Mitglied der Vereinigung Cockpit mit seiner Lufthansa-Pilotenmütze | dpa

Forderung nach höherem Gehalt Lufthansa-Piloten stimmen über Streik ab

Stand: 28.07.2022 11:17 Uhr

Nach den streikbedingten Flugausfällen am Mittwoch könnte demnächst ein weiterer Arbeitskampf den Luftverkehr lahmlegen. Bis Sonntag läuft die Urabstimmung der Pilotengewerkschaft Cockpit über einen Ausstand.

Die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) stimmt bis Sonntag über einen möglichen Streik ab. Dann ende die Urabstimmung, sagte VC-Tarifvorstand Marcel Gröls dem "Spiegel" in einem Interview. "Wenn sich die Mehrheit der Piloten dafür ausspricht, bedeutet das nicht, dass gleich gestreikt wird. Aber es ist ein Warnsignal. Und: Wir bluffen nicht."

In dem Konflikt zwischen Gewerkschaft und Lufthansa geht es um die seit Monaten laufenden Tarifverhandlungen - die Bilanz: sechs gescheiterte Verhandlungsrunden. Sollte das Lufthansa-Management kein gutes Angebot machen, habe das Cockpit-Personal der Airline keine andere Wahl als zu streiken, so Gröls. "Wir sind redebereit. Aber unsere Geduld ist begrenzt."

Forderungen der Piloten

Die Gewerkschaft fordert 5,5 Prozent mehr Gehalt für das Jahr 2022 und einen automatischen inflationsausgleich. Den Piloten geht es aber auch um die Konzernstrategie der Lufthansa. Die Piloten drängen auf eine einheitliche Tarifstruktur. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit hatte sich in der Vergangenheit die exakte Zahl von 325 Flugzeugen garantieren lassen, die ausschließlich von Kapitänen und Ersten Offizieren geflogen werden dürfen, die dem Konzerntarifvertrag unterliegen. Die Fluggesellschaft hatte unter dem Eindruck der Corona-Krise diese Vereinbarung aufgekündigt und begonnen, unter dem Kranich-Logo einen neuen Flugbetrieb mit niedrigeren Tarifbedingungen aufzubauen.

Statt die Komplexität durch weniger Flugbetriebe zu reduzieren, wie es Lufthansa-Chef Carsten Spohr vor der Corona-Krise anstrebte, seien zwei neue gegründet worden, sagte Gröls. "Wir behaupten: einzig, um Tarifverträge zu umgehen." Die Konzernspitze trenne damit die Mannschaft künstlich, statt eine schlagkräftige, einheitliche Organisation zu schaffen. "Eher muss doch das Ziel sein, die besten Vergütungen zum Maßstab zu erheben und andere Beschäftigtengruppen heranzuführen."

Wann wird gestreikt?

Stimmen mehr als 70 Prozent der stimmberechtigten Gewerkschaftsmitglieder in der Urabstimmung zu, sind die Weichen für einen möglichen Arbeitskampf gestellt. Dann drohen unbefristete Streiks. Vor sechs Jahren legten die Lufthansa-Piloten bei einem Streik den Flugverkehr der Airline für sechs Tage lahm. Die mehrtägige Streikwelle betraf damals mehr als eine halbe Million Passagiere, rund 4500 Flüge fielen aus.

Der bis Donnerstagmorgen angesetzte Warnstreik der Gewerkschaft ver.di im Tarifkonflikt des Lufthansa-Bodenpersonals hatte erst gestern für massive Flugausfälle gesorgt, vor allem in Frankfurt und München. Damit verschärft sich die ohnehin stark angespannte Lage im Luftverkehr noch. Der Ansturm der Urlauber ist wegen Personalmangels kaum zu bewältigen.