Luftfilter in einem Klassenraum. | dpa

Große Nachfrage der Schulen Mobile Luftfilter werden knapp

Stand: 12.10.2021 10:04 Uhr

Monatelang blockierten Behörden und uneinheitliche Ausschreibungsregeln den Einsatz von Luftreinigern in Schulen. Nun boomt das Geschäft der Hersteller. Vereinzelt gibt es schon Engpässe.

Von Notker Blechner, tagesschau.de

Mit einem solchen plötzlichen Run auf mobile Luftfilter hatte Vertriebsleiter Ralph Michael Gehlhar von der Daikin-Tochter AAF-Lufttechnik in Heppenheim im Odenwald nicht gerechnet. "Wir kommen mit der Nachfrage derzeit kaum hinterher", erklärt er. Wegen Engpässen bei Filtern könnten manche Geräte nur mit Verzögerungen ausgeliefert werden. Bisher hat Daikin nach eigenen Angaben mehr als 10.000 Luftreiniger an Schulen in Deutschland verkauft und zählt zu den Marktführern.

"Markt wie leergefegt"

"Der Markt ist leergefegt", bestätigt Vertriebsmanagerin Rebekka Deck von UlmAIR, einem der größten Anbieter für Luftreinigungsgeräte. Vor allem Bayern habe bereits im August umfangreiche Ausschreibungen gemacht und enorme Mengen geordert. Bei leistungsstarken Geräten mit großem Luftvolumen gebe es schon Lieferverzögerungen von bis zu sechs Monaten, da die Zulieferung einzelner Geräteteile stocke. Bundesländer wie Hamburg bestellen daher derzeit eher kleinere Geräte, berichten Branchenkenner.

Die boomende Branche der Luftreiniger präsentierte sich in der vergangenen Woche auf der Messe Indoor Air in Frankfurt. Gut 100 Aussteller zeigten ihre Produktpalette. Dabei buhlten sie vor allem um ihre wichtigste Zielgruppe, die Schulen - mit eigenen Produkten und speziellen Angeboten.

Helios zum Beispiel warb mit KWL Yoga für den Einbau dezentraler Lüftungsgeräte mit Wärmerückgewinnung im Klassenzimmer. Trox präsentierte mit Schoolair-D-HV ein neues Deckengerät, das mit einer Luftmenge bis 1100 m3/h einzelne Schulräume belüftet. Und der weltweite Klimatechnik-Marktführer Daikin zeigte in einem Extra-Bereich spezielle Produkte nur für Schulen.

Preise ab 400 Euro

Momentan gibt es deutschlandweit rund 50 Anbieter von Luftfiltergeräten. Diese konkurrieren mit großen Konsumgüterkonzernen wie Dyson, Philips, Venta und AEG, die ihre Produkte im stationären Handel und in Online-Shops verkaufen. Während Luftreiniger von Philips schon ab 400 Euro zu haben sind, kosten die technisch hochwertigeren Filtergeräte von Trox, Daikin oder Ulm Air über 1000 Euro. Denn sie verfügen nicht nur über hocheffiziente Herpa-Filter, sondern auch mehrstufige Filtersysteme.

Neben der Anschaffung der Geräte kostet der Austausch der Filter pro Jahr zusätzlich mehrere Hundert Euro. Eine Alternative sind Luftreiniger mit UV-C-Strahlung, die die Coronaviren zerstören. Sie kommen ohne Filter aus und sind praktisch wartungsfrei - zumindest für ein paar Jahre. Zu den führenden UV-C-Anbietern zählt Heraeus. Das Unternehmen hat mehrere Schulen mit den Lichtstrahlern ausgestattet, vor allem in Hessen.

Alternative UV-C?

Noch sind die UV-C-Geräte in Schulen eher die Minderheit. "Viele Kommunen wollen UV-C nicht", sagt ein Insider zu tagesschau.de. Das Umweltbundesamt hatte bei mobilen Luftreinigungsgeräten anfangs nur solche mit Hepafiltern empfohlen. Jetzt sei auch UV-C möglich, sagte eine Verkäuferin von Heraeus auf dem Messestand. "Es geht langsam voran." Mittlerweile gibt es auch kombinierte Geräte auf dem Markt, die UV-C und Filter haben.

Anfangs hatte das Umweltbundesamt (UBA) auch mobile Luftfilter ganz abgelehnt. Sie würden zwar die Luft reinigen, aber keine Frischluft ansaugen, monierte die Behörde. Zudem seien die mobilen Geräte mit 35 Dezibel recht laut. Als beste Lösung empfahl das UBA Lüftungsanlagen, die in Gebäuden schon eingebaut sind. Das Problem: Nur zehn Prozent aller Schulen sind damit ausgerüstet.

Bayern besonders aktiv bei der Förderung

"Der Bund hat lange Zeit mobile Luftreinigungsgeräte ignoriert", hadert Vertriebsfrau Deck von UlmAIR. Einzig Bayern sei schon früh vorgeprescht und habe bereits im vergangenen Winter in großem Umfang mobile Luftfilter für alle Klassenzimmer akzeptiert und eingeführt. Inzwischen laufe dort bereits die dritte Runde an Förderprogrammen. Jetzt hätten auch andere Bundesländer wie Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen nachgezogen, die sich nun jedoch aufgrund der späten Richtlinienveröffentlichung in der Reihe hinten anschließen müssten

Ein Manager klagt über einen "Flickenteppich an Förderprogrammen". Das sorge für Unsicherheit. "Im Prinzip ist Geld da, aber kaum einer weiß, wie es sich abrufen lässt."

Die Daikin-Tochter AAF-Lufttechnik gibt Schulen und Kommunen einen Überblick über den Dschungel an Fördermaßnahmen und hat eine eigene Förderfibel herausgegeben.

Fehlender Standard und Technikscheu

Viele Schulen hätten sich noch gar nicht für eine Technik entschieden, meint der Vertriebsmann eines Herstellers. Denn einige Schuldirektoren halten die Luftreinigung für technisch kompliziert. Sie fragen sich unter anderem, wer denn die Wartung durchführen soll. Erschwerend kommen auch fehlende Qualitätskriterien hinzu. Die Hersteller hoffen nun, dass ein Standard des VDI mehr Klarheit bringt.

Manche Eltern sind schon so verzweifelt, dass sie in Eigeninitiative mobile Luftfilter in Elektronikmärkten selbst anschafften. Doch der Schulleiter widersetzte sich und wollte die Filter aus Sicherheitsgründen nicht installieren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. August 2021 um 18:40 Uhr.