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ZEW-Studie Pleiten bei kleinen Firmen erwartet

Stand: 14.05.2021 12:46 Uhr

Bislang haben die wirtschaftlichen Verwerfungen der Pandemie noch zu keiner großen Pleitewelle geführt. In den kommenden Monaten drohen aber Experten zufolge deutlich mehr Probleme bei kleineren Firmen und Einzelunternehmen.

Die Pleitewelle könnte in den kommenden Monaten an Fahrt aufnehmen. Grund ist, dass sich nun die Probleme der Pandemie viel mehr bei kleineren Firmen und Einzelunternehmen auswirken können.

Das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) rechnet damit insbesondere in den Bereichen, die besonders von der Corona-Pandemie betroffen sind. Dazu zählen die Experten Gastronomie, Beherbergung, Tourismus und Bekleidung. Die Entwicklung ergebe sich aus einer Analyse von Insolvenzdaten der vergangenen Jahre, wie Mannheimer Forschungseinrichtung mitteilte. In den vier Monaten nach Beginn der Pandemie war die Zahl der Firmenzusammenbrüche im Dienstleistungs- und Handelssektor den Angaben zufolge noch überproportional gesunken.

Vor allem kleine Firmen, Selbstständige und Freiberufler betroffen

Anfällig seien insbesondere Firmen mit bis zu zehn Beschäftigten sowie Selbstständige und Freiberufler, heißt es in der Untersuchung. Vor allem bei solchen Unternehmen mit begrenzten Bargeldreserven und geringen Sicherheiten für die Inanspruchnahme neuer Kreditlinien gebe es nun ein hohes Insolvenzrisiko.

Wegen der zeitweise ausgesetzten Insolvenzsantragspflicht war die Zahl der Firmenpleiten im Corona-Krisenjahr auf ein Rekordtief gesunken. Nun gebe es dadurch einen "Rückstau" insbesondere bei Unternehmen, die mit ihrem gesamten Vermögen haften. Diese hätten die Möglichkeit zur Aussetzung der Insolvenz vorwiegend genutzt. Nach der Rückkehr zur Insolvenzantragspflicht sei bei dieser Haftungsform nun wieder ein höheres Niveau zu erwarten. Diese Entwicklung betreffe auch Unternehmer, die über 65 Jahre alt seien.

Seit Anfang Mai gilt es

Normalerweise muss ein Insolvenzantrag spätestens drei Wochen nach Eintritt eines Insolvenzgrundes wie Überschuldung oder Zahlungsunfähigkeit gestellt werden. Um eine Pleitewelle in der Corona-Krise zu verhindern, hatte der Staat diese Pflicht zum Insolvenzantrag zeitweise ausgesetzt. Seit Oktober 2020 galt sie wieder für zahlungsunfähige Unternehmen, ab Ende Dezember auch für überschuldete Firmen. Die letzte Ausnahme für Unternehmen, die noch auf die Auszahlung der seit November vorgesehenen staatlichen Hilfen warten, entfiel zum ersten Mai 2021.

Über dieses Thema berichtete die BR Rundschau am 30.04.2021 um 18:29 Uhr.