Handball Champions League Spiel  | Bildquelle: imago/masterpress

Konflikt um Sponsoren Nordstream-Streit erreicht Polens Handball

Stand: 05.10.2018 14:04 Uhr

Polen stemmt sich gegen die "Nordstream 2"-Gaspipeline. Nun ist der Konflikt in der Handball-Champions-League angekommen - auch wegen der Interessen staatlicher polnischer Energiekonzerne.

Von Jan Pallokat, ARD-Studio Warschau

"Nordstream 2" ist ein Reizwort in Polen: Das Pipeline-Projekt in der Ostsee, das noch mehr russisches Gas direkt nach Deutschland pumpen soll als bisher, wird an der Weichsel als eine Art energiepolitisches Sicherheitsrisiko dargestellt - und zwar über Parteigrenzen hinweg. Deutschland hingegen sieht in dem Projekt jedenfalls offiziell ein rein wirtschaftliches, das in Polen vor allem auch deswegen bekämpft werde, weil das Land gern selbst Drehscheibe für angelandetes Flüssiggas werden würde.

Überklebte Banner auf den Trikots

Seit einigen Wochen wird der Streit darüber auch im europäischen Profi-Handball ausgetragen. Seit Beginn der diesjährigen Champions League nämlich treten die Handballer der polnischen Vertreter Kielce und Plock mit auf den Trikots überklebten Bannern eines der neuen Hauptsponsoren an - nämlich ohne Nordstream. Offenbar auf Druck eigener Sponsoren, denn polnische Energiekonzerne wie PGE oder der Tankstellenbetreiber Orlen sind Hauptgeldgeber im polnischen Profihandball.

So teilte Jan Korczak-Mleczko vom nationalen Handballverband mit:

"Wir bitten um Verständnis, dass staatliche Gesellschaften in Polen sehr bedeutend sind und die wichtigsten Sponsoren unserer zwei besten Vereine, nämlich Orlen Wisla Plock und PGE Vive Kielce, die unser Land seit Jahren in Europa repräsentieren. Und wir dürfen auch PGNiG nicht vergessen, seit 2010 strategischer Sponsor des polnischen Handballs und mehrerer Damen- und Herrenligen bei uns."

Der Öl- und Gashändler PGNiG aber, ein Staatsriese mit 30.000 Mitarbeitern, mischt auch beim neuen Flüssiggasterminal an der Ostsee mit, der mit Gazproms Leitungen konkurriert. Die Club-Sponsoren hätten vertraglich "konkurrierendes" Sponsoring ausgeschlossen, heißt es in der polnischen Liga.

Das Logo von Gazprom auf einem Dach. | Bildquelle: AFP
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Die polnischen Unternehmen konkurrieren mit der russischen Gazprom.

Das Argument weist der Europäische Handballverband aber zurück: So wichtig Clubsponsoren auch seien, so wenig dürften sie übermäßig die erfolgreiche Organisation eines Top-Sportereignisses behindern, heißt es in einer Erklärung des europäischen Handballverbands. Und: Der neue Sponsor habe eine substanzielle Summe beigetragen, also offenbar viel Geld hingelegt.

Verband will Champions-League-Teilnahme sichern

Einen Kompromissvorschlag des Verbands lehnten die beiden Vereine ab. Dem Vernehmen nach hätte dieser daran bestanden, zumindest bei Heimspielen den unverdächtigen Banner einer Hilfsorganisation anstelle von Nordstream auf den Trikots zu tragen. Nachdem bereits Strafen verhängt und wohl auch gezahlt wurden, hat der Verband nun abermals Klage eingereicht. Polnische Medien spekulieren bereits über einen Ausschluss der Teams vom europäischen Wettbewerb.

"Die Champions League hat den höchsten Bekanntheitsgrad nicht nur in Europa, sondern in der Welt", betont Korczak-Mleczko vom Handballverband. Der Kampf um den Meistertitel in Polen sei natürlich auch sehr wichtig, "aber er ist Passierschein in die Welt. Niveau und Popularität der Champions League sind zweifellos hoch und daher liegt uns viel daran, dass polnische Vereine daran weiter teilnehmen können."

Vertragskonflikt oder politischer Hintergrund?

Doch geht es wirklich nur um Vertragskonflikte? Äußerungen von Verantwortlichen lassen vermuten, dass möglicherweise doch politischer Druck im Spiel ist. In Plock rief eine lokale Vertreterin der nationalkonservativen PiS-Partei zu einer Demonstration vor einem Spiel gegen Nordstream auf.

Zudem nannte die polnische Handball-Liga das Ostsee-Röhren-Projekt in einer Erklärung eine "Gefahr für die Energiesicherheit" und der mitbetroffene Verein Vive Kielce sagte nun sogar, "Nordstream 2" werde in Polen als Verstoß gegen das europäische Grundprinzip der "Solidarität" betrachtet.

Beim russischen Monopolisten Gazprom, der maßgeblich hinter "Nordstream 2" steht, dürfte man sich alles in allem kaum über zu wenig Aufmerksamkeit durchs Handballsponsoring beklagen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Oktober 2018 um 19:10 Uhr.

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