Ein ICE der vierten Generation fährt auf einer Strecke im Sonnenlicht | dpa

Hochgeschwindigkeitszüge Wie die Bahn die ICE-Zukunft plant

Stand: 09.06.2021 07:59 Uhr

Mit neuen Zügen der vierten ICE-Generation baut die Deutsche Bahn gerade ihre Flotte aus. Sie sollen zuverlässiger, aber auch langsamer als ihre Vorgänger sein. Wie sehen die weiteren Zukunftspläne für den ICE aus?

Von André Kartschall, RBB

Die ICE-Flotte der Deutschen Bahn (DB) wächst. Statt der derzeitigen 330 sollen binnen fünf Jahren 420 Hochgeschwindigkeitszüge fahren. Das soll die Großstädte in einem deutlich dichteren Takt verbinden. Irgendwann einmal soll eine Flotte aus 600 ICE-Zügen in Deutschland unterwegs sein, so die Vision.

André Kartschall

"Wir bekommen alle drei Wochen einen neuen Zug", sagt Berthold Huber, Vorstand Personenverkehr bei der DB. Aktuell erhält die Bahn ICE-Züge der vierten Generation. Die seien zuverlässiger und komfortabler und hätten mittlerweile auch Klimaanlagen, die einem heißen Sommer standhalten können. Das war bei den Vorgängern nicht immer bei allen Außentemperaturen der Fall.

Doch der ICE 4 hat auch eine Besonderheit: Er ist langsamer als seine Vorgänger. Maximal 250 Kilometer pro Stunde schafft er. Es gab auch schon ICEs, die mehr als 300 fuhren. Ab August sollen die ICE 4 für immerhin 265 Stundenkilometer freigegeben werden dürfen.

Der ewige Rivale TGV

Die Bahn setzt bei ihrer Zukunftsstrategie voll auf den ICE. Doch die Grenzen des Machbaren stehen längst fest. Der ICE wird nach allem, was man weiß, nie so schnell werden wie beispielsweise der französische TGV. Das liegt nicht unbedingt am Zug selbst. Doch den Vergleich mit dem französischen Nachbarn wird der ICE nicht los.

Während der TGV 320 km/h schafft und ohne Zwischenhalte durch das Land rast, mühen sich deutsche ICE-Züge von Großstadt zu Großstadt, mit Zwischenhalten teilweise im Halbstundentakt. Auch das erhöht die Fahrzeit. Aber auch die Zahl der Menschen, die ohne große Umstände in einen Fernzug steigen können.

Deutschland ist einen ganz anderen Weg gegangen als Frankreich. Daran dürfte sich grundsätzlich auch nichts ändern. TGVs fahren auf eigenen Gleisen, die nur für sie reserviert sind und auf Hochgeschwindigkeit ausgebaut wurden. Der ICE muss das Streckennetz mit allen anderen teilen - und sich daher auch schon mal mit 120 km/h durch die Landschaft quälen. Nur spezielle Trassen für den ICE würden daran wirklich etwas ändern. Die aber sind nicht in Sicht.

Verbesserungen, keine Revolutionen

Hinzu kommt, dass - anders als in Frankreich - Deutschlands Großstädte und damit die Haltestellen so dicht beieinander liegen, dass es weder wirtschaftlich noch fahrgastfreundlich wäre, die Züge mit Maximaltempo fahren zu lassen. "Deshalb wird es bei uns in Deutschland bei Höchstgeschwindigkeiten von rund 300 km/h bleiben", sagt Huber.

Dass der ICE sich daher auch in Zukunft nachsagen lassen muss, langsamer als das französische Pendant zu sein, lässt sich nicht ändern, liege aber nun mal in der Natur der Sache, so die Bahn. Zwei Länder mit völlig verschiedenen Voraussetzungen kämen eben zu völlig unterschiedlichen Lösungen. "Im Grunde genommen haben es beide richtig gemacht - jeweils für sich", so Huber.

So sind die geplanten Fortschritte in Deutschland eher kleinerer Natur: Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrer, Fahrradabteile, eine bessere Raumaufteilung für die Passagiere und eben ein paar km/h mehr bei der Spitzengeschwindigkeit sollen die nächsten Jahre bringen.

In der nächsten Generation bis Tempo 300

Die Fahrtzeit dürfte das alles nicht maßgeblich beeinflussen - und damit auch nicht die Konkurrenzfähigkeit mit dem Flugzeug. Immerhin: Auf die vierte Generation soll wieder eine schnellere folgen - eine Weiterentwicklung des Vorgängers. Der ICE 3neo soll bis zu 320 Stundenkilometer schaffen, in etwa so viel wie die ursprüngliche dritte Generation. Das deutsche Streckennetz ist an seinen schnellsten Stellen allerdings nur bis 300 km/h zugelassen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 08. Juni 2021 um 06:36 Uhr.