Infrarotheizung | picture alliance/dpa

Energiekrise Mit Infrarot heizen statt mit Gas?

Stand: 10.09.2022 06:20 Uhr

Weil Gas und Öl so teuer sind, denken viele Hausbesitzer über Alternativen zu ihrer Heizung nach. Vergleichsweise einfach ist der Einbau von Infrarotheizungen. Eignen sie sich als Ersatz?

Von Jan Henrich, SR

Die Wände seines Verkaufsraums in Saarwellingen im Saarland hängen voll mit den flachen Geräten. In allen möglichen Ausführungen hat Dominik Schmitt vom Energiezentrum Saar dort Infrarotheizungen ausgestellt. Je nach Gestaltung entweder unscheinbar oder auffällig bunt. Von Foto-Motiven und Schiefertafel-Optik bis hin zu dezent weißen Platten, die direkt an der Decke angebracht werden. Dort fallen sie fast nicht mehr auf.

Im Gegensatz zu Wärmepumpen, so Schmitt, seien die Geräte günstig in der Anschaffung und auch zeitnah lieferbar. Über eine einfache Halterung könne man die drei bis maximal 16 Kilo schweren Panels zudem überall anbringen. Es brauche keine wasserführenden Leitungen im ganzen Haus, es reiche ein Stromanschluss. Je nachdem, ob man einzelne Panels zur ergänzenden Wärmeerzeugung nutzt, können diese auch einfach über die Steckdose betrieben werden.

Eine andere Art der Wärme

Anders als bei einer traditionellen Konvektionsheizung, die die umgebende Luft erhitzt, strahlen Infrarot-Panels ihre Wärme an den gesamten Raum ab - ähnlich wie bei einem Lagerfeuer oder einer Rotlichtlampe. Immer mehr Kunden seien an den Systemen interessiert, sagt der Händler. Viele bestellten nicht nur einzelne Elemente, sondern statteten damit gleich mehrere Räume aus.

Das bestätigt auch Fabian Digel, Geschäftsführer von Digel Heat. Das Familienunternehmen aus Baden-Württemberg hat 2006 angefangen, Infrarot-Heizelemente zu produzieren. In diesem Jahr sei die Nachfrage um etwa 25 Prozent gestiegen, sagt er.

Ob sich eine Infrarot-Heizung als Alternative zu traditionellen Heizungsanlagen rechnet, hänge von vielen Faktoren ab. Es komme auf die richtige Anzahl und Platzierung der Panels an. Idealerweise, erklärt Digel, würden die Systeme im Zusammenhang mit einer eigenen Photovoltaikanlage betrieben. Doch selbst dann, so ehrlich will der Unternehmer sein, lohne sich die Umrüstung in manchen Gebäuden nicht. Gerade in schlecht gedämmten Altbauten sei der Wärmeverlust zu groß.

Energieberater raten ab

Wirkungsgrad, Betriebskosten, Ökobilanz - dort fangen die vielen offenen Fragen zu den Infrarot-Systemen an. Die Stiftung Warentest hatte die elektrisch betriebenen Heizungen zuletzt als "Notlösung" bezeichnet, sollte es zum Ausfall der Gasversorgung kommen. Um die Stromkosten im Rahmen zu halten, wird zudem empfohlen die Geräte nur laufen zu lassen, wenn sich Personen im Raum befinden. Auch der Bundesverband Gebäudeenergieberater Ingenieure Handwerker (GIH) ist generell skeptisch. Als Ergänzung, beispielsweise im Bad oder bei hoch wärmegedämmten Häusern, könnten die Elektroheizungen noch sinnvoll sein, meint Arne Kruft aus dem Technikvorstand des GIH. Als kompletter Heizungsersatz seien sie allerdings nur in seltenen Fällen zu gebrauchen.

Moderne Wärmepumpen können aus einer Einheit Strom drei bis vier Einheiten Wärme erzeugen. Bei den reinen Elektroheizungen liegt das Verhältnis bei eins zu eins. Derzeit steigende Strompreise wirken sich entsprechend stark auf die Betriebskosten aus.

Er könne Menschen verstehen, die in den kommenden Wintern eine Alternative insbesondere zu Gasheizungen suchen, sagt Kruft. Er persönlich sehe das Risiko eines Strom-Blackouts allerdings höher als das einer Gasabschaltung. Insbesondere wenn immer mehr Menschen zu Infrarotsystemen oder gar Heizlüftern zur Wärmeerzeugung greifen.

Ökobilanz hängt vom Strom-Mix ab

Zudem sei die CO2-Bilanz problematisch. Denn die hängt bei Infrarotheizungen vom Energiemix ab. Beim aktuell steigenden Kohleanteil als Ersatz für Erdgas hält es Kruft in den Wintermonaten ökologisch sogar für sinnvoller, übergangsweise Propan- beziehungsweise Butangas-Heizgeräte zu betreiben.

Der Branchenverband IG Infrarot hält dagegen: Ohnehin bestehe die Empfehlung, Infrarotheizungen in ein ökologisches Gesamtkonzept einzubinden, beispielsweise mit Stromerzeugung aus einer Photovoltaik-Anlage. Der Energieverbrauch lasse sich zudem nur schwer mit dem traditioneller Heizungssysteme vergleichen. Bisherige Berechnungsformeln und Messverfahren seien auf Konvektionsheizungen zugeschnitten, nicht auf Strahlungswärme. Man könne deswegen noch nicht genau berechnen, in welchen Gebäuden sich eine Infrarotheizung lohnen und in welchen nicht.

Wer sie einsetzen will, muss in jedem Fall viele Faktoren berücksichtigen, gerade mit Blick auf Betriebskosten und Ökobilanz. Die Auswahl des richtigen Designs, wie im Laden von Dominik Schmitt im Laden, dürfte da das geringste Problem sein.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 02. August 2022 um 15:30 Uhr.