Das Rolltor eines Warenhauses ist geschlossen. | dpa

Bruttoinlandsprodukt geschrumpft Lockdown lässt Wirtschaft einbrechen

Stand: 30.04.2021 12:56 Uhr

Die dritte Corona-Welle hat die deutsche Wirtschaft ausgebremst. In den ersten drei Monaten des Jahres sank die Wirtschaftsleistung überraschend stark um 1,7 Prozent. Doch die Trendwende ist in Sicht.

Geschlossene Läden und die Rückkehr in die eigenen vier Wände: Die verschärften Lockdowns haben die deutsche Wirtschaft zum Jahresauftakt schrumpfen lassen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) sackte von Januar bis Ende März um 1,7 Prozent ab. Das gab das Statistische Bundesamt am Vormittag bekannt. Ökonomen hatten mit einem geringeren Rückgang von 1,5 Prozent gerechnet.

Deutschland ist damit schlechter ins Jahr gestartet als andere große Euro-Länder. Frankreich schaffte im ersten Quartal ein überraschend kräftiges Wachstum von 0,4 Prozent. Die spanische Wirtschaft schrumpfte um 0,5 Prozent. Die Schwäche der deutschen Wirtschaft hat die gesamte Eurozone erneut in die Rezession gestürzt: Die Konjunktur in den insgesamt 19 Staaten des Währungsraums schrumpfte um 0,6 Prozent. Es war bereits das zweite Quartal mit einem Minus in Folge - damit sprechen Ökonomen von einer Rezession.

Höhere Mehrwertsteuer dämpft die Konsumlust

Vor allem die gesunkene Konsumlust der Deutschen belastete die Wirtschaft hierzulande. Die Gastronomie und die meisten Läden waren geschlossen. Hinzu kam der "Mehrwertsteuer-Effekt". Wegen der zum Jahreswechsel ausgelaufenen Mehrwertsteuersenkung hatten viele Verbraucher Anschaffungen auf das zweite Halbjahr 2020 vorgezogen. Diese Käufe fehlen nun in der Konsum-Statistik der ersten drei Monate.

Insgesamt war die Wirtschaft zweigeteilt. Während die Dienstleister wie Modehändler, Gastronomen und Hoteliers mit enormen Umsatzeinbußen zu kämpfen hatten, ging es der Industrie besser. Sie profitierte von anziehenden Exporten, vor allem nach China und in die USA. Im Februar näherten sich die Ausfuhren dem Vorkrisenniveau an.

In einer Rezession steckt Deutschland aber nicht. Denn in den beiden letzten Quartalen war das BIP gestiegen. Nach einem Zuwachs von 8,7 Prozent im dritten Quartal betrug das Plus im Schlussquartal 2020 noch 0,5 Prozent. Wegen der schwachen ersten Jahreshälfte schrumpfte die deutsche Wirtschaftsleistung im Gesamtjahr aber um 4,9 Prozent.

Hoffen auf den Aufschwung

Trotz des schwachen Jahresstarts rechnen Forschungsinstitute und Ökonomen mit einem kräftigen Aufschwung in den kommenden Monaten. Die Volkswirte der Deutschen Bank prophezeien für 2021 ein Wachstum von vier Prozent. Nicht ganz so optimistisch sind die "Wirtschaftsweisen". Sie rechnen mit einem Plus von 3,1 Prozent.

Die Bundesregierung hat vor kurzem ihre Prognose für das laufende Jahr angehoben und erwartet wegen boomender Exporte ein Wachstum von 3,5 Prozent. Im Januar waren noch 3,0 Prozent veranschlagt gewesen. "Wir werden den Wirtschaftseinbruch nicht nur stoppen, sondern wir werden ihn umkehren", so Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU).

Trendwende ab dem zweiten Quartal

Volkswirte gehen von einer Trendwende ab dem zweiten Quartal aus. Dann dürfte Europas größte Volkswirtschaft wieder auf Wachstumskurs zurückkehren. Wenn immer mehr Menschen gegen das Coronavirus geimpft sind und die Einschränkungen des öffentlichen Lebens wieder zurückgefahren werden, sollte auch der private Konsum im Inland wieder zulegen. Die Ökonomen der Deutschen Bank rechnen mit „einer deutlichen Erholung im Sommerhalbjahr, die von der kräftigen globalen Nachfrage und durch die aufgestaute Konsumnachfrage der deutschen Haushalte getrieben werden sollte“.

"Der Silberstreif am Horizont ist der Impfschutz, der voraussichtlich in den Sommermonaten ausreichen wird, um die Corona-Pandemie in Deutschland zu stoppen", glaubt der Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaft (DIW), Claus Michelsen. Der Erholungsprozess könne dann schnell einsetzen, wenn die privaten Haushalte ihre Ersparnisse aus der Pandemiezeit ausgeben.

"Ausblick ist zwiegespalten"

DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle warnt aber vor verfrühter Konjunktur-Euphorie. "Der weitere Ausblick ist immer noch zwiegespalten", sagt er. "Auf der einen Seite bleiben die Risiken der Pandemie hoch. Insbesondere weil sich der Lockdown immer weiter in das zweite Quartal hineinschiebt, könnte die wirtschaftliche Dynamik im laufenden Quartal hinter den Erwartungen zurückbleiben." Auf der anderen Seite dürfte die deutsche Binnenkonjunktur nach dem Ende des Lockdonws einen kräftigen Schub erfahren. Dieser werde noch verstärkt durch die hohen Auftragsbestände, die abgearbeitet werden müssten, und die leer gefegten Lager, wie wieder zu befüllen seien.