Arabischer Offizieller steht in der Nähe einer Maschine der israelischen Fluglinie El Al | AFP

Exporte in die VAE Israels Profit des Friedens

Stand: 15.09.2020 11:10 Uhr

Viele Firmen in Israel versetzt das Friedensabkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten in Euphorie. Es öffnet sich ein lukrativer Absatzmarkt für Exporte wichtiger Branchen.

Von Susanne Glass, ARD-Studio Tel Aviv

Wirtschaftlich ist das Friedensabkommen zwischen Israel und den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) mindestens so viel wert wie diplomatisch. Darüber sind sich die Geschäftsleute einig. Entsprechend enthusiastisch fallen die Kommentare aus. Das israelische Wirtschaftsmagazin "Globes" beruft sich auf einen "prominenten Geschäftsmann" und ehemaligen Militär, der eine "Riesengelegenheit" für israelische Firmen sowie einen "dramatischen Anschub der Exporte" prognostiziert. Sein Fazit: "Nur noch der Himmel ist die Grenze!"

Susanne Glass ARD-Studio Tel Aviv

Großes Handelsvolumen erwartet

Ähnlich die Expertise von Yoal Guzzansky vom Tel Aviver Institute INSS. Er sagt: "Israel hat die Technologien, die VAE haben Kapital. Das ist eine himmlische Verbindung." Der israelische Wirtschaftsminister Amir Peretz erklärt, er rechne damit, dass der Friedensdeal seinem Land Hunderte Millionen US-Dollar pro Jahr einbringen werde. Konkret beziffert er die möglichen israelischen Exporte in die VAE auf bis zu 500 Millionen US-Dollar und die Investitionen der Emirate in Israel auf rund 350 Millionen US-Dollar jährlich.

Tatsächlich sind die VAE nach Saudi-Arabien die zweitwichtigste Volkswirtschaft im Mittleren Osten mit zehn Millionen Einwohnern und einem Bruttoinlandsprodukt von mehr als 400 Milliarden US-Dollar. Der Lebensstandard ist hoch, ebenso die Nachfrage nach wissenschaftlichen und technologischen Entwicklungen. Und diese kann Israel auf führendem Niveau bedienen.

Exporte bislang über Umwege

Unter dem Radar haben sich die Geschäftsbeziehungen ohnehin schon seit Jahren auch ohne diplomatische Beziehungen, ohne Friedensabkommen, ohne Wirtschaftskammern und ohne Handelsdiplomatie intensiviert. Die Tel Aviver Wirtschaftszeitung "Kalkalist" schätzt, dass derzeit 200 israelische Firmen in den VAE aktiv sind. Das Institute for Global Change des ehemaligen britischen Premierministers Tony Blair kommt in einer aktuellen Studie zu dem Ergebnis, dass Israels Exportvolumen in die Golfländer schon im Jahr 2016 rund eine Milliarde US-Dollar betragen hat. Das wäre mehr als Israels Ausfuhren in die großen Wirtschaftsmächte wie Russland oder Japan und etwa zwei Drittel der Exporte nach Deutschland.

Weil die arabischen Handelspartner den Staat Israel offiziell nicht anerkannten, mussten die Exporte dorthin bisher über Drittländer stattfinden. Das heißt, Israel konnte bis dato nur einen kleinen Anteil des Potenzials ausschöpfen, das bei offenen arabischen Märkten möglich wäre.

Aufschwung für viele Bereiche

Bereits vor der Unterzeichnung des Friedensabkommens vereinbarten zwei Firmen aus Abu Dhabi und Tel Aviv eine Kooperation. Ihr Joint Venture arbeitet an der Entwicklung eines Covid-19-Tests mittels elektromagnetischer Wellen. Neben der Medizintechnik - gerade auch bei der Bekämpfung der Pandemie -, erhoffen sich etwa die Cyper- und die Finanztechnologie einen Aufschwung. Auch die israelische Nahrungsmitteltechnologie, die Wasseraufbereitungsindustrie und die Agrartechnologie dürften in den Emiraten auf eine große Nachfrage stoßen.

Eine Telefonverbindung zwischen beiden Ländern wurde bereits freigeschaltet. Wenn Corona das Reisen wieder zulässt, soll auch der gegenseitige Tourismus angekurbelt werden. Die israelischen Sicherheitskräfte hoffen darauf, von den Erkenntnissen der VAE über den gemeinsamen Erzfeind Iran zu profitieren. Auch dank israelischer Cypertechnologie und Sensoren entwickelte sich in den Emiraten ein regionales Spionagezentrum.

Enge Grenzen sind der neuen Zusammenarbeit aber bei Rüstungsgeschäften gesetzt. Abu Dhabi hatte offenbar darauf gehofft, nach dem Friedensdeal F-35 Jets von den USA geliefert zu bekommen. Bisher sichern diese Kampfjets Israels militärische Überlegenheit gegenüber den arabischen Nachbarländern. Nach einer heftigen Intervention aus Jerusalem versicherte US-Außenminister Mike Pompeo, dass die USA darauf achten werden, Israels militärischen Vorsprung in der Nahost-Region zu erhalten. Allerdings werde man auch die Vereinigten Arabischen Emirate weiter militärisch unterstützen.

Israelischer Kampfjet vom Typ F-35 fliegt in der Luft | AFP

Israels Kampfjets vom Typ F-35 sichern derzeit die militärische Überlegenheit des Landes gegenüber den arabischen Nachbarn. Bild: AFP