Der Film "Superman" gespeichert auf Microsoft Azure. | Bildquelle: https://news.microsoft.com/innov

Große Datenmengen Microsoft speichert "Superman" auf Glas

Stand: 06.11.2019 09:23 Uhr

Microsoft ist es mit dem Warner Brothers Filmstudio gelungen, den "Superman"-Film auf einer kleinen, zwei Millimeter dünnen Glasscheibe abzuspeichern. Die Entwicklung könnte die künftige Datenspeicherung verändern.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Ein Erdbeben beschädigt die Golden Gate Bridge in San Francisco. Ein Schulbus - vollbesetzt mit Kindern, droht in den Pazifik zu stürzen. Und natürlich kann Superman die Kinder retten. So eine Filmszene aus "Superman".

Für große Filmunternehmen ist die Archivierung solcher Kinoklassiker bisher sehr aufwendig. Spezielle Kühlräume mit konstanter Temperatur sind ebenso notwendig wie eine ständig gereinigte, staubfreie Luft. "Wenn da mal ein Feuer ist, wenn da mal irgendwas passiert, dann sind die Originale von vielen dieser Filme, diesen Klassikern, weg", sagt Frederic Lardinois vom Silicon-Valley-Branchendienst Techcrunch.com.

Lardinois zufolge ist das neue Speichermedium auf Glas zunächst für Firmenkunden spannend: "Wie bei allen diesen Technologien ist das am Anfang recht schwierig. Das war bei der CD und anderen Technologien auch nicht anders." Die Neuentwicklung sei noch nicht für den Massenmarkt gedacht und noch in der Entwicklungsphase. "Im Laufe der Jahre wird das viel einfacher und in ein paar Jahren hat vielleicht jeder eine Maschine zuhause, auf der man seine gesamten Daten auf Glas abspeichern kann", sagt Lardinois.

 

Voxel statt Pixel 

Besonders an den auf einer Glasscheibe aus Quarz gespeicherten Daten ist: Sie sind fast nicht kaputt zu bekommen - so wie Superman, erklärt Microsoft-Chef Satya Nadella:

"Wir haben die Glasplatte gekocht, gebacken, gerüttelt, versucht, sie zu zerkratzen - und trotzdem ist der 'Superman'-Film abrufbar geblieben. Das ist die Grenze dessen, was im Speicherbereich derzeit möglich ist."

Das Unternehmen hat für die Speicherung der Daten einen sogenannten Femtosekundenlaser benutzt. Die großen Filmdaten werden mit dem speziellen Infrarotlaser als winzige dreidimensionale Gitter in verschiedenen Tiefen in das Glas geritzt. Sie nennt man Voxel. Das ist das dreidimensionale Äquivalent zum Pixel, aus denen ein flaches Bild besteht. Die gespeicherten Daten werden mit Hilfe von Algorithmen ausgelesen, dabei werden die Muster decodiert, wenn polarisiertes Licht durch das Glas scheint.

"Faszinierend an der neuen Technologie ist, dass man die encodierten Daten in mehrdimensionalen Schichten im Glas speichert. Das wichtigste ist aber die Haltbarkeit des Glases", so Nadella.

Keine aufwendige Kühlung bei Lagerung nötig 

Die neue Speichertechnologie hat aber noch einen weiteren Vorteil: Die Aufbewahrung verursacht so gut wie keine Kosten, denn das Glas ist auch hitzebeständig. Eine aufwendige Kühlung, sowie ein ständiger Abgleich großer Datenmengen, um sie vor Verlust zu schützen, ist damit nicht mehr nötig. Das könnte künftig helfen, in großen Rechenzentren Strom zu sparen. Wann die Technologie für den Massenmarkt zur Verfügung steht, ist noch nicht bekannt. 

Projekt Silica: Microsoft arbeitet an neuartigem Speichersystem aus Glas
Marcus Schuler, ARD Los Angeles
06.11.2019 08:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 06. November 2019 Inforadio um 06:30 Uhr und MDR Aktuell um 10:20 Uhr.

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