Hotelzimmer | Bildquelle: imago images/Rüdiger Wölk

Branche in der Krise Wie Hotels über den Winter kommen

Stand: 27.11.2020 16:21 Uhr

Schließen müssen sie nicht, viele Gäste haben sie aber auch nicht. Wie gehen größere und kleinere Häuser mit dem verlängerten "Lockdown light" um? Zwei Hoteliers schildern ihre Situation.

Von Iris Marx, tagesschau.de

Hinter der goldenen Fassade eines ehemaligen Versicherungskonzerns im Kölner Friesenviertel ist vor zwei Jahren die Hotelgruppe 25h eingezogen. Direkt in der Lobby fallen einem sofort die Reste kultiger 1950er-Jahre-Büromöbel und die sehr modernen Sessel auf, die an kleine Raumschiffe erinnern. Ein fröhlicher Ort mit vielen bunten Farben, den nach der Verlängerung des Teil-Lockdowns auch im Dezember nicht viele Gäste sehen werden.

Dennoch könne der Betrieb nicht ganz eingestellt werden, sagt Direktorin Grit Pauling tagesschau.de. "Wir haben 207 Zimmer im Haus, die trotz der geringen Belegung stets gepflegt werden müssen. Angefangen bei den Pflanzen bis zum Staub, der sich nur nach einem Tag wieder bildet", sagt Pauling. Fast alle Mitarbeiter des Hotels befinden sich in Kurzarbeit. "Wir versuchen so gut es geht, alle Mitarbeiter weiter zu beschäftigen. Jetzt, wo unsere Bar geschlossen ist, macht der Barkeeper auch mal einen Nachtdienst als Concierge. Servicemitarbeiter kümmern sich um die Zimmerpflege. Das funktioniert ganz gut."

25hours Hotel The Circle | Bildquelle: Mario Brand
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207 Zimmer und kaum Gäste. Das 25h-Hotel in Köln.

Kreativität und Flexibilität gefragt

"Wir müssen jetzt auch Wege gehen, an die wir früher nicht gedacht haben". Dazu gehört, nicht nur Zimmer für die klassische Übernachtung anzubieten. "Bei uns können die Gäste auch die Räume als Homeoffice buchen. Wir nutzen inzwischen für unsere Angebote auch Portale wie ebay oder Airbnb", so die Direktorin. Auf diese Weise und durch die noch erlaubten beruflichen Übernachtungen kommt das Haus immerhin noch auf eine Auslastung von aktuell 25 Prozent.

Eigentlich sei für die Feiertage schon einiges vorbereitet gewesen, "aber das scheint nun erstmal nicht zu klappen. Daher wollen wir jetzt unser Menü aus unserem Restaurant als Take-Away anbieten", sagt Pauling. "Vielleicht tut sich ja auch doch noch was bis zum 20. Dezember". Bislang hat das Hotel, außer der Kurzarbeit, noch keine Hilfen der Bundesregierung erhalten. "Wir haben zwar einen langen Atem, aber ganz können wir die Verluste nicht stemmen. Wir werden die Hilfen jetzt beantragen, mal sehen, ob und wie viel es wird."

Weihnachtsgeschäft lohnt sich kaum

Zwar wollen Schleswig-Holstein, Niedersachsen und mehrere andere Bundesländer Hotelübernachtungen für Verwandtenbesuche zu Weihnachten erlauben. Doch vielen Betrieben, vor allem in der Gastronomie, würde das nicht helfen, sagt die Hauptgeschäftsführerin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, Ingrid Hartges. "In einer Blitzumfrage bei den Betrieben unseres Verbands haben fast 90 Prozent angegeben, dass sich eine Öffnung nur für fünf Tage zwischen Weihnachten und Neujahr nicht rechne". Der Personaleinsatz sei dafür zu aufwendig. Das gelte vor allem für Häuser in eher dünn besiedelten Gebieten. "Die Aussicht auf die weiteren Hilfen gibt den Betrieben immerhin eine Perspektive", so Hartges.

Myer's Hotel Berlin
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Kleinere Hotels, die nicht zu einer Kette gehören, haben es besonders schwer, über den Winter zu kommen. Vor allem in den Großstädten wollen aber viele offen bleiben - so wie das Myer's Hotel in Berlin.

Unsicherheit über Hilfen der Bundesregierung

Wenn die inzwischen auf den Dezember ausgeweiteten November-Hilfen denn mal ausgezahlt sind. Und allen Betrieben klar ist, wann genau sie wieviel erhalten. "Das ist gerade schwer zu kalkulieren", sagt der Berliner Hotelier André Falckenberg tagesschau.de. Das Myer's Hotel Berlin gehört mit seinen 51 Zimmern zu den kleineren Häusern. Für ihn ist der verlängerte Lockdown durchaus schmerzhaft. "Alle unsere 17 Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Übernachtungsgäste gibt es zurzeit so gut wie keine", so Falckenberg.

Dennoch wolle auch er nicht komplett schließen, schon alleine wegen der Außenwirkung. "Es sind viele Verwandte unserer Nachbarn aus der Umgebung, die während ihrer Besuche bei uns übernachten. Auch denen wollen wir signalisieren: Wir sind weiterhin für euch da". Wenn es sich das Bundesland Berlin nicht doch noch anders überlegt. Die Planbarkeit bleibt für die meisten eine Herausforderung.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. November 2020 um 17:00 Uhr.

Autorin

Iris Marx  | Bildquelle: Tanja Schnitzler Logo tagesschau.de

Iris Marx, tagesschau.de

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