Tagung des IWF in Bali | Bildquelle: AP

IWF warnt vor neuen Gefahren Die nächste Krise lauert schon

Stand: 10.10.2018 10:42 Uhr

Zehn Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise versuchen einige Länder, die Regulierung der Finanzmärkte wieder zu lockern. Doch der IWF warnt vor neuen Risiken und einem immer höheren Schuldenberg.

Von Jan Bösche, ARD-Studio Washington

Mahnungen und Warnungen - der Internationale Währungsfonds (IWF) versucht auf allen Kanälen, seine Mitglieder davon zu überzeugen, dass die nächste Krise schon lauert. Das gilt auch für die Finanzwelt: Sie müsse sich auf neue Risiken einstellen. 

"Das globale Finanzsystem ist heute stärker als es vor der Finanzkrise war", sagt der zuständige IWF-Direktor Tobias Adrian. "Dank zehn Jahren Reformen und Erholung." Allerdings wüchsen die finanziellen Ungleichgewichte, "und das neue Finanzsystem ist bisher noch nicht krisengetestet".

IWF-Direktor Tobias Adrian | Bildquelle: IMF/STEPHEN JAFFE HANDOUT/EPA-EF
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Am Rande der IWF-Weltbank-Tagung in Indonesien stellte IWF-Direktor Tobias Adrian den Berichte zur Finanzmarktstabilität vor.

"Widerstandsfähigkeit weiter stärken"

Es gebe neue Probleme: Das Wirtschaftswachstum habe sich eingependelt und sei nicht mehr so kräftig wie erwartet. Handelskonflikte ängstigten Investoren, die Schwellenländer litten unter dem stärker gewordenen US-Dollar.

"Es ist entscheidend, dass die Widerstandsfähigkeit des Finanzsystems weiter gestärkt wird", betont Adrian. "Politiker müssen sicherstellen, dass die Reformen nach der Finanzkrise komplett umgesetzt werden. Sie sollten sich der Aufforderung widersetzen, Reformen wieder zurückzudrehen." Die Zentralbanken müssten ihre Zinspolitik schrittweise normalisieren, und das klar kommunizieren."

Das war gleich eine doppelte Mahnung an die USA: Zum einen wurden dort die strengeren Finanzregeln schon wieder gelockert. Zum anderen bestimmt die Notenbank FED mit ihrer Zinspolitik auch das Schicksal vieler Schwellenländer, die Kredite in US-Dollar aufgenommen haben.

Schuldenlast auf Rekordstand

Eine weitere Mahnung an die USA verbirgt sich im Blick des IWF auf die Staatsfinanzen. Ein großes Problem weltweit: Es gibt immer mehr Schulden. Laut IWF hat die Schuldenlast einen neuen Rekord erreicht. Sie stieg innerhalb von zehn Jahren um 50 Peozent auf 182 Billionen Dollar. Das meiste davon geht auf das Konto der USA und Chinas.

Aber auch andere Regierungen versuchten, die Folgen der Finanzkrise mit Schulden in den Griff zu bekommen. Der zuständige IWF-Direktor Vitor Gaspar mahnte die Staaten, der Aufschwung werde nicht für immer weitergehen. "Es ist an der Zeit, für den nächsten Abschwung finanzielle Spielräume zu schaffen. Es ist entscheidend, Steuerkapazitäten zu schaffen, damit der Staat Kapazitäten hat und damit Entwicklungsziele erreicht werden können."

Das richtet sich vor allem an Entwicklungsländer. Viele von ihnen nehmen viel weniger Steuern ein, als sie könnten. Eine weitere Einkommensquelle aus Sicht des IWF sind Werte und Kapital der Staaten. Das können Rohstoffe sein, oder Unternehmensbeteiligungen. Wenn diese Werte besser gemanagt würden, könnte das die staatlichen Einkünfte noch verbessern.

IWF warnt: Schuldenberge werden zum Problem
Jan Bösche, MDR Washington z. Zt. Bali
10.10.2018 09:55 Uhr

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Über dieses Thema berichtete SWR Aktuell am 09. Oktober 2018 um 07:15 Uhr.

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