Neuwagen von Tesla stehen in einem Showroom in Berlin | Bildquelle: JENS SCHLUETER/EPA-EFE/Shutterst

Elektroauto-Auslieferungen Macht Tesla die Million voll?

Stand: 04.01.2021 13:27 Uhr

Trotz Pandemie hat Tesla sein Verkaufsziel für 2020 so gut wie erreicht. Auch für das neue Jahr hat der Elektroauto-Pionier ehrgeizige Pläne - nicht nur im europäischen Markt.

Von Mark Ehren, tagesschau.de

Nur sehr knapp hat der Elektroautobauer Tesla sein Jahresziel verfehlt. Die Marke von 500.000 verkauften Autos werde das Unternehmen 2020 "bequem übertreffen", hatte Tesla Anfang des vergangenen Jahres verkündet - ein Ziel, das auch in der Corona-Pandemie bestehen blieb.

Am Ende waren es 499.550 ausgelieferte Fahrzeuge, wie der Hersteller am Wochenende bekanntgab. Das entspricht einem Absatz-Plus von 36 Prozent. Er sei "stolz auf das Tesla-Team, diesen wichtigen Meilenstein erreicht zu haben", twitterte Konzernchef Elon Musk. Zu Beginn der Firmengeschichte habe er "optimistischerweise" nur eine Wahrscheinlichkeit von zehn Prozent gesehen, überhaupt mit Tesla zu überleben.

Das Jahr 2020 - es war offenbar wie gemacht für Elon Musk. Der Tesla-Chef sah sich gleich in der ersten Jahreshälfte massiven Herausforderungen ausgesetzt. Der pandemiebedingte Lockdown in Kalifornien unterbrach die Produktion für mehr als einen Monat. Doch wieder einmal zeigte sich, dass Musk genau dann zu Hochform aufläuft, wenn der Gegenwind für ihn zunimmt.

Andere Unternehmen hätten in einem solchen Fall ihre Prognose einkassiert. Nicht so Musk, der eisern am Absatzziel festhielt. Einer der Schlüssel dafür scheint gewesen zu sein, dass Tesla die verordnete Zwangspause nutzte, um die Produktionskapazitäten im Stammwerk in kalifornischen Freemont zu erhöhen.

Rekord bei den Auslieferungen

Auch im letzten Quartal des Jahres 2020 schaffte Tesla einen Rekord: 180.570 Autos wurden ausgeliefert, nochmals deutlich mehr als die 140.000 aus dem Vorquartal.

180.570 Fahrzeuge in drei Monaten - die Zahl zeigt, wohin die Reise bei Tesla im neuen Jahr gehen könnte. Auf Jahressicht gesehen wären das mehr als 722.000 Autos, sollte der Hersteller im bisherigen Tempo weiterproduzieren. Doch es wäre mehr als überraschend, wenn sich Musk damit zufrieden geben würde.

Zwei neue Werke

Die Erwartungen sind nicht in erster Linie an das Stammwerk in Kalifornien geknüpft. Stark wächst derzeit die Produktionsstätte in Shanghai. Die dortige Fabrik ist bislang der einzige Standort außerhalb der USA, an dem bereits Autos vom Band laufen. Die Produktion des Model Y ist laut Konzern angelaufen.

Weitere neue Werke sind im Bau - in Texas und im brandenburgischen Grünheide in der Nähe der Bundeshauptstadt. Die "Giga Berlin" genannte Fabrik soll, so ist weiterhin der Plan, Mitte 2021 die Produktion aufnehmen, nur gut ein Jahr nach Beginn der Arbeiten. Indes liegt eine endgültige Baugenehmigung immer noch nicht vor.

Start in Indien

Auch Teslas weiße Flecken auf der Weltkugel sollen offenbar weniger werden. Bisher ist das Unternehmen in gut 40 Ländern und Territorien aktiv. Elon Musk hat bestätigt, dass der Hersteller für das neue Jahr den Marktstart in Indien geplant hat. Der indische Verkehrsminister Nitin Gadkari äußerte in der Zeitung "Economic Times" zudem die Vermutung, dass auch eine eigene Produktionsstätte in seinem Land für Tesla interessant sein könnte.

