als 100.000 Abonnenten gelten. Die Neuerung könnte also auch US-Präsident Donald Trump treffen, der seine Stellungnahmen zu aktuellen Themen bevorzugt über Twitter abgibt und dort 61 Millionen Abonnenten hat. Kritiker warfen ihm wiederholt vor, mit seinen Beiträgen gegen die Nutzungsbedingungen von Twitter zu verstoßen.

Trump kritisierte Twitter wiederholt

US-Präsident Donald Trump mit einer roten USA-Kappe im Garten des Weißen Hauses. | Bildquelle: AP
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Was Twitter mache, sei "einfach fürchterlich": So kritisierte Trump das soziale Netzwerk bereits in der Vergangenheit

Der US-Präsident hatte Twitter und den anderen großen Tech-Konzernen erst am Mittwoch im Sender "Fox Business" vorgeworfen, "konservative" Inhalte zu unterdrücken. Twitter beschuldigte er, Nutzer daran zu hindern, ihm zu folgen. Das mache es ihm "sehr schwer", seine Botschaften zu verbreiten. Was Twitter mache, sei "einfach fürchterlich". Belege für seine Vorwürfe legte er nicht vor.

Auch Tweets vom brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro könnten betroffen sein. Bolsonaro hat mehr als 4,5 Millionen Follower - und hat bereits in der Vergangenheit mit sexistischen und rassistischen Aussagen auf Twitter für Aufsehen gesorgt.

Twitter und andere Internetdienste stehen zunehmend unter Druck, gegen Hass im Netz und die Verbreitung extremistischer Propaganda vorzugehen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. Juni 2019 um 21:00 Uhr.

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