Eine Boeing 777 auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens | picture alliance/dpa

Triebwerksbrand bei der 777 Maschinen sollen am Boden bleiben

Stand: 22.02.2021 17:04 Uhr

Nach dem Triebwerksbrand einer Boeing 777 sollen nun alle baugleichen Modelle am Boden bleiben. Es handelt sich um ältere Jets, die viele Airlines schon ausgemustert haben.

Von Sebastian Moritz, WDR

Nachdem bei einer Boeing 777 das rechte Triebwerk in Brand geraten war, ruft der Konzern alle Fluggesellschaften auf, die Maschinen mit den Triebwerken des Modells PW4000 des Herstellers Pratt & Whitney vorerst am Boden zu lassen. Eine Maschine der US-Fluggesellschaft United Airlines hatte am Samstag kurz nach dem Start in Denver mehrere Teile des rechten Triebwerks verloren. Sie stürzten in den Vorgarten eines Wohnhauses und auf einen Sportplatz in der Ortschaft Broomfield kurz vor Denver. Dabei ging die Sache noch glimpflich aus: Weder am Boden, noch an Bord der mit 241 Menschen besetzten Maschine gab es Verletzte.

Auch in den Niederlanden gab es einen Zwischenfall: Ebenfalls am Samstag verlor eine Boeing 747 kurz nach ihrem Start in Maastricht Metallteile. Medienberichten zufolge wurden dabei eine Frau und ein Kind leicht verletzt und mehrere Autos beschädigt. Die Cargo-Maschine auf dem Weg nach New York brach den Flug ab und landete in Lüttich. In der betroffenen Maschine ist das gleiche Triebwerk verbaut wie bei der Boeing, die in Denver außerplanmäßig landen musste. Ob es einen Zusammenhang zwischen den beiden Vorfällen gibt, ist allerdings noch nicht geklärt. Der Flugzeugbauer äußerte sich zu dem Vorfall in den Niederlanden zunächst nicht. Die niederländische Flugaufsicht hat mit den Untersuchungen begonnen.

Ältere Modelle betroffen

In den USA teilte die US-Flugaufsichtsbehörde FAA nach einer ersten Prüfung mit, dass die "Inspektionsintervalle für die hohlen Lüfterflügel erhöht werden sollten". Diese Flügel seien einzigartig für das Triebwerksmodell und würden nur beim Typ 777 verbaut, zwei dieser Flügel seien am Samstag gebrochen. Nach Angaben von Boeing gibt es weltweit 128 Flugzeuge mit dem entsprechenden Triebwerkstyp, knapp die Hälfte der Maschinen steht wegen Corona ohnehin im Hangar. Nach Angaben des Unternehmens sind weniger als zehn Prozent der Boeing-777-Maschinen mit dem entsprechenden Triebwerkstyp ausgestattet. Dabei handelt es sich um ältere Modelle, die viele Fluggesellschaften schon ausgemustert haben. Die Lufthansa hat nach Angaben eines Sprechers keine betroffenen Flugzeuge im Betrieb.

Rekordverlust wegen Corona

Boeing leidet besonders stark unter den Folgen der Coronakrise. Als der Luftverkehr im vergangenen Jahr zwischenzeitlich praktisch zum Stillstand kam, stornierten zahlreiche Fluggesellschaften Bestellungen. Mehr als 1000 Aufträge seien aus den Büchern gestrichen worden, heißt es von Boeing. Im vergangenen Jahr habe der Konzern nur gut 150 Flugzeuge ausgeliefert, das sind nicht einmal halb so viele wie im Vorjahr. Außerdem hat Boeing Probleme mit einem neuen Großraumjet 777X. Der sollte schon im vergangenen Jahr auf den Markt kommen, inzwischen ist die Rede von 2023. In der Bilanz für das vergangene Jahr steht ein Minus von knapp zehn Milliarden Euro - der größte Verlust in der mehr als 100-jährigen Unternehmensgeschichte.

Die Aussicht auf einen Neustart des Reisebetriebs hatte bei dem Konzern zuletzt für Hoffnung gesorgt. Klar scheint aber auch: Wenn die Bestellungen wieder anziehen, wird davon vor allem der Rivale Airbus profitieren. Die Europäer hatten Boeing schon 2019 als größter Flugzeugbauer der Welt abgelöst.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. Februar 2021 um 12:00 Uhr.