Insgesamt erscheint es durchaus denkbar, dass Musk im Verlauf des kommenden Jahres das Ziel von einer Million abgesetzter Elektroautos ausrufen wird. Damit würde Tesla seine Marktführerschaft bei reinen Elektroautos weiter festigen.

Speicher für Ökostrom

Doch Teslas Geschäftsmodell geht über die Produktion und den Verkauf von Elektroautos weit hinaus. Der Konzern stellt nicht nur einen erheblichen Teil der Batterien für die eigenen Fahrzeuge in einer Allianz mit Panasonic her. Tesla vermarktet diese auch im Rahmen seiner “Powerwall”- Produkte als Speicher für Strom aus erneuerbaren Energien.

Darüber hinaus hat der Konzern auch Produkte für die Erzeugung von Solarstrom wie Solarzellen oder Solar-Dachziegel im Angebot. Elon Musks Unternehmen bedient damit den boomenden Markt für umweltfreundliche Energiequellen.

Software für selbstfahrende Autos

Auch beim selbstfahrenden Auto könnte es so manche Überraschung geben. Derzeit wird in ausgewählten Teslas wie dem Dienstwagen von Musk eine experimentelle Software auf der höchsten Stufe selbstfahrender Autos ("Level 5") getestet. In den USA rechnet der Tesla-Chef - auf seine typische, häufig kurz- und mittelfristig zu optimistische Art und Weise - mit einer raschen Zulassung. Auch in Staaten wie Norwegen dürfte es laut Musk "ziemlich flott" gehen. Mit den größten Schwierigkeiten rechnet er in der Europäische Union.

Daraus könnte sich ein lukratives Geschäft entwickeln. Denn die Software ist nicht serienmäßig, könnte aber bei gebrauchten Teslas wie bei einem Smartphone per Update nachgerüstet werden. Die für "Level 5" benötigte Hardware wie Kameras, Radar, Rechnerkapazitäten und Ultraschall ist bei den meisten Tesla-Modellen bereits vorhanden. Derzeit kostet das einmalige Update für den schon seit langem angekündigten Autonomiemodus in den USA für neue Teslas 10.000 Dollar. Musk hat einen Ausbau der Technik für die Zukunft in Aussicht gestellt.

Börsenstar Tesla

Auch der Kapitalmarkt blickt bei Tesla weit in die Zukunft. An der US-Technologiebörse Nasdaq hat die Aktie im Jahr 2020 gigantische Kursgewinne verbuchen können. Nach dem coronabedingten Einbruch im Frühjahr stieg die Aktie 2020 um mehr als 700 Prozent. Inzwischen billigen die Anleger Tesla einen Börsenwert von mehr als 600 Milliarden US-Dollar zu.

Damit ist Tesla derzeit in etwa so hoch bewertet wie Toyota, Volkswagen, Daimler, General Motors, BMW, Fiat Chrysler und Ford zusammen genommen, die in einem guten Jahr wie 2019 zusammen genommen mehr als 40 Millionen Fahrzeuge abgesetzt hatten.

Auf den Spuren von Bezos und Gates

Auch für Musk persönlich hat sich die Kursrally massiv gelohnt. Der gebürtige Südafrikaner, der als Teenager nach Nordamerika auswanderte, gilt mit einem derzeitigen Vermögen von rund 160 Milliarden Dollar als die weltweite Nummer Zwei. Damit liegt er zwischen Jeff Bezos und Bill Gates, den Gründern von Amazon beziehungsweise Microsoft.

Angreifer auch im Raumfahrt-Geschäft

Elon Musks Vermögen fußt auch auf dem nicht börsennotierten Raumfahrtunternehmen SpaceX. Mit dem Unternehmen hat der Multimilliardär, der sich selbst zuallererst immer noch als Ingenieur begreift, in den vergangenen Jahren etwas geschafft, das Beobachter lange Zeit nicht für möglich hielten: SpaceX hat den Markt für Weltraumtechnologie umgepflügt und angestammte Konzerne wie Airbus oder Boeing enorm unter Druck gesetzt.

Gut möglich, dass Tesla im neuen Jahr auch die Autobranche noch viel stärker durcheinanderwirbeln wird.

Tesla liefert 2020 fast eine halbe Million Autos aus
Marcus Schuler, ARD San Francisco
04.01.2021 19:17 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 04. Januar 2021 um 13:07 Uhr.

Darstellung: