Lufthansa-Maschinen am Münchener Flughafen.

Beratung mit Hauptaktionär Hartes Ringen um die Lufthansa-Zukunft

Stand: 22.06.2020 16:28 Uhr

Bundesregierung und Lufthansa haben mit Großaktionär Thiele über die Staatshilfen für die Airline beraten. Thiele könnte das Rettungspaket zu Fall bringen. Auch die Verhandlungen mit den Gewerkschaften ziehen sich hin.

Mehrere Minister, der Vorstandschef und der Großaktionär der Lufthansa beraten Insidern zufolge über das staatliche Rettungspaket für die Airline bei einem Treffen im Bundesfinanzministerium. Finanzminister Olaf Scholz (SPD), Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) und Lufthansa-Chef Carsten Spohr nähmen mit Hauptaktionär Heinz Hermann Thiele teil, sagten drei mit dem Vorgang vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Sprecher der Ministerien und des Unternehmens wollten sich zu dem Treffen nicht äußern.

Thiele begehrt vor allem wegen des Staatseinstiegs bei der Lufthansa gegen den mühsam ausgehandelten Rettungsplan von bis zu neun Milliarden Euro Finanzhilfen auf. Im Gegenzug für die Hilfe muss die Lufthansa 24 Start- und Landerechte an ihren wichtigen Flughäfen in Frankfurt und München an die Konkurrenz abgeben. Der 79-Jährige hält inzwischen 15,52 Prozent und könnte den Plan auf der außerordentlichen Hauptversammlung am Donnerstag zu Fall bringen.

Zu wenige Stimmrechte für einfache Mehrheit

Das Ja zum Rettungspaket steht auf wackeligen Füßen. In der Nacht von Samstag auf Sonntag verstrich für die Aktionäre die Anmeldefrist für die Hauptversammlung. Konzernchef Spohr teilte mit, dass "unsere Aktionäre weniger als 38 Prozent des Kapitals für diese Hauptversammlung angemeldet haben". Hätten sich genügend Aktionäre angemeldet, die Stimmrechte von mindestens 50 Prozent auf sich vereint hätten, wäre nur eine einfache Mehrheit nötig gewesen, um die Unterstützung vom Bund abzusegnen.

Bei der Abstimmung muss nun eine Zweidrittel-Mehrheit erreicht werden, die die Unterstützung vom Bund absegnen kann. Die Stimme Thieles ist deshalb ausschlaggebend. Die Beteiligung des Bundes in Höhe von 20 Prozent lehnt er bisher klar ab: Denn damit wäre eine Kapitalerhöhung notwendig, die den Wert der Aktien aber schmälern würde. Er will den Plan nachverhandeln.

Fluggesellschaft Lufthansa steigt aus dem DAX ab
tagesschau 20:00 Uhr, 22.06.2020, Gerrit Rudolph, HR

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"Deutschland droht eine Blamage"

Finanzminister Scholz hatte Änderungen kategorisch ausgeschlossen und setzt jetzt auf Überzeugungskraft: Die Regierung habe mit der Lufthansa ein sehr gutes Paket ausgehandelt, das auch die Zustimmung der EU-Kommission finde, sagte er bei einer Finanzkonferenz in Frankfurt, zu der er zugeschaltet war.

Sollte der Rettungsplan scheitern, würde die Lufthansa voraussichtlich ein Schutzschirmverfahren beantragen - ein auf Sanierung ausgerichtetes Insolvenzverfahren.

Dies sei mit großen Risiken verbunden, warnte Ruxandra Haradau-Döser, Branchenexpertin von Kepler Cheuvreux. "Ein Schutzschirmverfahren für die Lufthansa wäre für die Exportnation Deutschland eine große Blamage", ergänzte sie.

Ver.di warnt vor Folgen für die Beschäftigten

Auch die Gewerkschaft ver.di warnte vor einer Ablehnung des Rettungspakets. "Eine Insolvenz würde die Beschäftigtenstrukturen der Lufthansa zerstören und das öffentliche Vertrauen in die Lufthansa nachhaltig beschädigen. Mit der staatlichen Hilfe können Arbeitsplätze erhalten und Einkommen gesichert werden", erklärte die stellvertretende ver.di-Vorsitzende Christine Behle.

Auch in den fortgesetzten Verhandlungen mit den Gewerkschaften um Sparbeiträge der Beschäftigten zeichnet sich noch keine Einigung ab. Unternehmen sowie Vertreter der Gewerkschaften Ufo und Vereinigung Cockpit bestätigten nur die Fortsetzung der Verhandlungen, wollten aber keinen Zeitpunkt für eine mögliche Einigung mehr nennen. Ursprünglich sollten an diesem Montag die Ergebnisse zumindest für das fliegende Personal präsentiert werden. Für das Bodenpersonal verhandelt ver.di nach eigenen Angaben erst am kommenden Freitag weiter.

Aktie verliert deutlich im MDax

Der von der Corona-Krise hart getroffene Konzern hat wegen der dauerhaft geringeren Nachfrage den weltweiten Personalüberhang auf 22.000 Stellen beziffert. Davon entfallen rund 11.000 Stellen auf Deutschland. Bei den Verhandlungen sollen nun Maßnahmen vereinbart werden, um möglichst viele Mitarbeiter an Bord zu halten. Wegen der Unsicherheiten musste die Aktie des DAX-Absteigers an ihrem ersten Handelstag im MDAX deutliche Abschläge hinnehmen.

Bundesregierung erläutert Lufthansa-Aktionär das Rettungspaket
Dirk Rodenkirch, ARD Berlin
22.06.2020 18:14 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 22. Juni 2020 um 15:00 Uhr.

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