Schalkes Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies | Bildquelle: dpa

Clemens Tönnies Der krisenerprobte Fleischbaron

Stand: 22.06.2020 19:55 Uhr

Der Fleisch-Unternehmer Clemens Tönnies steht nach dem Corona-Ausbruch massiv in der Kritik. Wer ist der Mann, der in der Vergangenheit immer wieder Unmut auf sich zog - und dennoch meist einen Ausweg fand?

Von Jens Eberl, WDR

1:4 gegen Wolfsburg - die hohe Niederlage der Schalker am vergangenen Samstag dürfte den Gemütszustand von Clemens Tönnies ganz gut beschreiben. Dabei könnte der Aufsichtsratschef des Revierklubs positive Nachrichten gut gebrauchen. Unternehmerisch steht er, wie er selbst sagt, vor einer existenziellen Krise.

Tönnies ist ein mächtiger Mann. Das US-Magazin Forbes schätzte sein Vermögen im April 2019 auf umgerechnet 1,4 Milliarden Euro. Dann kam Corona. Zunächst ging es einigermaßen normal am Haupt- und Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück - im größten Schlachtbetrieb Deutschlands - weiter.

20.000 Schweine wurden dort täglich geschlachtet und verarbeitet. Als beim Konkurrenten Westfleisch viele Corona-Fälle bekannt wurden, warnte er noch vor "Vorverurteilungen" und lobte seinen Betrieb als vorbildlich. Seit vergangener Woche hat sich die Tönnies-Welt um 180 Grad gedreht.

Der Schalker Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies spricht auf der Bühne. | Bildquelle: dpa
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Schalker Aufsichtsratsvorsitzender Clemens Tönnies: Eigentlich Kummer gewohnt.

Mit 15 Jahren ins Unternehmen gekommen

Der Unternehmer meldete sich zunächst nicht zu Wort. Er sei krank. Dann wandte er sich an die Öffentlichkeit und entschuldigte sich. Er lebt immer noch in Rheda, wo er als Kind eines Metzgers aufwuchs. Er war erst 15 Jahre alt, als sein älterer Bruder mit ihm zusammen einen Großhandel für Fleisch- und Wurstwaren gründete. Daraus wurde eines der größten Fleischunternehmen Europas.

Doch Bruder Bernd starb kurz nach einer Nierentransplantation. Am Sterbebett soll Clemens ihm versprochen haben, nicht nur die Leitung der Firma zu übernehmen, sondern auch den Job bei Schalke 04. Dabei sei er eigentlich kein Mann für die erste Reihe, soll er dazu einmal gesagt haben.

In dieser Rolle fühlte er sich über die Jahre aber immer wohler. Er hat gute politische Kontakte, fädelte einen lukrativen Sponsorendeal mit dem russischen Milliardenkonzern Gazprom ein. Zwischen ihm und Russlands Staatschef Wladimir Putin entstand eine Männerfreundschaft, bei jedem Treffen soll es ein kleines Geschenk geben, "aus eigener Herstellung".

Streit in der Familie

Seit vielen Jahren liegt Clemens Tönnies im Clinch mit seinem Neffen Robert Tönnies. Er ist der Sohn und Erbe des verstorbenen Firmengründers Bernd Tönnies. Beide halten jeweils 50 Prozent am Unternehmen. Die Streitigkeiten über Führungsanspruch und Gesellschafteranteile beschäftigten immer wieder die Gerichte.

Als der massenhafte Ausbruch von Corona bekannt wurde, forderte Robert wenig später den Rücktritt seines Onkels. In einem Brief warf er der Geschäftsleitung und dem Beirat des Konzerns unverantwortliches Handeln sowie die Gefährdung des Unternehmens und der Bevölkerung vor. Zwei Tage später legte er nach. Clemens solle den Weg für dessen Sohn Max freimachen. Außerdem forderte Robert die Einberufung einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung.

Umgang mit Krisen gewöhnt

Es kommt momentan viel auf Clemens Tönnies zu, aber er ist es gewohnt, mit Krisen umzugehen. Eine seiner bis dahin schwerste war die völlig missglückte Aussage im vergangenen August beim Tag des Handwerks in Paderborn. Als er dort für den Bau von Kraftwerken in Afrika plädiert - mit dem Hinweis: "Dann hören die auf, die Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn's dunkel ist, wenn wir die nämlich elektrifizieren, Kinder zu produzieren."

Es hagelte Kritik, seinen Posten bei Schalke legte er auf Eis - für drei Monate. Danach kehrte er in die Öffentlichkeit zurück. Seine umstrittenen Äußerungen bezeichnete er wiederholt als "Fehler": "Es hätte mir nicht passieren dürfen", sagte er später. Jetzt unterstützt er Afrika-Projekte der Kindernothilfe. Wie Clemens Tönnies aus der aktuellen Krise herauskommen will, ist noch unklar. Vermutlich wird er einen Weg finden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Juni 2020 um 20:00 Uhr.

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