Stahlarbeiter | Bildquelle: AFP

US-Strafzölle Für den Handelskonflikt gerüstet

Stand: 28.05.2018 11:39 Uhr

Am Freitag soll Trumps Handelskonflikt gegen Europa beginnen. Dann will der US-Präsident Strafzölle auf Stahl und Aluminium verhängen. Bundeswirtschaftsminister Altmaier will das verhindern.

Von Timo Fuchs, ARD-Studio Washington

Für den Handelskrieg bringt Trump seine Geschütze in Stellung. Vor wenigen Tagen beantragte er beim Handelsministerium einen Bericht, um die Auto-Industrie zum Baustein der Nationalen Sicherheit erklären zu können. Diese Formalie braucht Trump, damit er ohne den Kongress Zölle verhängen kann. Für den 1. Juni kommt dieser Antrag allerdings zu spät, Zölle auf deutsche Autos wird es zunächst also nicht geben.

Für Stahl und Aluminium hat Trump aber bereits die Freigabe des Ministeriums auf dem Tisch - und deshalb sagt Wirtschaftsexperte Jacob Kirkegaard vom Peterson Institute for International Economics: "Diese Zölle kommen auf jeden Fall."

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier versucht in weiteren Gesprächen, US-Zölle auf Stahl- und Aluminiumeinfuhren europäischer Firmen noch zu verhindern. "Wir sind am Beginn einer entscheidenden Woche", sagte Altmaier beim Treffen der EU-Wettbewerbsminister in Brüssel.

Peter Altmaier | Bildquelle: dpa
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Die Bundesregierung werde die nächsten Tage nutzen, "um über einen Deal zu sprechen, der im Interesse beider Seiten ist", sagte Wirtschaftsminister Altmaier.

"Viele werden nicht mehr wettbewerbsfähig sein"

Findet sich keine Lösung in letzter Minute müssten Europäer für die Einfuhr von Aluminium zehn Prozent zahlen, für Stahl 25. Große Stahlfirmen - wie ThyssenKrupp - könnte das dazu drängen, ihre Produktion erstmals oder noch intensiver in die USA zu verlegen und Fabriken zu bauen. Aber was ist mit kleineren Stahlfirmen? Die dürften an der Mammutaufgabe scheitern, sagt Kirkegaard: "Viele werden nicht mehr wettbewerbsfähig sein und aufhören in den USA zu verkaufen."

Das verliefe dann genau nach Trumps Plan. Auf einem Treffen mit amerikanischen Stahlunternehmern sagte er voraus, dass wohl alle von ihnen sofort ihre Unternehmen ausbauen würden, sobald er ihnen mit den Zöllen helfe: "Und ihr werdet mehr Arbeiter anstellen und eure Arbeiter werden sehr glücklich sein."

Freud und Leid für US-Wirtschaft

Aber glückliche amerikanische Arbeiter wird es womöglich nicht überall geben. Denn Trump schafft zwar einem kleinen Bereich der US-Wirtschaft die ausländische Konkurrenz vom Hals - aber gleichzeitig setzt er damit einen großen Bereich der US-Wirtschaft unter Druck: nämlich alle US-Unternehmen, die Stahl und Aluminium verarbeiten und die höheren Preise zahlen müssen.

Der Haushaltsgerätehersteller Whirlpool schlug deshalb bereits Alarm, genauso Campbell, der Produzent von Dosensuppen. Und auch die Autoindustrie ist in Alarmbereitschaft. Dazu kommt, dass die EU einen Gegenschlag angekündigt hat, der amerikanische Produzenten von Whiskey oder Motorrädern treffen soll.

Kraftstofftank einer  2017 Harley-Davidson Road King FLHR | Bildquelle: picture alliance/AP Photo
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Strafzölle könnten auf US-Seite den Motorradhersteller Harley-Davidson hart treffen.

Zunächst nur "Peanuts"

Allerdings betreffen beide Zoll-Manöver von den USA und der EU am Ende nur ein Handelsvolumen im Wert von sechs Milliarden Dollar. "Peanuts", sagt Kirkegaard. Denn die vollen Handelsbeziehungen zwischen USA und EU belaufen sich mit Investitionen auf über zwei Billionen Dollar. Deshalb sei die entscheidende Frage, ob der Handelskrieg nach den ersten beiden Schlägen schon zu Ende ist.

Wohl kaum, denn die "Vergeltung der Vergeltung" ist ja bereits vorbereitet: Eine 25 prozentige Steuer auf europäische Autos - sobald Trump sie zur Bedrohung der Nationalen Sicherheit erklären kann. Die Größenordnung der betroffenen Wirtschaft ist dann eine völlig andere. Das beträfe dann vor allem die deutsche Industrie. Ab Herbst könnte auch diese Schlacht in Trumps Handelskrieg beginnen.

Countdown für Trumps Strafzölle auf Stahl- & Aluminium
Timo Fuchs, ARD Washington
28.05.2018 10:13 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 28. Mai 2018 um 11:50 Uhr.

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