Passagiere boarden einen Easyjet-Flug | Bildquelle: REUTERS

Mehr Flüge, mehr Ziele, mehr Probleme Billigflieger werden teurer

Stand: 19.06.2018 06:00 Uhr

Die Billigfluglinien werden teurer - so das Ergebnis einer aktuellen Studie. Außerdem gibt es immer mehr billige Flüge, mehr Ziele und mehr Sitze. Doch der Erfolg bringt auch Probleme.

Von Jan-Peter Bartels, Hessischer Rundfunk

Die Kampfansage war groß, frech und eindeutig: "Auf Wiedersehen, Lufthansa!" lackierte Ryanair vor rund 15 Jahren auf seine Flieger. Seitdem haben die Billig-Airlines den deutschen Luftfahrtmarkt radikal verändert. Wie sehr, zeigt der neue Billigflieger-Marktbericht des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).

Rund 4850 Billigflüge gibt es inzwischen pro Woche in Deutschland, 1200 mehr als noch vor einem Jahr, heißt es in dem Bericht. Um 34 Prozent steigt also die Zahl der Flüge, die Anzahl der angebotenen Sitze steigt um 35 Prozent, die Zahl der Ziele um 24 Prozent. Das klingt nach rasantem Wettbewerb, führt aber nicht zu sinkenden Ticketpreisen für die Kunden - im Gegenteil.

Billig-Flieger haben ihre Strategie verändert

Das DLR hat Durchschnittspreise für Flugtickets errechnet. Demnach variieren die Kosten je nach Airline zwischen 53 und 117 Euro pro Flug inklusive Steuern, Gebühren und Zuschlägen. Vor einem Jahr lag diese Spanne noch zwischen 44 und 105 Euro.

"Hierbei spielen sicherlich steigende Ölpreise und Personalkosten eine Rolle", sagt Studienleiter Peter Berster vom DLR. "Aber auch die verstärkte Präsenz an Großflughäfen kann die Preise nach oben treiben." Denn auch das ist ein Ergebnis des neuen "Low Cost Monitor": Die Billigflieger starten immer mehr von großen Flughäfen, zum Nachteil von Regionalflughäfen wie beispielsweise dem rheinland-pfälzischen Hahn.

"Die Billigflieger haben ihre Strategie verändert", erklärt ARD-Luftfahrtexperte Michael Immel. "Sie heben jetzt auch an den großen Luftfahrtdrehkreuzen wie in Frankfurt und München ab und immer häufiger heißt es: Geschäftskunden, ja gerne!"

Kein Wachstum ohne Schmerzen

Damit bekommen die Low-Cost-Airlines immer mehr Passagiere. Von den rund 236 Millionen Fluggästen, die im vergangenen Jahr in Deutschland gestartet oder gelandet sind, saßen 59 Millionen in einem Billigflieger. Zählt man die Kunden von Air Berlin hinzu, waren es sogar 80 Millionen.

Mehr Kunden, mehr Flüge, mehr Starts und Landungen - das führt auch zu Wachstumsschmerzen. Eurowings und andere Billig-Airlines kämpfen mit verspäteten und gestrichenen Flügen. Ryanair macht lautstark Personalmangel bei den Fluglotsen dafür verantwortlich. "Die Airlines sind jetzt auf die Flugsicherung sauer, die Kunden wiederum sind auf die Airlines sauer", analysiert Immel. "Dabei kann sich die Luftfahrtbranche einen Chaos-Sommer nicht leisten. Schon jetzt sind viele Kunden massiv verunsichert."

Nach der Pleite von Air Berlin ist die Neuaufteilung des Markts im vollen Gange. Kleine Airlines verschwinden zunehmend vom Markt, schreibt der DLR. Der Wettbewerb sei hart und konzentriert: Zwar befliegen die Billig-Airlines europaweit 6500 unterschiedliche Strecken, davon ist auf 87 Prozent dem Report zufolge aber nur ein Low-Cost-Anbieter unterwegs. 

Direkte Konkurrenz zwischen zwei oder mehreren Anbietern gibt es nur auf rund 750 Strecken. Dazu zählen unter anderem Verbindungen zu den beliebtesten Zielen - bei deutschen Low-Cost-Kunden sind die Top-Städte London, Barcelona und Dublin.

Ryanair ist die unangefochtene Nummer Eins

Auch wenn Lufthansa zusammen mit seiner Tochter Eurowings weiter den deutschen Markt beherrscht, in Europa ist Ryanair inzwischen bei den Billig-Airlines unangefochten die Nummer Eins. Mehr als 11.000 Starts schaffen die Iren europaweit pro Woche und liegen damit weit vor Easyjet (etwa 7700) und Eurowings (etwa 3700).

Und bald könnten Ziele außerhalb Europas hinzukommen. Denn um weiter wachsen zu können, experimentieren die ersten Airlines mit Low Cost auf der Langstrecke: "Mehrere Airlines versuchen das derzeit irgendwie zu stemmen," so ARD-Luftfahrtexperte Immel. "Aber wir sehen auch am Beispiel von Norwegian, wie schwierig dieses Geschäft ist. Ich glaube nicht, dass das die Zukunft ist."

Norwegian versucht bei Flügen nach Nordamerika und Asien mit modernen Boeing 787 einen Fuß in den Markt zu bekommen. Billig, zurückhaltend lackiert, weniger laut als damals Ryanair - und dennoch müssen sich die Platzhirsche wie Lufthansa darauf einrichten, auch auf der Langstrecke Konkurrenz von Billig-Fliegern zu bekommen.

Über dieses Thema berichteten am 19. Juni 2018 die tagesschau um 12:00 Uhr und tagesschau24 um 12:30 Uhr.

Darstellung: