US-Präsident Trump im Weißen Haus | Bildquelle: REUTERS

Kritik an Zinserhöhungen Trump setzt Notenbank unter Druck

Stand: 21.08.2018 07:39 Uhr

Die Unabhängigkeit der Notenbank zählt für US-Präsident Trump wenig. Vielmehr machte er deutlich, dass er von ihr Hilfe erwartet. Trump stören die jüngsten Zinserhöhungen.- an der Börse kam das schlecht an.

US-Präsident Donald Trump hat sich abermals in die Politik der US-Notenbank Federal Reserve eingemischt und ihren Kurs unter dem neuen Chef Jerome Powell kritisiert. "Ich bin nicht davon begeistert, dass er die Zinsen erhöht. Nein, ich bin nicht begeistert", sagte Trump in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Vielmehr sollte sich die Fed zurückhalten und ihm "etwas helfen".

Dass ein US-Präsident die Zinspolitik der Notenbank in Frage stellt, ist ein höchst ungewöhnlicher Vorgang. Die Fed ist in ihren Entscheidungen unabhängig. Powell hatte dagegen Mitte Juli versichert, dass die Fed "politische Erwägungen nicht berücksichtigt". Der US-Präsident hatte Powell im vergangenen Jahr als Nachfolger von Janet Yellen an der Spitze der Fed nominiert. Den Kurs des neuen Chefs hatte Trump bereits im Juli kritisiert.

Sorge um zunehmende Inflation

Die Fed hat in diesem Jahr bereits zweimal ihren Leitzins erhöht. Zuletzt hob sie im Juni den Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld auf die aktuell gültige Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent an.

Sie reagierte damit auf das anhaltend robuste Wachstum der US-Wirtschaft und will einer Überhitzung vorbeugen. Die Arbeitslosigkeit im Land ist anhaltend niedrig, die Inflation dagegen steigt. Trump hat das ohnehin starke Wachstum mit seinen Steuersenkungen noch einmal befeuert.

An den Börsen wird mit einem weiteren Schritt im September gerechnet. Trump wiederum sieht die positive Entwicklung der US-Wirtschaft dadurch gefährdet. Seine Äußerungen könnten Befürchtungen stärken, dass es langfristig zu einer stärkeren Geldentwertung in den USA kommt. Der Dollar gab nach dem Interview an mehreren Märkten nach.

Kritik an China, EU und Türkei

Zugleich warf Trump China und Europa vor, ihre Währungen zu manipulieren. Im Streit mit der Türkei zeigte sich Trump unversöhnlich. Er werde der Türkei nicht entgegenkommen, um eine Freilassung des dort festgehaltenen US-Pastors Andrew Brunson zu erwirken, sagte er. "Es wird keine Zugeständnisse geben."

Seiner Meinung nach habe er mit Präsident Recep Tayyip Erdogan eine Abmachung gehabt. Demnach half Trump nach eigenen Worten dabei, Israel zu überreden, eine türkische Bürgerin freizulassen. Im Gegenzug sei er davon ausgegangen, dass Erdogan Brunson freilassen werde. "Ich habe diese Person für ihn rausgeholt." Jetzt erwarte er, dass Erdogan seinen Teil der Abmachung einhalte.

Die türkische Regierung hat dementiert, jemals einer Freilassung Brunsons zugestimmt zu haben. Auf Bedenken, dass die im Zuge des Konflikts verhängten Importzölle auf Stahl und Aluminium aus der Türkei wirtschaftlichen Schaden auch in anderen Ländern anrichten könnten, entgegnete Trump: "Ich mache mir überhaupt keine Sorgen."

Trump kritisiert US-Notenbank
Martina Buttler, ARD Washington
21.08.2018 06:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. August 2018 um 05:41 Uhr.

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