Eine Passagiermaschine der Lufthansa landet auf dem Flughafen in Frankfurt.  | dpa

Neuer Krisen-Tarifvertrag Lufthansa einigt sich mit Piloten

Stand: 23.12.2020 15:46 Uhr

Die Lufthansa hat sich mit der Gewerkschaft Vereinigung Cockpit auf einen Tarifvertrag für die Piloten geeinigt. Die Kurzarbeit wird verlängert - der Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen gilt weiter.

Die etwa 5000 Piloten der Lufthansa-Kerngesellschaft bleiben vor Entlassungen geschützt. Kurz vor Weihnachten hat sich die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) mit der Lufthansa auf einen Krisentarifvertrag geeinigt.

Betriebsbedingte Kündigungen bis 2022 ausgeschlossen

Die Kurzarbeit der Piloten wird bis Ende 2021 verlängert. Im Gegenzug sind betriebsbedingte Kündigungen für die Flugzeugführer der Lufthansa, Lufthansa Cargo, Lufthansa Aviation Training und der Germanwings bis März 2022 ausgeschlossen.

Nach Berechnung der VC werden durch die neue Vereinbarung weitere mehr als 450 Millionen Euro im Konzern eingespart. Zusammen mit dem bereits geschlossenen Paket für 2020 ergäben sich Einsparungen von insgesamt mehr als 600 Millionen Euro, teilte die Piloten-Gewerkschaft weiter mit.

"Die Pilotinnen und Piloten tragen durch die Reduktion der Cockpitkosten den höchsten individuellen Krisenbeitrag aller Mitarbeitergruppen im Konzern und tragen damit zu einer besseren Liquidität der Lufthansa bei", erklärte Markus Wahl, Präsident der VC. Das Management der Lufthansa sei "extrem unnachgiebig" gewesen.

Entlassungen angedroht

Eine Einigung war zuletzt dringend nötig geworden. Zuletzt hatte der Vorstandschef der Lufthansa, Carsten Spohr, unverhohlen damit gedroht, Piloten zu entlassen: "Mangels Einigung wird es wohl erstmals in der Geschichte unseres Unternehmens im zweiten Quartal 2021 so weit sein, dass uns 500 Kapitäne und 500 Erste Offiziere verlassen müssen", hatte Spohr gegenüber der "Wirtschaftswoche" erklärt. Das wären 20 Prozent der Piloten gewesen.

Die Lufthansa ist angesichts eines Verlusts von 5,6 Milliarden Euro in den ersten neun Monaten 2020 auf Einsparungen angewiesen, um die Folgen der Pandemie bewältigen zu können.

Baldige Erholung erforderlich

Für die weitere Zukunft müssen die größte deutsche Fluggesellschaft und die Beschäftigten hoffen, dass sich der Flugverkehr mit weitreichenden Impfungen deutlich erholen wird. Allerdings gehen die meisten Beobachter davon aus, dass es noch Jahre dauern wird, bis die Branche das Vorkrisenniveau wieder erreichen wird.

Speziell für den Bereich der Geschäftsreisen gibt es berechtigte Zweifel, dass Unternehmen ihre Mitarbeiter wieder so häufig wie früher auf Dienstreisen schicken werden. Schließlich winken hier gewaltige Einsparmöglichkeiten, auch weil sich gezeigt hat, welches Potenzial unter anderem in Videokonferenzen steckt.

Zukunft Tourismus

Zuletzt hatte die Lufthansa den Anteil klassischer Touristikrouten ausgebaut. Zudem hatte die Fluggesellschaft angekündigt, dass sie keine Passagiere der einstigen Tochter Condor auf Zubringerflügen mehr transportieren will. Condor gilt als klassischer "Ferienflieger".

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 23. Dezember 2020 um 15:04 Uhr.