Zwei Frauen begießen Pflanzen | Bildquelle: Antje Diekhans

Die FAO in Kenia Auf der Suche nach neuen Farmern

Stand: 16.10.2020 04:21 Uhr

Kenias wichtigster Wirtschaftszweig ist die Landwirtschaft, doch der Sektor leidet an Überalterung. Deshalb unterstützt die UN-Organisation FAO junge Leute dabei, Farmer zu werden.

Von Antje Diekhans, ARD-Studio Nairobi

Erntetag auf der Farm von Naomi Wamboi. In atemberaubender Geschwindigkeit stopft sie große Blätter in einen Sack. Es ist das Gemüse, das in Kenia am häufigsten gegessen wird: Sukuma Wiki, eine Art Grünkohl.

Naomi Wamboi hat sich auf traditionelle kenianische Gemüsesorten spezialisiert: "Jede Woche ernten wir an drei Tagen. Die Nachfrage ist groß. Meine Abnehmer sind Händler, die Marktstände haben." So müsse sie sich nicht selbst um den direkten Verkauf kümmern und könne sich ganz auf die Produktion konzentrieren, erklärt sie.

Naomi | Bildquelle: Antje Diekhans
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Naomi Wamboi machte ihr Diplom in Handelswissenschaften in Nairobi, bevor sie in ihre Heimatregion zurückkehrte, um Farmerin zu werden.

Von der Uni auf die Farm

Noch vor wenigen Jahren hätte sich die Farmerin nicht träumen lassen, dass sie mal diesen Beruf ergreift. Sie studierte Handelswissenschaften in Kenias Hauptstadt Nairobi und schloss mit einem Diplom ab.

Danach ging die Jobsuche los. Drei Jahre lang bewarb sich Wamboi bei verschiedenen Unternehmen: vergeblich. Sie beschloss, in ihre Heimatregion zurückzugehen. Eine ländliche Gegend, etwa eine Stunde Fahrzeit von Nairobi entfernt. Viele Freunde kritisierten die Entscheidung: Sie verbaue sich die Chance auf eine Karriere.

Doch das sieht Wamboi völlig anders: "Landwirtschaft ist nichts für dumme Leute. Es hat tatsächlich viel mit Wirtschaft zu tun. Man braucht ein umfangreiches Wissen. Wenn du die Farm nicht richtig organisierst, funktioniert es nicht."

Starthilfe von den Vereinten Nationen

Unterstützt wurde die 30-Jährige von der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, FAO. Die hat seit einiger Zeit Programme, um der Landflucht in Kenia entgegenzuwirken. Denn nur wenige junge Menschen hier entscheiden sich noch dafür, in der Landwirtschaft zu arbeiten.

Joy Ngui von der FAO koordiniert Schulungen für die Nachwuchsfarmer. "Es gibt viel Abwanderung. Die Leute ziehen vom Land in die Städte. Sie suchen nach Jobs oder wollen dort eine gute Ausbildung machen." Der Altersdurchschnitt bei den Landwirten werde immer höher, so Ngui: "Darum haben wir uns gefragt: Wer wird in Zukunft noch unsere Nahrung produzieren? Was werden wir essen, wenn wir sogar noch eine wachsende Bevölkerung haben?"

Farmerin Naomi Wamboi mit einer ihrer Angestellten bei der Feldarbeit | Bildquelle: Antje Diekhans
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Farmerin Naomi Wamboi mit einer ihrer Angestellten bei der Feldarbeit.

Hoffnung auf die Jugend

Die Landwirtschaft ist Kenias wichtigster Wirtschaftszweig. Sie macht etwa ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts aus. Aber schon jetzt reichen die Erträge nicht, um die gesamte Bevölkerung zu ernähren. Grundnahrungsmittel müssen importiert werden.

Wenn die Jugend sich weiter vor allem in Richtung der Städte orientiert, könnte die Ernährungssituation schwierig werden, befürchtet die FAO-Vertreterin. "Darum sind wir auf die jungen Leuten zugegangen, mit denen wir jetzt zusammenarbeiten. Wir bringen ihnen bei, wie Landwirtschaft richtig betrieben wird." Die FAO habe Schulen auf dem Land, in denen praktisch gelernt werde. "Das Wissen, das hier erworben wird, können alle dann auf ihren eigenen Farmen anwenden", erklärt Ngui.

Die "Null-Hunger-Generation"

Die FAO, die vor 75 Jahren gegründet wurde, ist seit etwa vier Jahrzehnten in Kenia aktiv. Lange Zeit ging es vor allem darum, den Hunger zu besiegen. Inzwischen hat sich Kenia zu einem Land mit niedrigem mittleren Einkommen entwickelt.

Auch wenn die Versorgungslage vor allem in den nördlichen Halbwüstenregionen oft noch schlecht sei, habe die FAO doch viel erreicht, meint Ngui: "Für mich sind die Möglichkeiten, die wir für die Jugend geschaffen haben, unser größter Erfolg. Ich nenne sie die 'Null-Hunger-Generation'. Wir geben den Staffelstab jetzt an sie weiter. Wir haben sie mit allem Notwendigen gerüstet, und jetzt müssen sie selbst daran arbeiten, Kenias Ernährungslage zu sichern."

Eine Kuh blickt in die Kamera | Bildquelle: Antje Diekhans
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Auf der Farm werden auch Kühe gehalten.

Bio ist die Zukunft

Farmerin Wamboi wässert nach der Ernte noch kleine Pflänzchen auf einem anderen Teil ihres Ackers. Drei Hektar bewirtschaftet die junge Frau inzwischen insgesamt - zusammen mit drei Angestellten. Auch ihr Mann, der noch einen anderen Beruf hat, hilft mit. Für die Familie mit drei Kindern reicht das Einkommen aus dem Farmbetrieb gut aus.

"Ich kann mir inzwischen nicht mehr vorstellen, angestellt zu sein. Ich will hier auf meiner Farm bleiben. In der Landwirtschaft kann viel Geld verdient werden. Und es gibt noch immer Bereiche, die nicht abgedeckt sind", weiß Wamboi. Biolandwirtschaft zum Beispiel gibt es in Kenia kaum. Die Farmerin verzichtet schon jetzt auf Pestizide - und sie bildet sich weiter, um auch in diesem Bereich zur Spezialistin zu werden.

Traumberuf Farmer - Wie die FAO die Landflucht in Kenia stoppen will
Antje Diekhans, ARD Nairobi
15.10.2020 18:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Oktober 2020 um 05:51 Uhr in der Sendung "Informationen am Morgen".

Korrespondentin

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