Katar, Al Khor: Ein Arbeiter geht über die Baustelle des Al-Bayt-Stadions vor den Toren der Stadt (Archiv). | dpa

Nach internationaler Kritik Katar führt Mindestlohn ein

Stand: 30.08.2020 21:23 Uhr

Lange war Katar für die Ausbeutung von Arbeitskräften scharf kritisiert worden. Jetzt reagiert das Emirat und führt einen Mindestlohn ein. Er entspricht einem Stundenlohn von umgerechnet einem Euro.

Ausländische Wanderarbeiter, die für einen Hungerlohn unter unmenschlichen Bedingungen und bei Gluthitze FIFA-Stadien bauen: Bilder, die international für Empörung und scharfe Kritik an Katar gesorgt haben. In einem der (öl-)reichsten Länder der Welt wurden und werden Menschen wie Sklaven ausgebeutet. Jetzt reagiert das Emirat und führt einen allgemein gültigen Mindestlohn ein.

Mindestlohn und mehr Rechte

Wie das Arbeitsministerium in Doha mitteilte, müssen Arbeitskräfte künftig mindestens 1000 Riyal - umgerechnet 231 Euro - für einen Monat Vollzeitarbeit bekommen. Das entspricht umgerechnet einem Stundenlohn von etwa einem Euro. Arbeitgeber müssen ihren Beschäftigten zudem Verpflegung und eine Unterkunft bereitstellen - oder aber ihnen weitere 800 Riyal pro Monat zahlen.

Außerdem wird es Angestellten erleichtert, ihren Arbeitgeber zu wechseln. Bislang hatten sie bei einem Jobwechsel eine Bescheinigung vorlegen müssen, dass ihr bisheriger Arbeitgeber keine Einwände dagegen erhebt.

Katar sei nun "das erste Land im Nahen Osten mit einem unterschiedslosen Mindestlohn für alle Arbeiter", hieß es aus der Behörde. Auch die Internationale Arbeitsorganisation ILO lobte die Reform als einen "historischen Schritt".

Arbeitgeber bekommen noch Zeit

Die neuen Regelungen waren bereits vergangenen Oktober verkündet worden, doch sie sind erst von jetzt an gesetzlich gültig. Allerdings bekommen Arbeitgeber ein weiteres halbes Jahr Zeit, sie umzusetzen. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International begrüßte die Neuerungen, forderte die katarischen Behörden jedoch auch auf, die Arbeitsmarktreformen "schnell und richtig" umzusetzen.

Erst vor einigen Tagen noch hatten Menschenrechtler von Human Rights Watch einen Bericht vorgelegt, in dem sie die bisherigen Bemühungen Katars zur Verbesserung der Bedingungen für Wanderarbeiter als unzureichend kritisierten. Danach müssen Arbeiter zum Teil hungern, weil Arbeitgeber die Löhne illegal zurückhielten. Arbeitskräfte aus dem Ausland machen 90 Prozent der Bevölkerung des reichen Golfstaates aus.