Gebäude der Deutschen Rentenversicherung in Berlin | Bildquelle: picture alliance / Arco Images

Negativzinsen EZB-Geldpolitik kostet Sozialkassen Millionen

Stand: 30.07.2018 09:07 Uhr

Für kurzfristige Anlagen berechnen Banken inzwischen oft Minuszinsen. Das beschert der Rentenversicherung Zinsverluste in Millionenhöhe, berichtet das "Handelsblatt". Auch andere Sozialkassen sind betroffen.

Die Nullzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) belastet zunehmend Sozialversicherungen und staatliche Fonds. Nach Recherchen des "Handelsblattes" muss die Gesetzliche Rentenversicherung für 2017 deshalb erstmals sogenannte negative Vermögenserträge von 49 Millionen Euro ausweisen. Für das laufende Jahr rechne man mit einem negativen Wert in ähnlicher Höhe, zitiert die Zeitung aus einem Papier des Leiters des Geschäftsbereichs Finanzen, Wilfried Husmann.

Zwar stieg die Mindestreserve aufgrund der Konjunktur zuletzt auf 34,3 Milliarden Euro und damit auf den höchsten Wert seit mehr als drei Jahren. Doch gut angelegt sei das Geld der Beitragszahler in dieser Rücklage schon lange nicht mehr, schreibt das "Handelsblatt".

Die EZB hat 2014 Negativzinsen für Einlagen bei den Nationalbanken eingeführt. Diese geben die Mindestzinsen häufig an Kunden weiter. Die Rentenversicherung leidet dem Bericht zufolge besonders stark unter der EZB-Geldpolitik. Denn sie muss ihr Geld größtenteils für maximal zwölf Monate und sehr konservativ anlegen. Für kurzfristige Anlagen zahlen Banken oft keine Zinsen mehr, sondern sie verlangen Geld vom Anleger. So kommt es zu negativen Zinsergebnissen.

Millionen Negativzinsen

Auch anderen Sozialkassen bereitet dies Einbußen. So sollen beim Gesundheitsfonds Negativzinsen in Höhe von 4,5 Millionen Euro angefallen sein, schreibt das "Handelsblatt". Betroffen seien auch die gesetzlichen Krankenkassen. "Allein im ersten Halbjahr sind in der AOK-Gemeinschaft sechs Millionen Euro an Negativzinsen angefallen", sagte der Chef des Finanzmanagements beim Bundesverband der Allgemeinen Ortskrankenkassen (AOK), Andreas Grein, dem "Handelsblatt". "Gegenüber dem gleichen Vorjahreszeitraum bedeutet dies eine Zunahme um rund 25 Prozent."

Die Lage habe sich für alle Kassen in den vergangenen Monaten weiter zugespitzt, bestätigte auch Thomas Thierhoff, der Geschäftsbereichsleiter Finanzen und Controlling bei der Techniker Krankenkasse.

Auch die Bundesagentur für Arbeit ist betroffen. Deren Rücklage wird nach Informationen des "Handelsblatts" bis Jahresende dank Rekordbeschäftigung zwar auf 22,5 Milliarden Euro steigen. Doch trotz der großen Summe könne die Behörde kaum Erträge erwirtschaften: Ihre Zinsbilanz sei 2017 aber mit 0,01 Prozent immerhin noch leicht im Plus geblieben.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 30. Juli 2018 um 09:00 Uhr.

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