Kaufhof und Karstadt fusionieren. | FRIEDEMANN VOGEL/EPA-EFE/REX/Shu

Fusion von Kaufhof und Karstadt Gemeinsam aus der Krise

Stand: 11.09.2018 15:43 Uhr

Sie waren Erzrivalen in einem hart umkämpften Markt. Nun wollen es Karstadt und Kaufhof gemeinsam versuchen. Unklar ist noch, was der Zusammenschluss für Mitarbeiter und Kunden bedeuten wird.

Von Jens Eberl und Eva Kunkel, WDR

"Die Stimmung ist schon sehr lange sehr verhalten und mit sehr viel Angst verbunden", sagt Mariana Katavic. Sie ist nicht direkt bei Kaufhof angestellt, sondern arbeitet für einen Subunternehmer in einer Kölner Kaufhof-Filiale. Doch die Sorgen der Kolleginnen und Kollegen haben sich auch auf sie übertragen: "Das betrifft uns alle, das kann auch mich treffen, und das war jetzt der so genannte Gnadenstoß, der uns ereilt hat."

Jens Eberl

Keiner der Mitarbeiter weiß momentan, wie es weitergehen wird. Immer wieder ist von Stellenstreichungen die Rede. Die "Süddeutsche Zeitung" schreibt sogar, dass 5000 Arbeitsplätze wegfallen könnten. Das lässt keinen ruhig bei Kaufhof und Karstadt.

Beide Marken sollen erhalten bleiben

Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa sollen sowohl Karstadt als auch Galeria Kaufhof vorerst als Marken bestehen bleiben. Der neue Einzelhandelsriese wird europaweit 243 Standorte halten und rund 32.000 Mitarbeiter beschäftigen. Das teilten der österreichische Karstadt-Eigentümer Signa und der kanadische Kaufhof-Eigner Hudson's Bay Company (HBC) mit.

Karstadt-Chef Stephan Fanderl übernimmt nun auch den Karstadt-Kaufhof-Konzern | picture alliance / dpa

Karstadt-Chef Stephan Fanderl übernimmt nun auch den Karstadt-Kaufhof-Konzern. Bild: picture alliance / dpa

Der Karstadt-Chef Stephan Fanderl soll das zusammengeschlossene Unternehmen leiten. In einer Mitteilung des Konzerns wird er mit den Worten zitiert, die beiden zuletzt schwächelnden Partner hätten "eine ideale Lösung gefunden, um sich im umkämpften deutschen und europäischen Einzelhandelsmarkt erfolgreich zu positionieren". Auf das neue Unternehmen warte jetzt eine Phase harter Arbeit und großer Herausforderungen.

Unklar, ob Filialen geschlossen werden

Was sich für die Verbraucher und Mitarbeiter durch die Fusion konkret ändern wird, ist noch unklar. Ob beispielweise Filialschließungen geplant sind, ließen die Firmen noch offen.

Unter dem Dach der neuen Holding werden nicht nur die deutschen Kaufhof- und Karstadt-Filialen vereint, sondern auch die Karstadt-Sporthäuser, die europäischen Filialen der Outlet-Kette "Saks Off 5th", die Galeria-Inno-Kaufhäuser in Belgien, die erst kürzlich gegründeten Hudson's-Bay-Warenhäuser in den Niederlanden sowie eine Reihe von Internetanbietern.

Kaufhof und Karstadt haben seit Jahren mit der Konkurrenz aus dem Internet zu kämpfen: Amazon und Zalando machen den Kaufhäusern zu schaffen, aber auch Billiganbieter wie Primark schöpfen einen Großteil der Kundschaft ab. So hatte es Karstadt unter der Führung von Fanderl gerade noch in die schwarzen Zahlen geschafft. Kaufhof aber hatte in den vergangenen Jahren mit starken Umsatzrückgängen und Verlusten zu kämpfen.

Gewerkschaften und Kartellamt wollen Fusion genau beobachten

Wie es mit dem Personal weitergeht, soll in den kommenden Monaten verhandelt werden. Karstadt-Gesamtbetriebsratschef Jürgen Ettl forderte den Erhalt aller 32.000 Arbeitsplätze und aller Standorte. "Die Fusion darf nicht zulasten der Arbeitnehmer gehen", verlangte er. Die Gewerkschaft ver.di drängte die Eigentümer, die Arbeitnehmervertreter möglichst schnell in ihre Planungen einzubeziehen.

Bei der Frage, wie es konkret weitergeht, werden auch die Wettbewerbshüter ein Wort mitreden. Kartellamtspräsident Andreas Mundt kündigte bereits an, die Fusionspläne auf jeden Fall genau anzusehen: "Wir stellen uns auf ein extrem umfangreiches und aufwendiges Verfahren ein." Es müssten sowohl die Folgen für die Kunden als auch für die Lieferanten geprüft werden.

Deswegen kann auch noch gar nicht feststehen, ob und wie viele Filialen am Ende geschlossen werden. Vor allem die Kunden in mittleren und kleinen Städten dürften dann aber von möglichen Schließungen betroffen sein, denn: je kleiner der Standort, desto schwieriger ist es für ein Kaufhaus, rentabel zu sein.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. September 2018 um 12:00 Uhr, 15:00 Uhr und 16:00 Uhr.