Huawei-Manager Richard Yu bei der Vorstellung des neuen Betriebssystems | Bildquelle: AP

Betriebssystem "Harmony" Huawei stellt Android-Ersatz vor

Stand: 09.08.2019 15:38 Uhr

Der chinesische Huawei-Konzern hat erstmals ein eigenes Betriebssystem vorgestellt. Mit "Harmony" will sich der Smartphone-Hersteller unabhängig von Android machen.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Mit dem ersten eigenen Betriebssystem will Huawei ganz offensichtlich drohende Sanktionen der US-Regierung umgehen. Diese misstraut dem größten chinesischen Technologiekonzern und wirft ihm indirekt Spionage vor. Mit der neuen Betriebssoftware kommt Huawei nun - nach Angaben des Unternehmens - auch ohne Android aus, das ist das Betriebssystem des US-Herstellers Google.

"Harmony" als Android-Alternative

Auf großer Bühne stellte Huawei-Spitzenmanager Yu Chengdong alias Richard Yu die Software vor: Sie heißt "Hong Meng", außerhalb Chinas soll das neue Betriebssytem unter dem Namen "Harmony" vertrieben werden.

Man wolle der Welt mit dem neuen Betriebssystem mehr Harmonie und Bequemlichkeit bescheren, sagte er.

Das neue Huawei-Betriebssystem soll nicht nur auf Smartphones laufen, sondern auch auf Fernsehern, Smart-Watches, Tablets und anderen Geräten. Viele technische Einzelheiten gibt es noch nicht, nur so viel: Open Source soll das Ganze sein.

Am Samstag will der Elektronikkonzern Honor ein erstes Gerät mit der neuen Software vorstellen. Ein Telefon oder Tablet wird das nicht sein, vermutlich eher ein Fernseher oder Ähnliches.

Huawei präsentiert eigenen Betriebssystem "Harmony" | Bildquelle: AFP
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Huawei hat ein eigenes Betriebssystem entwickelt: Noch aber sollen die Smartphones zunächst weiter mit Android laufen.

Smartphones zunächst weiter mit Android

Bis "Harmony" alias "Hong Meng" tatsächlich auf einem Huawei-Telefon ausgeliefert wird, dürfte es noch dauern. Die Smartphones des chinesischen Technologiekonzerns sollen zunächst weiter mit Android laufen, das hat Yu Chengdong bei der Veranstaltung in der südchinesischen Stadt Dongguan ausdrücklich betont. Man könne aber jederzeit umstellen, sagte der Huawei-Manager.

Technologisch unabhängiger

Chinas allesamt staatlich kontrollierte Medien berichten euphorisch und ausführlich über die Vorstellung des Huawei-Betriebssystems. Tatsächlich hat das Ganze auch eine sehr politische Komponente: Denn wenn das chinesische Vorzeigeunternehmen wirklich Erfolg hat mit "Harmony", wird die Volksrepublik technologisch noch unabhängiger vom Rest der Welt. Und für die Staats- und Parteiführung in Peking würden Kontrolle und Überwachung noch einfacher.

Der chinesische Konzern Huawei | Bildquelle: dpa
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Mit dem neuen Betriebssystem will sich Huawei unabhängiger vom Android machen.

Zurückhaltende Reaktionen

Internationale Experten reagierten zunächst zurückhaltend: Ein vollwertiges Betriebssystem zu entwickeln, zumal eines, das auf verschiedensten Geräten stabil laufen soll, sei eine sehr komplexe Angelegenheit.

John Artman, Chefredakteur des Blogs Technode, das sich mit Technik-Trends aus China beschäftigt: "Betriebssysteme zu programmieren ist schwierig. Denn man muss es schaffen, die Hardware - also das Gerät - mit der Software zu verbinden."

"Harmony" auch außerhalb Chinas?

Unklar bleibt auch, ob Huawei sein neues Betriebssystem auch außerhalb Chinas durchsetzen will - und kann. Das weltweite Misstrauen gegen Huawei ist zuletzt eher noch größer geworden.

Der chinesische Huawei-Konzern leidet unter einem Boykott der US-Regierung. Dieser verbietet es amerikanischen Firmen, mit Huawei Geschäfte zu machen. Davon betroffen sind auch Google und die Android-Software.

China: Huawei stellt eigenes Betriebssystem vor
Steffen Wurzel, ARD Shanghai
09.08.2019 14:35 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info im Mittagsecho am 09. August 2019 um 13:00 Uhr.

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