Andrea Nahles | dpa

Nahles übernimmt Bundesagentur für Arbeit "Da muss was passieren"

Stand: 30.07.2022 12:33 Uhr

Ex-Arbeitsministerin Nahles übernimmt am Montag die Bundesagentur für Arbeit - dort warten große Aufgaben wie der Fachkräftemangel und die Integration von Zuwanderern. Da müsse "noch mal was passieren", sagte sie der ARD.

Am Montag tritt Andrea Nahles offiziell ihre Stelle als neue Chefin der Bundesagentur für Arbeit an - als erste Frau an der Spitze der Behörde. "Ich habe seit Jahrzehnten Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik gemacht", sagte die frühere SPD-Parteichefin und Bundesministerin der ARD. Jetzt sei sie "in einer Behörde, die unheimlich viel Kompetenz hat, viele engagierte Mitarbeiter - das geht gut zusammen".

Nahles steht vor großen Herausforderungen. Was die drohenden Energieengpässe betrifft, hat sie Konsequenzen bereits einkalkuliert. "Ich rechne nicht mit Normalbetrieb in den nächsten zwölf Monaten. Die Energiepreise werden weiter steigen." Die BA stelle sich auf verschiedene Szenarien ein, sagte Nahles - etwa wenn Betriebe ihre Produktion drosseln und Beschäftigte in Kurzarbeit schicken müssen. "Dann sind wir da und tun alles, um mit Kurzarbeitergeld und allem, was wir an Möglichkeiten haben, zu helfen", sagte sie dem "Spiegel". Geringverdienern müssten die Jobcenter dann aufstockende Hilfen zahlen.

Nahles fordert neue Impulse von der Regierung

Eine weitere Großbaustelle sei der Fachkräftemangel und die bessere Integration von Einwanderern aus Drittstaaten in den Arbeitsmarkt, so Nahles in der ARD. "Die bringen Erfahrung und Qualifikation mit." Allerdings sei Deutschland "unheimlich kompliziert. Wenn wir da nicht besser werden, verlieren wir Potenzial. Da muss auch politisch noch mal was passieren."

Von der Regierung fordert Nahles auch neue Impulse, damit Frauen in Teilzeit länger arbeiten können. Dafür müssten die Kinderbetreuung und andere Bedingungen besser werden.

Mehr Zeit für persönliche Beratung

Nahles will die Nürnberger Behörde auch zu einem Vorreiter für Digitalisierung machen. Dafür brauche es etwa den Einsatz künstlicher Intelligenz und Automatisierungsprozesse. So sollen Freiräume für Mitarbeiter entstehen, die dann mehr Zeit für die persönliche Beratung von Arbeitssuchenden haben sollen. "Wir sollten noch stärker aus Sicht der Kunden denken", sagte Nahles der "Süddeutschen Zeitung". Das seien neben den Arbeitslosen auch die Unternehmen, die Fachkräfte suchen. "Wir müssen alle Knöpfe drücken, damit Deutschland nicht endgültig die Arbeitskräfte ausgehen."

Arbeitslos melden könne man sich bereits jetzt online, sagte Nahles. Noch dieses Jahr soll es zudem die Möglichkeit geben, einen Online-Antrag auf Grundsicherung zu stellen. Die Bundesregierung müsse, den öffentlichen Verwaltungen "den Anschluss an den Fortschritt" ermöglichen. Deutsche Behörden stehen stark in der Kritik wegen ihrer technischen Rückständigkeit - etwa die Gesundheitsämter in der Corona-Pandemie.

Eine Rückkehr in die Politik schloss Nahles auf Jahre aus. Ihr neuer Job sei "eine Aufgabe über viele Jahre und so will ich sie auch wahrnehmen", sagte sie dem "Spiegel".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. Juli 2022 um 12:00 Uhr.