Ein Flüssiggas-Tanker aus Katar wird im Hafen Raslaffans aufgefüllt | Bildquelle: AP

Abschied vom Ölkartell Katar steigt aus der OPEC aus

Stand: 03.12.2018 14:35 Uhr

Nur noch vier Wochen: Katar verlässt überraschend im Januar die OPEC. Offiziell begründete der Energieminister den Schritt mit dem geplanten Ausbau der Gasförderung. Hintergrund könnte auch der Streit mit Saudi-Arabien sein.

Der Golfstaat Katar verlässt die Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC). Die Mitgliedschaft werde im Januar 2019 enden, kündigte Energieminister Saad al Kaabi überraschend in Doha an. Seinen Angaben zufolge wurde die OPEC kurz zuvor informiert. Der Rückzug spiegele den Wunsch Katars wider, sich auf die Steigerung der Gasproduktion zu konzentrieren, zitierte Qatar Petroleum den Minister. Damit schwächte das Golf-Emirat Bemühungen um eine einheitliche Haltung der OPEC-Länder.

Katar will die Gasförderung bis spätestens 2024 von jährlich 77 Millionen Tonnen auf 110 Millionen Tonnen erhöhen. Das Gas stammt vom South-Pars-Feld vor der Küste, dem größten Gasfeld der Welt. Katar teilt es sich mit dem Iran. Die Erdölförderung soll von 4,8 Millionen auf 6,5 Millionen Barrel erhöht werden.

Es ist das erste Mal, dass ein Mitgliedsland aus dem Mittleren Osten die Organisation verlässt. Katar war 57 Jahre lang Mitglied der Organisation mit Sitz in Wien.

Vom großen Nachbarn blockiert

Die Entscheidung könnte mit dem erbitterten Streit mit dem Nachbarland Saudi-Arabien zusammenhängen, obgleich das Emirat dies zurückweist. Minister Kaabi griff Saudi-Arabien nicht namentlich direkt an, richtete aber eine unverkennbare Spitze gegen das dominierende OPEC-Mitglied. "Wir sagen nicht, dass wir aus dem Ölgeschäft aussteigen, aber dieses wird von einer Organisation kontrolliert, die von einem einzelnen Land geführt wird", sagte er. Katar habe in dem Kartell kaum etwas zu sagen.

Im Sommer 2017 hatten Saudi-Arabien sowie Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten hatten ihre diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen und eine Verkehrs- und Handelsblockade gegen den Golfstaat verhängt. Sie werfen Katar vor, "Terrorismus" zu unterstützen und zu enge Beziehungen zum schiitischen Iran zu pflegen. Doha weist diese Vorwürfe zurück.

Weltgrößter Exporteur von verflüssigtem Erdgas

Während Weltmarktführer Saudi-Arabien täglich elf Millionen Barrel Öl produziert, kommt das Emirat auf lediglich 600.000. Dagegen ist Katar der weltgrößte Exporteur von verflüssigtem Erdgas. Das Golf-Emirat liefert dem Weltmarkt rund 30 Prozent der Gesamtmenge. Die Offshore-Gasfelder South Pars wurden 1971 entdeckt - im selben Jahr wurde das kleine Land unabhängig von Großbritannien.

In OPEC-Kreisen wurde der Rückzug Katars in erster Linie als symbolischer Akt gewertet. "Sie sind kein großer Produzent, aber haben einen großen Anteil an der Geschichte" der Organisation", hieß es dort.

Die Skyline von Doha, Katar. | Bildquelle: AP
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Die Skyline von Doha, Katar. Das Land wurde 1971 unabhängig. Im selben Jahr wurde das Gasfeld South Pars entdeckt, das bis in die Einflussspähre des Irans reicht.

OPEC womöglich vor historischem Wendepunkt

Der früherer Energieminister des OPEC-Landes Algerien, Chakib Chelil, betonte die psychologische Bedeutung von Katars Entscheidung. Dieser könnten sich andere OPEC-Mitglieder anschließen und damit Konsequenzen ziehen aus den jüngsten Alleingängen Saudi-Arabiens, so Chelil. Die Organisation stehe womöglich vor einem historischen Wendepunkt.

Saudi-Arabien stimmt sich in Fragen der Ölproduktion zunehmend mit Russland ab, das nicht zur OPEC gehört. Außerdem steht das Königreich unter besonderem Druck durch US-Präsident Donald Trump, der auf niedrige Ölpreise pocht.

Die OPEC dürfte sich bei einem Treffen diese Woche auf eine Reduzierung der Förderung verständigen und dabei Unterstützung von der Regierung in Moskau erhalten. Damit soll ein Anstieg der Ölpreise erreicht werden, nachdem diese seit Oktober um fast 30 Prozent eingebrochen sind. An den Beratungen am Donnerstag und Freitag will Katar noch teilnehmen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 03. Dezember 2018 um 08:15 Uhr.

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