Eine Maschine der irischen Fluggesellschaft Ryanair am Flughafen Frankfurt am Main. | Bildquelle: dpa

Arbeitskampf Streiks bei Ryanair am Mittwoch

Stand: 11.09.2018 13:49 Uhr

Wer morgen mit Ryanair fliegen will, wird wohl Probleme bekommen. Die Gewerkschaften riefen Piloten und Flugbegleiter in Deutschland zu Streiks auf. Ryanair droht bei weiteren Streiks mit einem Stellenabbau.

Bei Ryanair in Deutschland muss morgen erneut mit massiven Flugausfällen gerechnet werden. Die Vereinigung Cockpit (VC) rief die rund 400 in Deutschland stationierten Kapitäne und Co-Piloten der irischen Billigfluggesellschaft auf, im Zeitraum von 3:01 Uhr morgens bis zum nächsten Tag um 02:59 Uhr die Arbeit niederzulegen.

VC wendete sich an alle festangestellten Piloten, die an Ryanair-Stationen in Deutschland beschäftigt sind. Betroffen sind somit alle Flüge, die in dieser Zeit aus Deutschland starten sollen. Wie beim ersten Arbeitskampf Mitte August geht es erneut um die Gehälter und Arbeitsbedingungen der bislang ohne Tarifvertrag fliegenden Piloten des größten Billigfliegers in Europa. Parallel rief die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di die rund 1000 Flugbegleiter von Ryanair in Deutschland ebenfalls für Mittwoch zum Streik auf.

Die Fluggesellschaft Ryanair hält die angekündigten Streiks ihres fliegenden Personals hingegen für nicht gerechtfertigt. Sprecher Robin Kiely forderte die deutschen Piloten auf, ihrer Arbeit nachzugehen. "Da wir bereits örtliche Verträge und eine verbesserte Bezahlung angeboten haben, gibt es keine Rechtfertigung für weitere Störungen", erklärte er.

Ryanair drohte mit einem Stellenabbau, sollte es weitere Pilotenstreiks geben. Solche Arbeitskampfmaßnahmen würden zur Streichung von Standorten und Stellen für Piloten und Flugbegleiter führen, erklärte Ryanair.

VC-Verhandlungschef: "Wir erwarten endlich Lösungen"

In einer Mitteilung von VC heißt es, dass die Pilotengewerkschaft seit Monaten Verbesserungen im Bereich der Vergütung und der Arbeitsbedingungen fordere. Auf die bereits seit 2017 unveränderten Forderungen habe die Geschäftsleitung nach wie vor kein verbessertes Angebot unterbreitet.

"Trotz des deutlichen Zeichens durch den Streik Anfang August, herrscht immer noch Stillstand am Tariftisch. Wir erwarten endlich Lösungen", so Ingolf Schumacher, VC-Tarifvorstand in der Mitteilung. Die VC hatte das Ryanair-Management im September zu einer Schlichtung aufgefordert und Vorschläge zum Ablauf einer solchen Schlichtung überreicht.

Geschäftsleitung spielt auf Zeit

"Statt sich aber mit dieser Aufforderung konkret auseinander zu setzen und eine Schlichtungsvereinbarung mit der VC zu schließen, versuchte die Geschäftsleitung nur durch unkonkrete und inhaltslose Aussagen auf Zeit zu spielen und ist offenbar weiterhin nicht einmal ansatzweise an einer Lösung interessiert", heißt es in der Mitteilung.

"Aus Sicht der VC muss ein Schlichter nicht nur über ausreichende Kenntnis des deutschen Rechts verfügen, sondern auch die Parteien zu einer Gesamtlösung führen können", so die Gewerkschaft.

Separate Abschlüsse in Italien und Irland

Zwischenzeitlich hatte das Unternehmen mit den nationalen Pilotengewerkschaften in Italien und Irland separate Abschlüsse getroffen, die aber der deutschen VC offenkundig nicht ausreichen. Die Einigungen könnten nicht als Blaupause für eine Lösung in Deutschland dienen, so die VC.

In Irland sei noch keine Vereinbarung über Vergütung und allgemeine Arbeitsbedingungen geschlossen worden. Selbst neue Streiks seien dort nicht ausgeschlossen. In Italien seien strukturelle Fragen bei Arbeitszeit und Vergütung "unzureichend geregelt".

Ein Flugbegleiter von Ryanair geht durch vollbesetzte Reihen eines Flugzeugs. | Bildquelle: REUTERS
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Wegen eines Flugbegleiterstreiks in mehreren Ländern sagte Ryanair Ende Juli europaweit 300 Flüge ab.

Forderungen von Flugbegleitern in anderen Ländern

Neben den Piloten verlangen auch in anderen europäischen Ländern die Flugbegleiter höhere Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen. Einige Gewerkschaften etwa in Spanien und Portugal haben ebenfalls schon gestreikt.

In Deutschland nannte ver.di ein bislang vorliegendes Entgeltangebot indiskutabel. Die Gewerkschaft verlange "eine substantielle Entgeltsteigerung, die das Einkommen für alle Beschäftigten existenzsicher und planbar macht. Dazu gehören unter anderem die Einführung eines Basisgehaltes für alle Flugbegleiter und die Erhöhung dieses Gehaltes".

Ver.di will auch gegen Befristungen, Leiharbeit und kurzfristige Versetzungen angehen.

Am 10. August hatten die deutschen Piloten gemeinsam mit Kollegen aus den Niederlanden, Belgien und Schweden die Arbeit niedergelegt. Die Airline hatte in der Folge rund 400 Verbindungen abgesagt, rund ein Sechstel des für diesen Tag geplanten Europa-Programms. Betroffen waren rund 55.000 Passagiere. Ein Drittel der Flüge in Deutschland konnte damals stattfinden, weil die Maschinen aus dem nicht bestreikten europäischen Ausland gekommen waren.

Deutsche Ryanair-Piloten wollen streiken
Anne Demmer, ARD London
11.09.2018 10:01 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. September 2018 um 21:00 Uhr.

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