Öl-Raffinerie in Deer Park Texas | Bildquelle: AP

Nach Einigung OPEC-Staaten hoffen auf höheren Ölpreis

Stand: 10.04.2020 18:30 Uhr

Das Ölkartell OPEC will den Ölpreis nach einem drastischen Rückgang wieder nach oben treiben. Die größten Förderländer einigten sich auf eine Kürzung der Produktion. Mexiko stimmte der Einigung nachträglich zu.

Das Ölkartell OPEC und seine Kooperationspartner wollen angesichts der Corona-Krise deutlich weniger Erdöl fördern. Die OPEC+ genannte Runde mit den Schwergewichten Saudi-Arabien und Russland kündigte nach stundenlangen Verhandlungen eine Produktionskürzung um 10 Millionen Barrel (je 159 Liter) pro Tag für Mai und Juni an - das entspricht rund zehn Prozent der weltweiten täglichen Rohölproduktion.

Nach anfänglichem Zögern stimmte auch Mexiko, das zu der Staatengruppe gehört, der Vereinbarung zu und kündigte an, seine Produktion um 100.000 Barrell am Tag zu kürzen. Allerdings ist bislang unklar, ob das den anderen Ölförderstaaten genügt.

Schrittweise Kürzung

Nach dem OPEC+-Beschluss soll die Produktion von Juli bis Dezember um täglich acht Millionen Barrel Öl gesenkt werden, zwischen Januar 2021 und April 2022 dann noch um sechs Millionen Barrel. Als Ausgangsniveau wurde jeweils die Produktionsmenge im Oktober 2018 festgelegt, für Saudi-Arabien und Russland gilt ein eigenes Ausgangsniveau von elf Millionen Barrel pro Tag.

Ob die Entscheidung den Ölpreis und damit auch die Preise an den Tankstellen wieder stiegen lässt, ist deshalb noch nicht klar. Eine schnelle Kürzung um zehn Millionen Barrel Öl pro Tag und mehr schien zuletzt aber unumgänglich, da die Corona-Krise und ein Preiskampf zwischen Saudi-Arabien und Russland den Ölpreis haben abstürzen lassen.

Ein Arbeiter greift an Ventile einer Ölleitung auf dem Ölfeld Nihran Bin Omar im Irak | Bildquelle: dpa
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Immer mehr Öl kam zuletzt auf den Markt- das ließ die Preise stürzen.

Wie reagieren die USA?

Die OPEC+ erwartet nun von anderen großen Öl-Nationen wie den USA, dass auch sie künftig deutlich weniger Öl aus dem Boden holen als bisher. Von Mexiko hatte das Kartell eine Kürzung um 400.000 Barrel täglich erwartet. Der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador sagte dazu, dieser Forderung habe das Land nicht zugestimmt, weil es gerade erst mit großer Anstrengung seine Produktion erhöht habe.

Die Zusage von einer Verringerung um 100.000 Barrel sei durch Zugeständnisse der USA möglich geworden. US-Präsident Donald Trump habe zugesagt, dass die USA zusätzlich zu ihrer bisherigen Zusage ihre Produktion um weitere 250.000 Barrel am Tag kürzen würden.

Ein Streit und seine Folgen

Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent lag am 19. Februar noch bei fast 60 US-Dollar. Dann scheiterte der Versuch von Saudi-Arabien und Russland, eine gemeinsame Linie zu finden. Dadurch liefen bis dahin geltende Beschränkungen bei der Fördermenge Ende März aus. Der sich deutlich abzeichnenden Corona-Krise zum Trotz fuhren die Kontrahenten ihre Produktion hoch - und trieben den Ölpreis rasant in den Keller. Am 1. April kostete das Fass dann bloß noch rund 25 Dollar.

Um mit Produktionskürzungen angesichts der globalen Virus-Krise nun den Preis wieder heben zu können, hoffen die 23 OPEC+-Staaten auf die Hilfe anderer Staaten - schließlich will das Kartell die Last nicht alleine tragen. Kanada und Norwegen deuteten zuletzt Interesse an einer gemeinsamen Strategie an, die Skandinavier nahmen auch an den stundenlangen OPEC+-Beratungen teil. Auch die Organisation der afrikanischen Öl-Staaten (APPO) stellte sich am Donnerstag demonstrativ hinter die Opec+.

Eine Kürzung der Rohölproduktion um zehn Millionen Barrel am Tag entspräche etwa zehn Prozent der gesamten, weltweiten Produktion vor der Corona-Krise. Der Anteil der 13 OPEC-Staaten am globalen Ölmarkt betrug zuletzt etwas weniger als 30 Prozent, gemeinsam mit den zehn Kooperationspartnern ("OPEC+") sind es rund 45 Prozent.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 10. April 2020 um 10:43 Uhr.

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