Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger | picture alliance / photothek

Arbeitgeber-Chef warnt Viele Firmen fürchten Einmalzahlung

Stand: 23.09.2022 10:40 Uhr

Erhalten viele Arbeitnehmer die im nächsten Entlastungspaket vorgesehenen 3000 Euro Einmalzahlungen doch nicht? Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger warnt vor zu hohen Erwartungen.

Noch hoffen Millionen Beschäftigte auf einen Lohnzuschlag von 3000 Euro. Im neuen Entlastungspaket ist vorgesehen, dass Unternehmen ihren Mitarbeitern neben dem Lohn einen zusätzlichen Einmalbetrag von bis zu 3000 Euro zahlen können. Dieser wird dann ausnahmsweise nicht mit Steuern und Sozialabgaben belegt.

"3000 Euro sind kein Selbstläufer"

Doch das versprochene "Geldgeschenk" könnte sich für viele als leere Hoffnung erweisen. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger hat Hoffnungen auf eine massenhafte Ausschüttung der "Inflationsprämie" gedämpft. "Viele Unternehmen würden ihren Mitarbeitern sicherlich eine Einmalzahlung egal in welcher Höhe ermöglichen, aber sie können es nicht, weil die massiv gestiegenen Energiekosten ihnen jede Luft zum Atmen nehmen", sagte Dulger dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Die 3000 Euro sind kein Selbstläufer."

Eine genaue Prognose, wie viele Firmen und Branchen die "Inflationsprämie" zahlen, wollte Dulger nicht machen. In der angespannten Lage gebe es viele Unternehmen, die nur einen Anteil oder auch gar keine Einmalzahlung leisten können. "Ein Bäcker, der statt 1500 plötzlich 15.000 Euro pro Monat für Strom und Gas bezahlen muss, braucht über Lohnerhöhungen oder Einmalzahlungen nicht mehr nachzudenken", sagte Dulger.

Grundsätzlich begrüßte der Arbeitgeberchef die Möglichkeit steuer- und abgabenfreier Einmalzahlungen als Ersatz für Tariferhöhungen. "Die Beschäftigten bekommen schnell zusätzliches Geld, für die Arbeitgeber entstehen langfristig keine höheren Kosten."

Politik appelliert an die Unternehmen

Bundeskanzler Olaf Scholz und zuletzt Arbeitsminister Hubertus Heil (beide SPD) hatten wiederholt an die Unternehmen appelliert, ihren Beschäftigten die vorgesehene "Inflationsprämie" von bis zu 3000 Euro zu gewähren. Bundeskanzler Scholz sprach bei der jüngsten konzertierten Aktion mit Gewerkschaften und Arbeitgebern von einem Angebot, das Arbeitgeber annehmen könnten oder nicht.

Von den Gewerkschaften war der Vorschlag verhalten aufgenommen worden. Der DGB steht Einmalzahlungen kritisch gegenüber, da sie keinen Reallohn-Verlust verhindern. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann sprach sich indes dafür aus, die "Inflationsprämien" an Angestellte für Unternehmen verpflichtend zu machen. Nur so könne sichergestellt werden, dass alle Beschäftigten das Geld bekämen, sagte der Gewerkschafter jüngst im NDR.

Ökonomen begrüßen das Konzept

Mehrere Ökonomen halten die "Inflationsprämie" für eine gute Idee. "Die steuerfreie Einmalzahlung könnte der Joker sein, um eine Lohn-Preis-Spirale zumindest abzudämpfen", sagt Hagen Lesch vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Der Ansatz habe sich bereits in der Corona-Pandemie bewährt. "Einmalzahlungen haben aus Unternehmenssicht einen Charme: Die Lohnkosten steigen nicht dauerhaft. Gleichzeitig sinkt das Risiko, dass steigende Lohnkosten die Preise auf breiter Front in die Höhe treiben und den geldpolitischen Restriktionskurs der Europäischen Zentralbank verschärfen."

Arbeitgeber-Chef fordert Ursachenbekämpfung

Ständig neue Entlastungspakete und die "Inflationsprämien" werden freilich nicht helfen, Deutschland vor der Rezession zu bewahren. Die Bundesregierung müsse endlich anfangen, die Ursache der Krise zu bekämpfen und nicht immer weiter an den Symptomen herumzudoktern, forderte Arbeitgeber-Chef Dulger im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. So erwartet er von der Politik schnelle Entscheidungen für den Ausbau des Stromangebots. "Dabei geht es auch darum, den Strompreis-Anstieg zu begrenzen." Notfalls müsse auch die Schuldenbremse ausgesetzt werden. "Viele Unternehmer würden die Austerität nicht als das im Augenblick drängendste Problem sehen", sagte Dulger.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. Juni 2022 um 12:00 Uhr in den Nachrichten.