Fliegen Klima Fluftickets | Bildquelle: dpa

Steuer auf Flugtickets Drei bis 17 Euro mehr pro Flug

Stand: 04.10.2019 17:48 Uhr

Fliegen teurer machen und Bahnfahren im Gegenzug billiger. Unter anderem damit will die Bundesregierung ihre Klimaziele erreichen. Aus dem Finanzministerium liegen jetzt erste Zahlen zur Steuererhöhung vor.

Erklärtes Ziel der Bundesregierung für mehr Klimaschutz ist es, fliegen zu verteuern. In einem Entwurf des Finanzministeriums werden erstmals konkrete Zahlen genannt. Die Steuererhöhung beliefe sich demnach je nach Streckenlänge auf drei bis 17 Euro. Die Änderung ist zum 1. April 2020 geplant.

Genauer aufgeschlüsselt: Für Flüge im Inland und in EU-Staaten würde die Steuer um rund drei Euro steigen - auf dann 10,43 Euro pro Ticket mit Start von einem deutschen Flughafen. Bei Strecken bis 6000 Kilometer ist eine Erhöhung um mehr als neun Euro auf 32,57 Euro vorgesehen. Bei noch weiteren Fernstrecken sollen künftig 58,63 Euro fällig werden. Das wären rund 17 Euro mehr als bislang.

Wer fliegt nicht wegen drei Euro mehr?

Auf die Frage, inwieweit diese Summen Menschen vom Fliegen abhalten könnten, verwies eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums auf regelmäßige Kontrollen. Man werde sich jedes Jahr anschauen, inwieweit die Klimaschutzmaßnahmen griffen und sie gegebenenfalls anpassen.

Kritik der Luftfahrtbranche

Ursprünglich war eine Verdoppelung und sogar eine Verdreifachung der Steuer im Gespräch gewesen. Dennoch kam aus der Luftfahrtbranche heftige Kritik. Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV, sprach von einer "unverantwortlichen Wettbewerbsverzerrung". Er warf der Regierung einen Bruch des Koalitionsvertrages vor. Union und SPD hätten dort vereinbart, Flughäfen und Luftfahrtunternehmen "von einseitigen nationalen Kosten" zu entlasten.

Ähnlich argumentiert auch der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL): "Dies verschärft die bereits bestehende Wettbewerbsverzerrung und belastet die heimische Luftverkehrswirtschaft weiter, die in einem starken internationalen Wettbewerb steht, der ganz wesentlich über die Ticketpreise entscheiden wird", hieß es in seiner Stellungnahme. "Klimapolitisch sinnvoll wäre stattdessen gewesen, die bisherigen Einnahmen aus der Luftverkehrssteuer gezielt für Innovationen beim nachhaltigen Fliegen zu verwenden - also vor allem für die Entwicklung und die Markteinführung von regenerativen Kraftstoffen", ergänzte BDL-Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow.

Dem Staat soll die Erhöhung Mehreinnahmen von gut 300 Millionen Euro im kommenden Jahr einbringen, ab 2021 wird dem Gesetzentwurf zufolge mit zusätzlichen Einnahmen von mehr als einer halben Milliarde Euro im Jahr gerechnet.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 04. Oktober 2019 um 11:00 Uhr.

Darstellung: