Jörg Kukies | Florian Gaertner/photothek.net
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Wirtschaftspolitik Kukies wird Kanzlerberater

Stand: 06.12.2021 15:28 Uhr

Jörg Kukies soll Medienberichten zufolge Leiter der Abteilung für Wirtschaftspolitik im Bundeskanzleramt werden. Ein Nachfolger für den scheidenden Bundesbank-Präsidenten ist noch nicht benannt worden.

Der designierte Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat nach übereinstimmenden Medienberichten Jörg Kukies als seinen Wirtschaftsberater und Leiter der Abteilung Finanz- und Wirtschaftspolitik im Kanzleramt ernannt. Kukies folgt damit auf den Ökonomen Lars-Hendrik Röller, der seit 2011 die Abteilung leitet.

Der Leiter der Finanz- und Wirtschaftsabteilung berät den Bundeskanzler in wichtigen Wirtschafts- und finanzpolitischen Fragen und bereitet Gespräche und internationale Treffen wie die G7-Gipfel aus wirtschaftspolitischer Sicht vor. Außerdem ist er der erste Ansprechpartner für Unternehmen in der Regierung und berät den Bundeskanzler beispielsweise in Fragen der Beteiligung des Bundes an Unternehmen wie der Telekom.

Personalie nicht unumstritten

Kukies ist seit 2018 verbeamteter Staatssekretär im Bundesfinanzministerium, wo er für die Themen Europa und Finanzmarkt zuständig ist. Der studierte Wirtschaftswissenschaftler arbeitete vor seiner Berufung in das Bundesministerium durch Scholz für Goldman Sachs. An der Berufung gab es reichlich Kritik aus den Reihen von Grünen und Linkspartei, die den SPD-Mann für nicht unabhängig hielten. Grünen-Finanzpolitiker Gerhard Schick sagte damals: "Dass ein Sozialdemokrat die Verantwortung für die Bankenregulierung einem Investmentbanker anvertraut, zeigt die Probleme der SPD."

Kukies begann 2001 bei Goldman Sachs in London in der Produktentwicklung, 2010 stieg er dort zum Partner auf und übernahm 2011 die Leitung des Deutschland-Geschäfts mit Aktien, festverzinslichen Wertpapieren und Derivaten. Ende desselben Jahres wurde Kukies zusammen mit Wolfgang Fink Co-Vorsitzender von Goldman Sachs Deutschland und Österreich in der Nachfolge von Alexander Dibelius.

Wichtige Position noch immer nicht besetzt

Die Position der scheidenden Bundesbank-Präsidenten Jens Weidmann ist dagegen noch nicht neu besetzt. "Alle Dinge werden gut vorbereitet, und werden lange vorbereitet", sagte der designierte Kanzler Scholz bei der Vorstellung der Ministerriege der Sozialdemokraten. Was die Institutionen betreffe, werde "das natürlich nicht jetzt vor der Bildung der Regierung stattfinden", sondern erst, wenn es auf der Tagesordnung stehe. In der vergangenen Woche waren Spekulationen über Joachim Nagel als möglichen Nachfolger lauter geworden. Zuvor gab es auch Spekulationen über Kukies als möglichen Nachfolger.

Weidmann hatte überraschend nach zehn Jahren an der Spitze der deutschen Notenbank seinen Rücktritt zum Jahresende angekündigt und dafür persönliche Gründe genannt. Er verlässt damit lange vor dem Ende der regulär bis 2027 laufenden Amtszeit die Bundesbank.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 06. Dezember 2021 um 12:10 Uhr.