Auszubildende des Vivantes-Konzerns mit Mund-Nasen-Schutz  | picture alliance/dpa

Weniger Ausbildungsplätze Schwieriger Start für Generation Z

Stand: 14.07.2021 17:28 Uhr

Erstmals seit der deutschen Einheit ist die Zahl der Ausbildungsstellen unter 500.000 gerutscht. In einer IG-Metall-Studie sagen 40 Prozent der jungen Erwachsenen, sie müssten sich wegen Corona beruflich neu orientieren.

Von Peter Gerhardt, hr

Vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen hat die Pandemie ihre Lebensplanung gründlich durchkreuzt. "Plan B" heißt dementsprechend die Studie, für die die IG Metall mehr als 4000 Menschen unter 27 Jahren befragen ließ. Viele Angehörige der sogenannten Generation Z hätten ihren Plan B allerdings noch nicht gefunden, sagt Jugendforscher Simon Schnetzer. Entsprechend groß ist die Verunsicherung. 54 Prozent gaben in der repräsentativen Befragung an, dass sie für sich schlechtere Chancen auf dem Arbeitsmarkt sehen.

Peter Gerhardt

Corona hat viele aus der Bahn geworfen

Immer wieder habe er in den Gesprächen gehört, dass Jugendliche fürchteten, ihre Abschlüsse, die sie in der Pandemie-Zeit erworben hätten, nicht als vollwertig angesehen würden. Denn die Qualität der Ausbildung hat im Zuge des Lockdowns unzweifelhaft gelitten. Berufs- und Hochschulen haben sich nur schwerfällig den Pandemie-Bedingungen angepasst. "Viele Jugendliche haben sich regelrecht eingeigelt", sagt Schnetzer, "sie brauchen jetzt dringend Stupser von außen, um aus diesem Gefühl der Minderwertigkeit herauszukommen". Denn bei vielen Angehörigen der Generation Z sei das wichtigste dieser Lebensphase weggefallen: soziale Kontakte. Demzufolge gaben 61 Prozent der Befragten an, dass sich ihre psychische Gesundheit verschlechtert habe, 51 Prozent glauben sogar, dass sie das eigene Leben nicht mehr kontrollieren können.

Vor allem bei der beruflichen Orientierung machten sich die Kontakteinschränkungen bemerkbar. Keine Berufseinsteigermessen, keine Infoveranstaltungen oder persönliche Beratung: Viele Jugendliche wissen ganz schlicht nichts oder wenig über ihren Traumjob und wie sie ihn finden können. Auch die Möglichkeit, ein Praktikum einzuschieben, um schon einmal Einblick in ein Berufsfeld zu erhalten, sei nur sehr eingeschränkt möglich gewesen.

Warnung vor "Generation Corona"

Doch auch diejenigen, die einen Ausbildungsplatz haben, sehen häufig einer ungewissen Zukunft entgegen. Weil sich Abschlussprüfungen verschieben, wächst die Unsicherheit, nach der Ausbildung übernommen zu werden. Daher appelliert die zweite Vorsitzende der IG Metall Christiane Benner an die Unternehmen, den Auszubildenden so viel Planungssicherheit wie möglich zu geben. Die Situation sei für viele Jugendliche jetzt schon schlimm genug. So sei die Zahl der abgeschlossenen Ausbildungsverträge im letzten Jahr um zehn Prozent zurückgegangen und die Jugendarbeitslosigkeit um 25 gestiegen, sagt sie.

Das zu ändern liege auch im Interesse der Unternehmen, denn für einen kommenden Aufschwung würden dringend neue Fachkräfte gebraucht. Die Unternehmen sollten daher die von der Bundesregierung beschlossene Ausbildungsprämie in Höhe von 6000 Euro stärker nutzen, sagt Benner, damit langfristig keine "Generation Corona" heranwachse, die bleibende berufliche und persönliche Schäden davontrage. Dazu brauche es auch ein Umdenken in vielen Firmen, stellte Jugendforscher Schnetzer fest. "Es reicht einfach nicht, eine Stellenanzeige zu veröffentlichen und auf Bewerbungen zu warten", sagt er. Die Generation Z setze auf persönliche Ansprache. Darauf müssten sich viele Führungs- und Personalmarketingstellen erst einmal einstellen.

Von Hedonsimus keine Spur

Bei aller Unsicherheit: Die Studie förderte auch Positives zutage. So lässt sich der Vorwurf, die Generation Z sei selbstbezogen, egoistisch und unpolitisch, nicht bestätigen. Fast 80 Prozent der Befragten sagen, dass es ihnen wichtig ist, sich für eine lebenswerte Zukunft einzusetzen und gegen Ungerechtigkeit zu kämpfen. Nicht zuletzt für die IG Metall als Gewerkschaft ist dies ein tröstliches Ergebnis. Sie hat derzeit 200.000 Mitglieder unter 27 Jahren. Die Zahl ist in der Pandemie leicht gesunken. "Aber das werden wir sicherlich bald wieder aufholen", sagt Gewerkschafterin Benner optimistisch.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. Juni 2021 um 08:30 Uhr.