Die Twitter-Zentrale in San Francisco  | picture alliance / AA

"Missverständnis" Twitter-Chef legt Streit mit Apple bei

Stand: 01.12.2022 08:51 Uhr

Elon Musk hatte den iPhone-Hersteller wegen einer angeblich angedrohten Entfernung aus dem App-Store scharf kritisiert. Nach einem Gespräch mit dem Apple-Chef rudert er zurück. Das "Missverständnis" sei aufgeklärt worden.

Der neue Twitter-Chef Elon Musk hat nach jüngsten Auseinandersetzungen mit dem US-Tech-Unternehmen Apple von einem "gutes Gespräch" mit Konzernchef Tim Cook gesprochen. Die beiden hätten das "Missverständnis" über eine mögliche Entfernung der Social-Media-Plattform aus dem App-Store von Apple ausgeräumt, twitterte Musk gestern: "Tim hat sehr deutlich gemacht, dass Apple dies nie in Erwägung gezogen hat."

"Was ist hier los?"

Musk hatte den iPhone-Hersteller zuvor verbal attackiert. In einer Serie von Tweets stellte er zu Beginn der Woche die Frage in den Raum, ob Apple die Redefreiheit in Amerika hasse - da der Konzern seine Werbung bei Twitter nach dem Verkauf an ihn weitgehend eingestellt habe. Dann behauptete er, Apple habe ohne Angabe von Gründen gedroht, Twitter aus dem App-Store zu werfen.

Der neue Twitter-Eigentümer hatte sich zuvor auch über eine angeblich "geheime" Gebühr von bis zu 30 Prozent beschwert, die Apple für In-App-Käufe erhebt - eine allgemein bekannte Umsatzbeteiligung. Musk postete in dem Zusammenhang auf Twitter ein Meme, in dem er andeutete, dass er eher bereit wäre, mit Apple "in den Krieg zu ziehen", als die Provision zu zahlen. Musk hatte Cooks Twitter-Account in einem weiteren Tweet markiert und gefragt: "Was ist hier los?"

Rüge aus Brüssel

Indes ist Musk von der EU-Kommission ermahnt worden. So hat der für Digitales zuständige EU-Kommissar Thierry Breton den neuen Twitter-Eigentümer Elon Musk zu verstärkten Anstrengungen zum Schutz vor Hassrede, Desinformation und anderen schädlichen Inhalten auf der Plattform aufgefordert. Sonst könne der Kurzmitteilungsdienst gegen das neue EU-Gesetz über digitale Dienste verstoßen, sagte Breton dem Tech-Milliardär gestern in einer Videokonferenz. In dem Gespräch ging es unter anderem darum, wie gut Twitter auf die neue Verordnung vorbereitet ist. Bei Verstößen gegen das Gesetz drohen Online-Plattformen hohe Bußgelder oder sogar ein Verbot in der Europäischen Union.

Nach einem Gespräch mit Twitter-Chef Elon Musk teilte Breton mit, er freue sich zu hören, dass Musk den sogenannten "Digital Services Act" gelesen habe. Twitter habe aber noch viel Arbeit vor sich. Der Kurznachrichtendienst müsse transparente Nutzerrichtlinien einführen, Inhalte deutlich stärker moderieren, die Meinungsfreiheit schützen und entschlossen gegen Desinformation vorgehen, teilte der Kommissar mit.

"Stresstest" bei Twitter geplant

Musk hatte mehrfach angekündigt, aus seiner Sicht zu starke Einschränkungen der Meinungsfreiheit auf der Plattform beseitigen zu wollen. Erst zu Wochenbeginn wurde bekannt, dass Twitter nicht länger gegen die Verbreitung von Falschbehauptungen über die Corona-Pandemie vorgeht. Daraufhin testeten einige Twitter-Accounts, wie weit sie nun gehen können. Seit dem Kauf Twitters durch Musk beobachten Internetdienste eine Häufung von rassistischen oder antisemitischen Inhalten auf der Online-Plattform.

Das EU-Gesetz über Digitale Dienste soll unter anderem sicherstellen, dass Plattformen illegale Inhalte auf ihren Seiten schneller entfernen. Die Vorgaben gelten ab Mitte Februar 2024 in der gesamten EU - für besonders große Plattformen schon früher. Anfang 2023 will die Kommission einen "Stresstest" in der Twitter-Zentrale durchführen.

Über dieses Thema berichtete BR24 am 29. November 2022 um 08:08 Uhr.