Junge Japanerin hätl ein Nintendo Switch

Weihnachtsgeschäft Kampf der Spielekonsolen

Stand: 19.11.2020 14:24 Uhr

Wenige Tage nach Microsofts neuer Xbox kommt heute die Playstation 5 von Sony auf den Markt. Doch auch der Konkurrent Nintendo holt auf. Wer macht im Milliardenmarkt der Spielekonsolen das Rennen im Weihnachtsgeschäft?

Von Thomas Spinnler, boerse.ARD.de

Auf diesen Moment haben "Gamer" seit Monaten hingefiebert: Vergangene Woche brachte Microsoft die neue Xbox auf den Markt, heute folgt in Deutschland Sony mit der Playstation 5. Sowohl Microsofts Xbox-Serie X als auch die Playstation 5 kosten hierzulande 499 Euro.

Xbox One X
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Xbox One X

Beide Hersteller bieten auch Versionen ohne Laufwerk an. Die Spiele müssen dann aus dem Netz geladen werden. Bei Microsoft soll das Xbox S genannte Modell 299 Euro kosten, die Digital Edition der PS 5 ist für 399 Euro zu haben. Jetzt hoffen Sony und Microsoft auf das lukrative Weihnachtsgeschäft.

Sony will den Vorsprung halten

Beide neue Konsolen bieten im Prinzip keine revolutionären Veränderungen. Natürlich ist die Leistungsstärke kräftig gewachsen: Vor allem mit Themen wie 4K-Auflösung, Grafikqualität, oder der Anzahl der Bilder, die pro Sekunde über den Schirm gejagt werden (FPS), möchten die Unternehmen punkten.

Für Sony geht es insbesondere darum, den in vergangenen Jahren erarbeiteten Vorsprung vor Microsoft zu halten. Das Vorgängermodell, die Playstation 4, verkaufte sich seit dem Start 2013 ungefähr 114 Millionen Mal. Expertenschätzungen zufolge ist das rund doppelt so viel wie Microsofts alte Xbox One. Genaue Zahlen werden von Microsoft nicht veröffentlicht. Vor allem das breite Angebot an exklusiven Spielen machte die Playstation bei vielen Spielern attraktiv.  

Microsoft legt nach

Sony Playstation 5
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Sony Playstation 5

Aber Microsoft rüstet auf. Vor einigen Monaten erwarb man für 7,5 Milliarden Dollar  den Videospiel-Konzern Zenimax und sorgte damit für einen Paukenschlag in der Branche. Zenimax ist die Konzernmutter des Spiele-Entwicklers Bethesda Softworks und ist verantwortlich für erfolgreiche Spiele wie "Doom", "Fallout" oder "The Elder Scrolls". Wenn Spiele dieses Kalibers künftig exklusiv für die Xbox vermarktet und produziert würden, wäre das ein starkes Argument für Microsofts Konsolenvariante.  

Hinzu kommt, dass Microsofts Abodienst "Game Pass" verglichen mit dem Sonys "Playstation Now" wohl letztlich attraktiver ist, weil die Spiele aktueller sind und nicht nur auf Konsolen, sondern auch auf anderen Endgeräten wie PC oder Smartphone gespielt werden können.    

Einige Analysten rechnen deshalb damit, dass Microsoft mit seinen neuen Modellen aufholen könnte. Die Experten von Ampere Analysis, prognostizieren, dass die Xbox bis Ende kommenden Jahres 13,5 Millionen Mal verkauft werden könnte. Für die PS5 rechnen sie mit 17,9 Millionen Verkäufen. Das ist zwar deutlich mehr, doppelt so viel ist es nicht.  

Hohe Erwartungen bei Nintendo

Trotzdem könnte ausgerechnet der Konkurrent Nintendo im Weihnachtsgeschäft das Rennen machen. Die Switch-Konsole ist zwar schon 2017 erschienen, aber nicht immer zieht das Neue die Käufer an: Für Nintendo spricht zum einen, dass das Spieleangebot mit exklusiven und beliebten Marken deutlich größer ist. Einen umfangreichen Spielekatalog für die neuen Modelle haben derzeit natürlich weder Microsoft noch Sony zu bieten. Viele Interessierte könnten sich deshalb entscheiden mit dem Kauf abzuwarten, bis das Angebot breiter wird.

Nintendo Switch
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Nintendo Switch: Verkaufsprognose erhöht

Hinzu kommt, dass Analysten Lieferengpässe bei beiden neuen Konsolen erwarten - und das ausgerechnet im wichtigen Weihnachtsgeschäft. Analyst Morris Garrard vom Beratungsunternehmen FutureSource rechnet beispielsweise damit, dass es trotz großer Nachfrage in den kommenden Monaten schwierig werden könnte, eine Konsole zu erwerben.  

Das Problem hat Nintendo wohl nicht: Anlässlich der jüngsten Quartalszahlen hatte der japanische Spielekonzern die Prognose für die Verkaufszahlen der Switch-Konsole massiv nach oben geschraubt. Im aktuellen Geschäftsjahr (per Ende März) sei mit einem Absatz von 24 Millionen Stück zu rechnen, fünf Millionen mehr als bislang angenommen. Wegen der Corona-Pandemie möchten sich die Kunden die Zeit im Heim eben so angenehm wie möglich vertreiben.

Die letzten Konsolen ihrer Art?

Vielleicht aber weist der Konsolenwettstreit zwischen den drei großen Playern ohnehin vor allem in die Vergangenheit. Mittlerweile gibt es Experten, die davon ausgehen, dass es sich bei den aktuellen Spielgeräten um die letzten ihrer Art handeln könnte. Angesichts der rasend schnellen technologischen Veränderungen in der Branche ist es fraglich, wie weit das Konsolen-Geschäft noch trägt.   

Google Stadia
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Google Stadia: Die Zukunft des Gamings

Denn die Konkurrenz hat längst Alternativen im Angebot: Google bietet den Cloud-Gaming-Dienst "Stadia" an. Auch Amazon arbeitet daran, seine Cloud-Gaming-Variante "Luna" populär zu machen.  

Dabei müssen Nutzer nicht mehr einzelne Spiele kaufen oder über Gaming-Konsolen verfügen, sondern können direkt über eine Cloud von Geräten ihrer Wahl auf die Spiele zugreifen. Leistungsstarke Hardware oder gar Konsolen brauchen sie dafür nicht.  

Quelle: boerse.ard.de

Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 19. November 2020 um 18:05 Uhr in der Sendung "Profit".

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