Von der Krise hart getroffen: Der Flughafen Hannover. | dpa

Krise der Luftfahrt Airport-Hilfen in der Schwebe

Stand: 06.11.2020 15:07 Uhr

Verkehrsminister Scheuer will angeschlagene Regionalflughäfen mit einem Milliardenpaket retten, doch das Finanzministerium bremst. Auch bei der Lufthansa droht sich die Krise offenbar zuzuspitzen.

Flughäfen in der Krise können vorerst nicht mit schnellen Nothilfen des Staates rechnen. Das Finanzministerium hat zurückhaltend auf Pläne von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer reagiert, die Airports mit einem Rettungspaket über eine Milliarde Euro zu unterstützen.

Ein Sprecher von Finanzminister Olaf Scholz sagte, das Kabinett habe gemeinsam den Entwurf für den Haushalt 2021 beschlossen. Dort seien derartige Hilfen nicht enthalten. Angesichts der schweren Luftfahrt-Krise wegen der Corona-Pandemie stünden zunächst die Eigentümer in der Verantwortung.

Kaum private Investoren

Vor allem kleinere Regionalflughäfen sind von der Corona-Krise hart getroffen. Sie müssen weiterhin die Kosten tragen, um ihre Infrastruktur aufrechtzuerhalten. Gleichzeitig sind ihnen die Einnahmen durch Start- und Landegebühren oder Shops weggebrochen.

Eigner sind oftmals die Bundesländer oder Kommunen. Der Bund ist beteiligt an den Flughäfen in Berlin, Köln-Bonn und München. Private Investoren sind bei regionalen Airports nur vereinzelt mit im Boot. Bereits vor der Corona-Krise war ein Großteil dieser Flughäfen unprofitabel.

Bund soll Hälfte eines Rettungspakets finanzieren

Scheuer schlug nach Beratungen mit Vertretern der Branche vor, dass sich Bund und Länder mit Flughafen-Standorten jeweils zur Hälfte am Airport-Rettungspaket beteiligen. Dazu sei er im Gespräch mit dem Finanzministerium und den Ländern, sagte der CSU-Politiker.

Scheuer sprach sich erneut gegen die Schließung von Regionalflughäfen aus. Es gehe dabei auch um die insgesamt 180.000 Beschäftigten an den Airports, sagte der Minister im Deutschlandfunk. "Jeder schätzt einen regionalen Flughafen", so Scheuer. Die Standorte seien nicht nur für die Wirtschaft von großer Bedeutung, sondern auch für "die Familie eines Facharbeiters, die mal in den Urlaub fliegen" wolle.

Airlines in Not

Konkrete Ergebnisse brachte der digitale "Luftverkehrsgipfel" vom Freitag nicht. Der Koordinator der Bundesregierung für die Luftfahrt, Thomas Jarzombek, sagte nach Gesprächen, er wünsche sich mehr Bewegung vom Finanzministerium. Kritiker etwa von Umweltschutzverbänden sind dafür, unrentable Regionalflughäfen dichtzumachen.

Auch zahlreiche Airlines und die Deutsche Flugsicherung sind wegen der Krise finanziell in Not. Die Lufthansa musste die Bundesregierung bereits mit einem Hilfspaket über neun Milliarden Euro und einer Teilverstaatlichung vor der Pleite retten.

Nach einem Bericht des "Spiegel" befürchtet der Bund wegen der geringen Auslastung der Lufthansa-Maschinen, dass der Konzern bald neue Finanzhilfen benötigen könnte. Lufthansa-Großaktionär Heinz Hermann Thiele dringe daher auf ein noch härteres Sparprogramm - und den Abbau von 30.000 Stellen.

Lufthansa testet Corona-Testpflicht

Besser ausgelastete Flugzeuge erhofft sich die Lufthansa von Schnelltests für Passagiere. Ab kommende Woche will der Konzern auf einzelnen Flügen zwischen München und Hamburg kostenfreie Pflichttests erproben. Wer an Bord will, muss dann einen Antigen-Schnelltest ablegen oder einen höchstens 48 Stunden alten negativen gewöhnlichen Corona-Test vorlegen. Auch eine kostenlose Umbuchung soll möglich sein.

Die Lufthansa hat nach eigenen Angaben 250.000 Antigen-Tests erworben. Der Konzern hatte die Schnelltests zuvor bereits bei Flügen der Tochter-Airline Austrian zwischen Berlin und Wien erprobt. Binnen einer Stunde sollen dabei Testergebnisse vorliegen.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 06. November 2020 um 15:38 Uhr.

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Moderation 06.11.2020 • 21:45 Uhr

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