Auspuff nicht mehr erwünscht: Ab 2030 dürften in Großbritannien keine Diesel- oder Benzinfahrzeuge mehr verkauft werden. | Bildquelle: AFP

Britischer Automarkt Neue Verbrenner ab 2030 verboten

Stand: 18.11.2020 10:28 Uhr

Die Regierung von Boris Johnson will schneller aus dem Verbrennungsmotor aussteigen als bislang geplant. Der Verkauf neuer Diesel oder Benzin-Fahrzeuge soll in Großbritannien in zehn Jahren nicht mehr erlaubt sein.

Großbritannien verbietet den Verkauf neuer Autos mit Benzin- oder Dieselmotoren bereits ab 2030. Premierminister Boris Johnson kündigte an, das bislang für 2035 geplante Verkaufsverbot um fünf Jahre vorzuziehen. Es gehe um eine "grüne industrielle Revolution" in seinem Land, sagte der Tory-Politiker.

Den neuen Plänen zufolge sollen Hybridfahrzeuge mit einem kombinierten Antrieb aus Elektro- und Verbrennungsmotor bis 2035 im Vereinigten Königreich verkauft werden dürfen.

"Sauberer, grüner, schöner"

"Es ist jetzt an der Zeit, einen grünen Aufschwung zu planen - mit hochqualifizierten Jobs, die den Menschen Befriedigung geben in der Gewissheit, dass sie dabei mithelfen, das Land sauberer, grüner und schöner zu machen", schrieb Johnson in einem Beitrag für die "Financial Times".

Die Regierung in London will außerdem in Wasserstoff investieren - und in Speichertechnologie für Kohlenstoff. Zwei weitere Anlagen sind bis zum Jahr 2030 geplant. Zusätzliche 200 Millionen Pfund sollen hierfür bereitgestellt werden, womit die Gesamtinvestitionen in diese Technologie bei einer Milliarde Pfund liegen.

Pläne für die Windkraft

Auch die Windenergie will Großbritannien stark ausbauen. Von derzeit 10 Gigawatt Leistung sollen die Offshore-Windparks innerhalb von zehn Jahren auf 40 Gigawatt wachsen. Als erstes Land unter den größten Industriestaaten (G7) hatte sich Großbritannien das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu werden.

Das Verkaufsverbot für Diesel- und Benzinfahrzeuge ab 2030 ist für den britischen Automarkt ein weitreichender Schritt. Etwa drei Viertel der verkauften Autos in diesem Jahr haben einen Verbrennungsmotor. Der Autoexperte Stefan Bratzel sieht die Frist als "starkes Signal" für die Autohersteller in Großbritannien, die bislang nicht bekannt seien für ihre Aktivitäten in Sachen Elektromobilität. Ausnahme sei der japanische Konzern Nissan, der im Land viele Autos auch für den EU-Markt herstelle.

"Kann Dominoeffekt auslösen"

"Wenn so ein großer Markt relativ schnell eine Wende einläutet, dann kann das einen Dominoeffekt auslösen", sagte Bratzel. Belastet ist die Autoindustrie in Großbritannien allerdings vom Brexit und dem drohenden EU-Austritt ohne ein Handelsabkommen. Die Branche ist seit langem fest in der Hand deutscher und internationaler Hersteller mit ihren globalen Produktions-Netzen. So gehört Bentley zu Volkswagen, die traditionsreiche Marke Mini ist Teil des BMW-Konzerns.

Ein Datum für ein Verbot neuer Benzin- und Dieselfahrzeuge hatte zuvor auch der US-Bundesstaat Kalifornien gesetzt. Dort dürften diese ab 2035 nicht mehr verkauft werden. Mit einem Anteil von rund elf Prozent ist Kalifornien der größte Automarkt der Vereinigten Staaten und damit auch für das globale Geschäft von großer Bedeutung.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. November 2020 um 04:00 Uhr in den Nachrichten.

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