Bahn in der Schweiz | Bildquelle: ARD-Studio Zürich

Schweizer Bundesbahnen Der Vorzeigeschüler schwächelt

Stand: 06.12.2018 21:07 Uhr

Sie sind in Europa das Vorbild auf Schienen: die Schweizer Bundesbahnen. Doch die SBB schwächeln bei der Pünktlichkeit - zwar auf hohem Niveau, die Schweizer Nerven strapaziert es trotzdem.

Von Dietrich Karl Mäurer, ARD-Studio Zürich

Die Schweizerischen Bundesbahnen SBB landen im europäischen Vergleich immer wieder auf dem Spitzenplatz. Hochgelobt zum einen der Taktfahrplan: Der wurde 1982 eingeführt, unter dem Motto "Jede Stunde ein Zug in jede Richtung", und seitdem immer weiter verbessert. Anschlussverbindungen garantiert.

Schmerzgrenze drei Minuten

Legendär ist auch die Pünktlichkeit der Schweizer Bahn. Sie setzt die europaweit strengsten Kriterien an: Pünktlich gilt in der Schweiz, wenn Reisende am Zielort mit weniger als drei Minuten Verspätung ankommen. Zum Vergleich: die Deutsche Bahn wertet alles unter sechs Minuten als pünktlich.

Den Fahrplan einzuhalten, sei ein wichtiges Kulturgut bei den Schweizerischen Bundesbahnen, sagt stolz Linus Looser, der Leiter des Verkehrsmanagements des Personenverkehrs bei den SBB: "Ich glaube, bei uns ist schon in der DNA und im Eisenbahnerherz die Pünktlichkeit an oberster Stelle, nebst der Sicherheit. Die Sicherheit kommt zuerst und dann die Pünktlichkeit. Das ist auch in unseren Konzernzielen verankert."

91 Prozent der Reisenden sollen laut Unternehmensstatut der Schweizerischen Bundesbahnen ihr Ziel pünktlich erreichen. Im ersten Halbjahr 2018 wurde das auch erreicht - wenn auch knapp. Doch gerade in den vergangenen Monaten häuften sich die Verspätungen.

Vor allem auf den Paradestrecken hakt es

Die Internetseite pünktlichkeit.ch erfasst jeden einzelnen Zug und zeigt auf: Insbesondere auf den sogenannten Paradestrecken der SBB, etwa Zürich-Bern, lief es zuletzt alles andere als präzise wie ein Schweizer Uhrwerk. Auf einigen Strecken war sogar etwa jeder zweite Zug unpünktlich. 

Das musste auch Rudolf Büchi einräumen. Der Leiter Infrastruktur bei den Schweizerischen Bundesbahnen sagte im Schweizer Fernsehen: "Einerseits sind Bauarbeiten der Grund. Wenn gebaut wird, dann müssen wir die Geschwindigkeit reduzieren." Weitere Faktoren, unter denen die Pünktlichkeit leiden könne: fehlende technische Wartung der Triebfahrzeuge. Oder es fehlten noch Sensoren, die anzeigen, dass etwas nicht stimmt, bevor eine Anlage ausfällt.

Eine Anzeigetafel auf dem Hauptbahnhof in Zürich | Bildquelle: ARD-Studio Zürich
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In den vergangenen Monaten zeigten die Informationstafeln am Züricher Hauptbahnhof häufiger Verspätungen an.

"Pro Bahn" gibt Sparkurs und Umstrukturierung die Schuld

Die Pünktlichkeit gewohnten Schweizer sind mächtig genervt von der neuen Unzuverlässigkeit der vergangenen Wochen und Monate. Auch Karin Blättler, die Präsidentin vom Verband "Pro Bahn" zeigt wenig Verständnis:

"Wir spüren, dass der totale Umbruch, die massiven Einsparungen und diese dauernde Umstrukturierungen mit Schuld sind. Und deshalb ist unsere Forderung: Marsch halt und Rückbesinnen auf die Uraufgaben eines Bahnbetriebs."

Der nahende Wintereinbruch dürfte den Pünktlichkeitsquoten der Schweizer Bahn nicht zuträglich sein. Doch alles ist relativ. Im Fernverkehr erreichten in den vergangenen vier Wochen 81 Prozent der Schweizer Züge pünktlich ihr Ziel - bei der Drei-Minuten-Regel. In Deutschland , wo die Sechs-Minuten-Regel gilt, kamen im November gerade einmal 70 Prozent der Fernzüge ohne größere Verspätung ans Ziel.

Mehr Verspätungen? Vorbild Schweizer Bahn immer öfter zu spät
Karl Dietrich Mäurer, ARD Zürich
06.12.2018 20:30 Uhr

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